Das Auto des anderen

Gestern hatte ich das Vergnügen im Auto meiner ehemaligen Mitbewohnerin mitzufahren. Ein Auto, das sie erst vor kurzem erworben hatte.

Und ich muss schon sagen, die Vielzahl der Knöpfe, Einstellmöglichkeiten, Displays, Anschlüsse und was es da sonst noch so gibt, das ist zum einen faszinierend, was die Kisten heute so können, und zum anderen manchmal sogar Schmunzelgrund.

Da hab ich doch völlig wertfrei ein Schloss gesucht, mittels dessen man wohl das Auto im Ernstfall auch mal SO aufsperren könnte. So wie ich das halt anno 1979 bei meinem VW-Käfer auch gemacht hab.

Na ja, das gab´s schon, aber ich hät es in meinem Leben nicht gefunden. Man musste praktisch neben dem Türgriff eine Kappe abziehen, und wenn man das ohne Fingernagelbruch geschafft haben würde, dann würde man das Auto ganz normal mit Schlüssel aufsperren können. Was natürlich ein vernünftig denkender Mensch niemals machen würde.

Lächeln musste ich zudem, dass „Auto“ mich beim Einsteigen immer erst damit begrüßte, dass es das Fenster 5 mm herunterließ, und nach dem Einsteigen selbiges wieder verschloss. Quasi ein „Willkommen!!!“

So ein Auto ist dazu angetan, dass man auch noch nach Monaten Dinge finden wird á la „WASSS, DAAAS hat das Auto auch?“

Und wie ich mir das Handbuch ansah, war mir klar, dass ein intuitives Kennenlernen des Autos eher schwierig sein würde. Da hät auch ich als EDV-Mensch so meine Probleme, weil für mich eine Software intuitiv zu bedienen sein muss (was ich jetzt grad wieder bei Windows10 erfahre). Bei so einem Auto kommt es immer drauf an, welcher „Fachidiot“ so ein Handbuch geschrieben hat. Und auch, wer sich überlegt hat, das Auto so zu bauen, bzgl. der Möglichkeiten, wie es gebaut wurde.

Und so kommt es vor, dass Frau auf einen Knopf drückt, und es gibt keine Radiosender mehr. Oder das Navi wird in die Halterung gedrückt, und es ist nicht zu entdecken, wo der Knopf zum entriegeln wäre, geschweige zu es überhaupt heraus zu bekommen.
Oder aber, um mal eine zu Rauchen (was natürlich höchst verboten ist im neuen „alten“ Auto), würde es des „Raucherpakets“ bedürfen, welches das Auto natürlich nicht hat. Dafür hat es, sozusagen als Ausgleich, vorne an den Scheinwerfer, Spritzdüsen, zum besprinkeln der Scheinwerfer. An die kleinen Scheibenwischer hatte man damals, beim Entwerfen des Autos, leider nicht mehr gedacht, um die solchermaßen vorgewässerte Verschmutzung, dann auch wegzuwischen.

OK, ich habe jetzt viel genug gelästert. Was eig nur denen zugedacht war, die sich so ein paar Sachen seinerzeit haben einfallen lassen, ohne daran zu denken, wie es wohl dem „Anwender“ ergehen mag. Stichwort „intuitiv“.

Offen gesagt, ich finde, sie hat da ein geiles Auto sich angeschafft. Und wenn ich jemals wieder ein Auto haben würde, und würde vor SO EINEM Auto stehen, ich würde garantiert schwach werden. Leider muss ich sagen, dass ich niemals wieder ein Auto haben werde (Ausnahme: Ein reines E-Auto, das einem Auto heutiger Bauart gleicht).
Falls also meine ehemalige Mitbewohnerin dies jemals lesen sollte, so sei ihr versichert, dass die Mehrzahl der grinsenden Äußerungen, meiner Art von Humor geschuldet ist, von der ich halt desöfteren nicht lassen kann, und ansonsten sie da ein wunderschönes Auto am Fahren ist.

Ein Auto, das ich mir niemals kaufen würde. Aber aus Gründen, die nichts mit dem Auto zu tun haben.

Freu mich echt über jede Nachricht !!!