DAS nennt man SERVICE

Ein Kunde geht zu seiner Bank, um dort am Automaten eine Überweisung einzutippen.

Er sieht dabei die allerorten aufgestellten Schilder, dass ab 01.02.2016 auch die Übergangszeit für Bankleitzahl und Kontonummer vorbei wäre und Überweisungen ab dann nur mehr per IBAN angenommen werden können.

Nun, denkt er, das ist ja kein Problem, weil am Automaten kann ich ja schön BLZ und Kt.Nr. eingeben, und der macht dann die IBAN draus. So kann ich die Bankdaten, die ich im Kopf habe weiterhin nutzen.

Sicherheitshalber fragt er anschließend am Bankschalter nach. Doch die Dame dort teilt ihm mit, dass auch das dann nicht mehr möglich sein wird.

Er versucht mit ihr in eine Diskussion einzusteigen, dass das schon unsinnig sei, weil es keinen Grund gäbe, dem Kunden diese Möglichkeit zu nehmen. Für die Bank sei es ein relativ geringer Aufwand in Form einiger Programmzeilen in der Software, und zudem würde ohnehin letztlich die IBAN erzeugt und weitergereicht.

Aber die gute Dame wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Annahme, dass das ein guter Service sein könnte. Denn irgendwann müsse ja schließlich Schluss sein mit dem alten System. Zudem würde das zentral gesteuert und sowas würde ja auch nur Kosten verursachen. Außerdem kämen nur noch relativ wenige Kunden, die keine IBAN verwenden.

Der Kunde hat die Diskussion letztlich mit den Worten beendet: Lassen wir es an dieser Stelle dabei bewenden, bringt nix. Es ist nur nicht schön, dass wieder ein Service gestrichen wird.

Meine Meinung dazu: Mit solchen Verfahrensweisen werden es die Banken nie schaffen, ihren Ruf zu verbessern. Auf der einen Seite wird der Service immer mehr reduziert bzw. auf unpersönliche Automaten verlagert, und auf der anderen Seite einem das Geld aus der Tasche gezogen. Ich erinnere nur an den Dispozins von 10% und mehr, der in meinen Augen staatlich legitimierter Betrug ist, wenn man sich ansieht, zu welchen Konditionen die Banken sich heute ihr Geld beschaffen können. Gleichzeitig werden für die Konten Gebühren kassiert, und auch noch an dem Geld verdient, dass sich zeitweise auf den Konten befindet, indem man damit arbeitet.
Aber mit einem Banker darüber zu diskutieren, das wäre so hoffnungslos wie der besagte Kampf gegen Windmühlen. Letztlich zählt nur die Bilanz.

Ich stamme, im Grunde genommen, aus einer Bankerfamilie. Will sagen, mein Vater und auch mein Großvater waren beide in Banken beschäftigt und haben es dabei einigermaßen weit gebracht.
Wenn man sich heute ansieht, wie Bankkunden behandelt werden, und welchen Service sie erfahren, das war früher absolut unvorstellbar. Und heute verstehe ich meinen Vater, warum er sich aus der Mühle irgendwann mal verabschiedet hat, mit den Worten: Die Entwicklung, die das Ganze nimmt, mache ich nicht länger mit.

Der o.g. Kunde wird vermutlich sein Konto bei besagter Bank auflösen. Das ist SEINE Möglichkeit, auf die Verhältnisse zu reagieren. Er wird wohl seine Bankgeschäfte künftig nur noch über sein Online-Konto einer bekannten Großbank abwickeln. Dort kostet das Konto nichts, eine Kreditkarte ist inbegriffen und der Dispozins beschränkt sich auf etwa 7%. Und dort kann er auch weiterhin BLZ und Kt.Nr. eingeben. Und er muss auch keine Diskussion führen, in der sein Gegenüber sich nicht die Mühe macht, Verständnis zu zeigen (auch wenn er nur so täte).

So geht Service.

Es grüßt,
das Smamap

8 Gedanken zu „DAS nennt man SERVICE#8220;

  1. Wir machen das ja auch alles gerne mit, Service wird an so vielem Stellen zurückgefahren. Bsp. Restaurants wie Vapiano. Man muss sein Essen selber holen, zahlt min. genau soviel wie in einem guten Restaurant. Bsp. Amazon, man muss sich seine Rechnungen mittlerweile selber ausdrucken, Bsp. Entgegennahme von Pfandflaschen, bei uns nur noch per Automat,…die Liste könnte man sicher fortsetzen. Wir schlucken das doch alles und so lang das so ist, wird Service auch zukünftig mehr und mehr zurückgehen. Leider bleiben meist auch Arbeitsplätze auf der Strecke ????

    • Stimmt auffallend 🙁
      Und Vieles wird als Service verkauft, was doch eher das Gegenteil ist, und dann auch noch groß beworben. Wenn etwas gestrichen wird, dann verliert natürlich keiner ein Wort darüber.
      Ich habe mir angewohnt auf solche Dinge zu reagieren. So kaufe ich seit langem nichts mehr bei Amazon (seit damals publik geworden ist, wie die mit ihren Mitarbeiter umgehen), und ich werde jetzt auch meine Bank wechseln, nachdem an mehreren Stellen klar geworden ist, wie die mit Kunden umgehen. Drucker habe ich keinen mehr (und kaufe somit auch keine teuren Patronen), und beim Getränkemarkt nebenan habe ich sogar noch mit richtigen Menschen zu tun.

Freu mich echt über jede Nachricht !!!