Die Unehrlichkeit der Politik(er)

Um Eines gleich vorauszuschicken: Ich gehöre zu denjenigen, die der Ansicht sind, dass allen Flüchtlingen, die vor Krieg fliehen, geholfen werden muss. Ohne Wenn und Aber.

Nicht nur, weil wir das Asylrecht haben, sondern schlicht und ergreifend, weil es ein Gebot der Menschlichkeit ist, Menschen in Not zu helfen. Wenn wir das nicht mehr tun, haben wir unsere Menschlichkeit verwirkt.

Nun ist es Tatsache, dass unser Land nicht alle Menschen aufnehmen kann, die aufgenommen werden wollen. Und es ist ebenso Tatsache, dass unsere Gesellschaft das auch nicht aushalten würde.
Ich möchte bzgl. Letzterem nicht dumpfe Ängste in Feld führen, sondern die einfachen Überlegungen, dass Kapazitäten begrenzt sind und dass Menschen überfordert sind, wenn zu viel Fremdes auf sie zukommt. Letzteres hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern einfach damit, dass der Mensch eine Spezies ist, die sich sicher fühlen will. Und genauso wie er sich in völlig neuer Umgebung sehr unwohl fühlt, kommt er auch nicht damit klar, wenn zuviel Neues und Ungewohntes auf ihn einströmt. Der Mensch braucht gefühlte Sicherheit, die ihm verlorengeht, wenn sich zu Vieles ändert. Das scheint mir ein Urinstinkt aus den Urzeiten des Menschen.

All das Gesagte führt dazu, dass es weder hilft, zu sagen „Wir schaffen das“, und damit Tür und Tor aufzuhalten, genauso wenig wie es hilft, sich abzuschotten. Das eine führt zu mehr Veränderung als die Menschen das für gut empfinden, das andere widerspricht dem menschlichen Instinkt, zu helfen.

Darauf Rücksicht nehmend, wäre es meines Erachtens wesentlich ehrlicher, zumindest gegenüber dem, was den Menschen ausmacht, eine Zahl an Flüchtlingen festzulegen, die aufgenommen werden wird.
Zugegeben, damit kann man nicht in dem Maße helfen, wie man dies gerne wollte. Aber es trägt dem Rechnung, was der Mensch vermag.

Und er vermag es eben NICHT, alles zu bewältigen, was immer da kommen möge. Zu sagen „Wir schaffen das“, öffnet Tür und Tor, und zwar ohne jegliche Begrenzung.

Ich war zu Beginn sehr FÜR diesen Ansatz, muss aber mittlerweile eingestehen, dass er zu sehr theoretisch ist, und auf Befindlichkeiten keine Rücksicht nimmt (höchstens auf die Befindlichkeit der Verfasserin).

Ich stelle mir vor, ein urzeitlicher Mensch wird damit konfrontiert, dass in seiner Umgebung neue und fremde Menschen sich ansiedeln. Er wird diese zunächst vorsichtig beäugen, und versuchen, sie als neue Nachbarn zu sehen, und auch erste Kontakte herstellen. Möglicherweise können diese Fremden ihm ja auch etwas geben, was für ihn von Nutzen wäre.
Aber wenn die Zahl der Neuankömmlinge zu groß wird, dann wird sich unser urzeitlicher Mensch, anfangen, bedroht zu fühlen.

Und insofern hat unsere Bundeskanzlerin die Rechnung ohne ihre Bevölkerung gemacht.

JA, wir müssen helfen. Keine Frage. AUCH deswegen, weil wir an der jetzigen Situation in Syrien und den umliegenden Ländern, in denen Krieg geführt wird, ein gehöriges Maß an Mitschuld tragen.
Ich rede nicht davon, dass all diese Kriege mit Waffen geführt werden, die AUCH wir geliefert haben. Ich rede nicht von den Lebensumständen der Menschen dort, die AUCH wir mitverursacht haben.
Ich rede davon, all diejenigen, die dort Einfluss nehmen können, dafür sorgen können, dass diese Kriege von jetzt auf dann enden. Spätestens dann, wenn den Kriegführenden die Waffen und das Geld ausgehen.

Dass diese Kriege dort, auch nach Jahren, noch andauern, liegt NICHT an den dortigen Menschen, so sehr und so einfach es für Manche hier ist, ins Feld zu führen, dass die doch selber schuld sind. Das Ganze lässt sich zurückführen auf Kriege, die in die dortigen Länder gebracht wurden, von Großmächten. Es lässt sich zurückführen auf gravierende Einflussnahmen in dortigen Ländern in den letzten 100 Jahren (Ein Gadaffi, ein Hussein, ein Assad kamen nicht, weil es die Bevölkerung so wollte). Es lässt sich zurückführen auf Kolonialmächte, und es lässt sich nicht zuletzt auch zurückführen auf unseren Wohlstand (die Lebensumstände und die Armut auf der heutigen Welt hat ganz entschieden etwas mit unserem Wohlstand zu tun; als Bsp. mag dienen, dass die großflächigen Brände in Indonesien, die aktuell nicht mehr gelöscht werden können, auf den Hunger unserer westlichen Gesellschaften nach Palmölplantagen zurückzuführen sind …. Palmöl, das in unseren billigen Lebensmitteln landet und in unseren Benzintanks; und so gibt es vielfältige Interessen unserer Gesellschaften, Länder und Konzerne, die in ALLEN Fällen zulasten der dortigen Bevölkerungen gingen und gehen).

Ich will damit sagen, dass wir nicht nur helfen müssen, aus menschlichen Erwägungen heraus, sondern auch aus Gründen einer Verantwortung oder auch Schuld, die wir auf uns geladen haben haben. Und zwar nicht nur helfen HIER bei uns, sondern erst recht DORT vor Ort. Und nochmal gesagt: Die Kriege dort könnten relativ schnell beendet werden, wenn die Politiker dieser Welt endlich ihre eigennützigen Interessen hintenan stellen würden.
Dass dort immer noch Krieg geführt wird, liegt nicht zuletzt an uns.

Aber zurück nach Deutschland.
Die Möglichkeiten hier sind begrenzt, aus den obigen Erwägungen heraus.
Und so wäre es ein Akt der Ehrlichkeit, zu sagen, wieviele wir aufnehmen KÖNNEN. Es wäre ehrlich gegenüber sich selbst (was die Politiker angeht), es wäre ehrlich gegenüber der Bevölkerung, und brächte dieser nicht zuletzt auch eine gewisse Beruhigung, es wäre ehrlich gegenüber den Flüchtlingen, die sich auf den Weg machen wollen, und es wäre nicht zuletzt auch ehrlich gegenüber den anderen Ländern in Europa.
Denn solange Deutschland alle Flüchtlinge aufnimmt („Wir schaffen das“), solange lehnen sich viel zu viele zurück, und sagen …. die schaffen das schon.

JA, es brächte ab dieser festgelegten Grenze der Aufnahme einen gewissen Bruch mit unseren Werten mit sich. Aber eben ein Bruch, der keine Verleugnung darstellt, sondern nur ein Akzeptieren der Möglichkeiten.

Das, was ich aktuell sehe, ist, dass unsere Politiker anfangen, ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit zu formen, um nur ja an nichts schuld zu sein, und sich in Position zu bringen, für die nächsten Wahlen.

Und das ist, in meinen Augen, an Unehrlichkeit nicht mehr zu übertreffen. Dabei bleibt die Menschlichkeit mit Sicherheit auf der Strecke. Der Anfang ist mit Transitzonen gemacht.

Ehrlich wäre es, die Dinge beim Namen zu nennen, zu sagen, was Sache ist, zu sagen, wo die Grenzen sind, und die Dinge an der Wurzel zu packen, und nicht an Symptonen herumzudoktern und Parteipolitik zu betreiben.

MEINE MEINUNG !!!

Es grüßt,
das Smamap

4 Gedanken zu „Die Unehrlichkeit der Politik(er)#8220;

  1. Ich stimme da im Großen und Ganzen zu; vor allem in dem Gedanken, die Problematik vom Grund auf anzugehen. Das verstehe ich generell an der Politik und auch anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens (Ärzte bspw.) nicht. Es wird versucht, die Symptome auf ein solches Level herunterzuregeln, dass man damit leben kann. Das Problem besteht nach wie vor.
    Ich bin nun kein Politiker und deshalb glaube ich, dass ich und man einfach über zu wenig Hintergrundwissen verfüge und verfügt, um einen handfesten Vorschlag zur Verbesserung abzugeben. Aber so falsch kann der obige Gedanke ja nicht sein. Irgendwie sollten Politiker in der Lage sein – Gesetze und Richtlinien etc. hin oder her – ernsthafte Lösungsstrategien zu entwickeln. Ich kann nicht beurteilen, ob es wirklich so einfach ist, aber zumindest schneller könnte es gehen, bis überhaupt etwas Konkretes geschieht.

  2. Völlig richtig !!! Jeder ernstgemeinte Lösungsansatz jenseits von Eigennützigkeit, so unvollständig er auch immer sein mag, ist 100 mal besser, als all die Toten im nahen Osten und auf dem Mittelmeer.
    Es gehören sich Ursachen behandelt und nicht Symptome.
    Und mit etwas Hirn und Willen, lassen sich Maßnahmen treffen, die funktionieren. Nicht zu 100%, aber 75 reichen ja auch schon.
    Vll würde es sehr viel schneller gehen, wenn so etliche Politiker mal einige Wochen mitten unter den Betroffenen leben müssten.
    Perfekte Lösungen erwartet keiner …. gibt es auch nicht. Aber es ist die Pflicht unserer Politker, Lösungen zu erarbeiten. Dafür sind sie da. Und nicht dafür, um wiedergewählt zu werden.

  3. Was ich unserer politischen Spitze auf Bundesebene – neben der Unehrlichkeit – noch vorwerfe, ist die augenscheinlich mangelnde Weitsicht!
    Merkel hat die Aussage „Wir schaffen das“ so häufig wiederholt, ist in (ausgesuchten) Flüchtlingscamps als „Mutter Teresa“ aufgetreten, ließ sich dabei via Selfie ablichten, das daraufhin (und immer noch) die Runde in sämtlichen Flüchtlingscamps & Krisenstaaten machte… , dass man doch eigentlich mit gesundem Menschenverstand vorhersehen hätte können, welche Auswirkungen eine dermaßen demonstrativ zur Schau gestellte Willkommenspolitik im Zusammenhang mit weit geöffneten Grenzen haben wird!?
    Daher war ich von Anbeginn skeptisch, was aber jetzt auch nicht (mehr) weiterhilft. Jetzt hilft nur noch beherztes Anpacken und das Umsetzen auch unliebsamer Entscheidungen, z.B. https://schdrahlemann.wordpress.com/2015/10/30/asyl-transitzonen-und-was-noch-csu-cdu-spdde-regsprecher-peteraltmaier/

    Die Transitzonen sind ja leider noch nicht beschlossene Sache, weil Merkel offenbar auch die SPD dazu im Boot haben will (um die Koalition nicht platzen zu lassen; Aber wie war das noch bei der Grenzöffnung: Wen hat sie da gleich wieder gefragt? Bundestag? Nein! Bundesrat? Nein! CSU? Nein! CDU? Nein! Irgendjemand? Ja – Werner Faymann & Viktor Orban)!

    Zu Deiner Argumentation im Mittelteil („Schuld der Großmächte“ etc.) möchte ich morgen auf meinem Blog noch ausführlicher Stellung nehmen. Dazu ist es mir heute schon zu spät 😉

Freu mich echt über jede Nachricht !!!