Die Wahrheit der Welt


GedankenTausch Traurige Wahrheit oder schöne Einbildung

Gerne schließe ich mich dem Projekt von moteens (wieder) an zum GedankenTausch, und trage meine Gedanken vor, die ich zu dem Thema hab, bzw. die mir während des Schreibens noch dazu einfallen. Ich hoffe, ich werde nicht zu lange.

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Viel passiert auf dieser Welt. Sehr sehr viel Schönes, aber auch sehr viel Trauriges. Und manchmal hängt beides sogar zusammen.

Ein Bsp. für Letzteres wäre etwa Mutter Theresa, die sehr viel unendlich Schönes für diese Welt getan hat. Aber das eben auch deswegen, weil sie so viel Schreckliches vorgefunden hat.

Was „Schönes“ angeht, so denke man nur einmal an die Geburt eines Lebens irgendwo auf der Welt. Egal wo. Nehmen wir an, es geht alles gut bei dieser Geburt. Jede(r), der/die Kinder hat, kann das Gefühl nachvollziehen, das sich dort einstellt.

Was „Trauriges“ angeht, so denke man nur einmal an den Tod eines Menschen, der einem sehr viel bedeutet. Ich nehme als Bsp. den Tod meines Vaters. Als dieser vor ein paar Jahren starb, da ging ein Teil dieser Welt für mich verloren. Und die Traurigkeit darüber, die ist bis heute nicht völlig vergangen.

Mir ist klar, dass moteens nicht DAS gemeint hat, als von der „Traurigen Wahrheit“ die Rede war. Aber wenn wir von „Wahrheit“ sprechen, dann gehört alles dies dazu. ALLES das, was man sich unter „schön“ und „traurig“ vorstellen kann.
Es gibt wohl nur diese beiden Pole. Etwas ist entweder schön oder traurig. In den verschiedensten Abstufungen

Und das ist die Wahrheit dieser Welt.

Ich würde es nicht als „traurige Wahrheit“ bezeichnen, sondern als schlichte Wahrheit. Aus nichts anderem besteht die Welt. Ich wüsste nicht, was ich nennen sollte, als etwas, das total neutral wäre. Alles tendiert immer mehr zu der einen oder der anderen Seite, ist entweder eher schön oder eher traurig.

Wobei man da immer erst ein Urteil fällen kann, wenn das Endergebnis sichtbar wird.

Und nun komme ich dahin, wo ich eigentlich hin wollte …..

In den letzten Wochen/Monaten wurden wir mit Vielem konfrontiert, was immens traurig ist/war.

Und die Gedanken daran, kommen einem immer wieder.

Mir ging es heute so, als ich beim örtlichen Wiesenfest (woanders heißt das Volksfest oder wie auch immer) so am Tisch saß, mit meinem Schaschlik und meiner Maß Radler. Und das Ganze genoß. Um mich herum saßen viele ältere Menschen (am heutigen letzten Tag war Seniorennachmittag), lachten, ließen es sich gut gehen, und alle die dort waren, empfanden das sicherlich als schön. Angenommen, es wäre plötzlich einer aufgestanden, hätte einen Knopf gedrückt, und sich selbst in die Luft gesprengt. Aus all dem Schönen, wäre von einem auf den anderen Moment etwas unendlich Trauriges geworden.

Und wieder hängt Beides zusammen.

Ich sage nicht, dass es unbedingt zusammentreffen muss, aber es ist unabänderlich Bestandteil dieser Welt, und wir haben keinen letzten Einfluss darauf, wann und wo, das eine passiert oder das andere oder beides zugleich.
Wir können zwar etwas anschieben, etwas beeinflussen, aber was letztlich ganz genau draus wird, das liegt nicht in unserer Macht, das wirklich zu bestimmen.

Was wir aber bestimmen können, ist, WIE das auf uns WIRKT, was passiert.

Ich nehme als Bsp. wieder den Tod meines Vaters. Für mich war das damals eine Katastrophe. Er starb viel zu früh. Es hätte noch so viel zu sagen und zu leben gegeben, zwischen ihm und mir. Ich war unendlich traurig. Und doch, wie er da dann so friedlich lag, erlöst, den Krebs hinter sich, da war das auch etwas Schönes.

Und wenn man sich jetzt in Erinnerung ruft, diese Ereignisse in Paris, Nizza, München, Ansbach, Beiruth, Bagdad oder wo auch immer, dann kann man dem nur Trauriges abgewinnen. Wie könnte es auch anders sein, wenn unschuldige Menschen aus dem vollen Leben in den Tod gerissen werden. Aber es hat auch wieder viel damit zu tun, wie es auf uns WIRKT.

Und dies wird v.a. bestimmt durch die Medien ….. und endlich habe ich den Bogen dorthin bekommen, wo ich eigentlich hin wollte. Aber während des Schreibens entwickelte sich eine Eigendynamik, die mich erst Umwege beschreiten ließ. Über Dinge schreiben ließ, über die zu schreiben ich eigentlich gar nicht vor hatte…….und so hat mir das Schreiben darüber auch selber gewisse Erkenntnisse vermittelt.

Die Medien unterbreiten uns, was passiert, wie es passiert, und verbreiten dabei v.a. WIRKUNG.

Selbstverständlich kann man diesen Ereignissen nichts Positives abgewinnen (zunächst). Trotzdem behaupte ich, dass die Medien uns diese Ereignisse in einer Art und Weise präsentieren (dauernd, immer wieder erneut, mit schlimmen Beschreibungen und Bildern), so dass es fast unmöglich wird, sich dem Schrecken zu entziehen.

Ich überlege mir, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich das Sterben meines Vaters immer und immer wieder hätte miterleben sollen? Hätte ich dem letztlich auch nur IRGENDWAS Positives abgewinnen können.
Wohl eher nicht.
SO habe ich das Unvermeidliche dann letztlich akzeptiert, und ihm dann doch noch etwas Positives abgewinnen können. Also etwas tun können, was im Wesen des Menschen liegt.

JA, es liegt im Wesen des Menschen, die Welt letztlich positiv zu sehen, bei alldem Negativen, was in ihr geschieht.Warum das so ist ….. keine Ahnung. Aber der Mensch hat das in sich.

Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, in den letzten Wochen und Monaten, dass ich diese Terroranschläge nur noch eher oberflächlich medial auf mich wirken lasse. In Form einiger weniger Berichte, aus seriösen Quellen, in Form von seriösen Kommentaren und Hintergrundberichten. Fertig. Dieses gebetsmühlenartige Wiederkäuen mache ich nicht mehr mit.

Und mir ist jetzt während des Schreibens auch klar geworden, warum ich das nicht mehr möchte.

Schlicht deswegen, weil es mir diese Berichterstattung unmöglich macht, auch nur ansatzweise einen positiven Schluss aus den Geschehnissen zu ziehen. Nicht, weil das Geschehen an sich etwas Positives hätte, sondern einfach, weil jedes Traurige, jede Katastrophe, eine positive Konsequenz nach sich ziehen muss, um die Welt letztlich besser zu machen, als sie ist.
Und das wird uns sicherlich nicht gelingen, wenn wir verharren, im Terror, im Chaos, im Kriegsgeschrei. Und die Gefahr dort zu verharren, nimmt immer mehr zu, wenn wir reflexartig, suchthaft, den Medien hinterherhecheln, in dem Bestreben, alles mitzubekommen, um nur ja unsere Ängste unter Kontrolle zu halten, und uns Sicherheit zu suggerieren, eine Sicherheit, die es gar nicht gibt, die uns aber die Medien, ob gewollt oder nicht, glauben machen wollen.

Und so ist es gekommen, dass ich heute nicht einmal sagen könnte, WAS GENAU in Ansbach passiert ist. Eine Bombe? Irgendwas anderes? MUSS ich es wissen? Macht es einen Unterschied? Würde ich, wenn ich mir alles aus dem Netz zusammensuche, nicht nur denjenigen in die Hände spielen, die die Aufmerksamkeit der Medien suchen?

Ich wage die These, dass das Meiste von dem, was heute passiert in der Welt, nur deswegen passiert, weil die Protagonisten wissen, dass die Medien präsent sind, und wir Zuschauer damit erreicht werden.

In Abwandlung eines Spruches, der in meiner Jugend ein geflügeltes Wort war, könnte man sagen …. stellt euch vor, es ist Terror und keiner geht hin.

Und um zum Thema zurück zu kommen ….. es ist leider die traurige Wahrheit, dass es Terror ohne die Medien nicht geben würde. Wobei es mir fern liegt, Ursache und Wirkung zu vertauschen. 
Und sollten wir dann also stattdessen eine „schöne Einbildung“ zulassen? Ich möchte es umformulieren ….. es wäre angesagt, die traurige Wahrheit ein ganzes Stück auszublenden und dem zu widerstehen, was das Traurige zu einem festzementierten Bestandteil unseres Lebens machen will, und stattdessen das Positive zu betonen und zu leben, aber nicht das Positive in Form von „HABEN und BESITZEN“ sondern im Zwischenmenschlichen. Und das wäre dann REAL und hätte mit Einbildung nichts zu tun.

Es grüßt,
das Smamap

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4 Gedanken zu „Die Wahrheit der Welt#8220;

  1. Der Beitrag hat mich gerade wirklich umgehauen. Deine Gedankengänge sind so gut nachzuvollziehen und ich finde den Schluss, zu dem du gekommen bist, toll.

    Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und mitgemacht hast! Der Beitrag ist eine echte Bereicherung!

    Liebe Grüße,
    moteens

  2. Interessante These! Ich denke auch, dass Terror umso „effektiver“ aus Sicht der Terroristen ist, wenn die Medien eifrig daran mitarbeiten, Angst zu verbreiten, indem sie die schrecklichsten Bilder teilen. Was wohl wäre, wenn ein Anschlag nicht mehr als eine Randnotiz wäre? Wobei das heutzutage nicht mehr möglich ist, denn selbst wenn die Presse nicht da wäre, ist jemand mit einem Handy und einer Kamera oft nicht weit. Neben den journalistischen Medien gibt es ja auch die Laienmedien, innerhalb von Sekunden steht eine Meldung bei Facebook oder Twitter, wird geteilt und retweetet und zieht ihre Kreise …

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