Gestörtes Verhältnis

Gestern abend …. ein höchst interessanter Beitrag auf phoenix über einen Mann, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm …. anders gesagt, der ein „gestörtes Verhältnis zur Wahrheit“ hatte.

Um wen ging es? Um einen Wirtschaftsboss, um einen Journalisten, um einen Aktienmanipulateur?

Nein, um nichts weniger als den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Also um George W. Bush, um Donald Trump?

Nein, um den Präsidenten, den man wohl am Ehesten damit in Verbindung bringt: Um Richard Nixon.

gestörtes Verhältnis

Berühmt und berüchtigt ist das Ganze unter der Bezeichnung Watergate.

Es fand statt ab 1972. Ich war damals wenig mehr als 10 Jahre alt, und bekam das zwar schon aktiv mit, ohne aber so recht zu wissen, um was es da grundsätzlich ging.

Nach der gestrigen Doku ging es offentsichtlich darum, dass in jener Zeit das Weiße Haus in Washingten vielfach die präsidiale Macht mißbrauchte. Zwar hauptsächlich um die Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Watergate-Einbruch zu behindern (man hatte versucht Wanzen im Hauptbüro der Demokraten anzubringen, das im Watergate-Komplex in Washington lag).

Jedoch spielten letztlich zahlreiche Verfehlungen eine Rolle, die unter dem Stichwort Watergate zusammengefasst wurden.

Eine gewichtige Rolle spielten dabei auch die beiden Reporter Woodward und Bernstein von der Washington Post, mit ihren Enthüllungen („investigativer Journalismus“), und die Details, die sie dabei von ihrem Informanten „Deep Throat“ erhielten. Die beiden verrieten nie, um wen es sich dabei handelte, bis jener selbst sich gegen Ende seines Lebens als Mark Felt zu erkennen gab, damals stellvertretender Direktor des FBI, und als solcher bestens informiert über die Vorgänge im Weißen Haus.

Alles das zusammen genommen, wurde der Druck auf Nixon letztlich so groß, dass er nicht anders konnte, als zurücktreten. Auch auf Druck des obersten Gerichts, deren Mitglieder er z.T. selbst ernannt hatte (sie stimmten 8:0 gegen ihn; es ging dabei darum, ob er Tonbänder herausgeben müsse, die heimlich im „Oval Office“ aufgenommen worden waren).

Die Doku zeigte sehr nachvollziehbar, wie die Gefahr auf Inhaber hoher politischer Ämter wirkt, so Einiges zu tun, um sicherzustellen, dass der Inhaber im Amt bleibt. Und es umso notwendiger ist, dass der Amtsinhaber eine sehr integere Person ist.

Sie zeigte auch, wie sehr die Person dieser Gefahr erliegt, wenn sie nicht die Fähigkeit besitzt, Amt und Person zu trennen.

Letztlich, das ist jetzt meine Folgerung aus der Doku, geben sich Völker, in freier Selbstbestimmung, Regeln des Zusammenlebens. Die Regeln nennt man dann „Gesetze“ und „Verfassung“, oder so ähnlich (zumindest in einer Demokratie). Und die Menschen vergeben dann auf Zeit ein Amt an Manche, um das Volk zu führen, und sicher zu stellen, dass dieses Zusammenleben, im Sinne der selbstgegebenen Regeln, verwirklicht und weiterentwickelt wird. Doch Manche der Amtsinhaber, in allen so beschriebenen Völkern, verkennen, dass es nicht um den Amtsinhaber geht, sondern einzig um das Amt und dessen Funktion.

Insofern finde ich die Handhabung und die Ausgestaltung des Amtes des Bundespräsidenten in unserer Demokratie/Grundgesetz ziemlich gut beschrieben.

Aber wie gesagt, manche verwechseln da was, und entwickeln, auch auf Grund ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur, ein gestörtes Verhältnis zu dem, um was es eigentlich geht, und dann eben auch zur Wahrheit.

Und das war und ist Nixons Problem gewesen, solange er lebte. Er vermochte es bis zum Schluss nicht so zu sehen, dass er als Chef des Weißen Hauses auch die Verantwortung dafür trug, was getan wurde. Es ist zwar heute unstrittig, dass er Vieles veranlasste, steuerte oder zumindest wissentlich absegnete, aber letztlich stritt er Verfehlungen stets ab.

Ich denke in dem Zusammenhang auch an Amtsinhaber wie George W. Bush oder, gerade jetzt, an Donald Trump. Beide hatten/haben, in meinen Augen, ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, und beide sahen/sehen mehr sich selbst, als das Amt.

Man mag von Barack Obama Unterschiedliches halten, jedoch meine ich bei ihm zumindest die Absicht festzustellen, dass er das Amt über die Person stellte.

Und so, den Bogen nach Deutschland spannend, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was so einzelne Politiker für ein Amtsverständnis haben. Alleine schon die Tendenz des Machterhalts, scheint mir sehr bedenklich. Da wird Vieles in den Dienst der Sache gestellt, die da heißt „Wiederwahl“.

Und in späteren Jahren stellt sich dann oft heraus, meist nach dem Tod der früheren Amtsinhaber, dass sie, wie der Volksmund sagt, doch „einigen Dreck am Stecken“ hatten. Mir fällt da, auch als Bayer, der frühere Ministerpräsident und Bundesminister Franz-Josef-Strauß ein, und solche „Affären“ wie die im Zusammenhang mit dem Spiegel oder dem Starfighter.

Leider gibt es keinen „Führerschein“ für Amtsinhaber, den diese zuerst ablegen müssen, um zu lernen, dass persönliche Interessen außen vor bleiben müssen, und es eine Verantwortlichkeit gibt, die man als Amtsinhaber, auch für seine Untergebenen, trägt, und der man gerecht werden muss, sobald dies erforderlich ist. Der Volksmund sagt dazu dann „den Hut nehmen„.

Allzuoft muss man miterleben, dass Amtsinhaber über Winkelzüge, Halbwahrheiten und Interpretationen, alles versuchen, um im Amt zu bleiben.

Eher indirekt fällt mir dazu auch immer der frühere bayrische Staatsminister Otto Wiesheu ein, der trotz rechtskräftiger Verurteilung infolge einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge, dieses Amt ausübte, und nicht Manns genug war, ein solches Amt, ob seiner Verfehlungen, nicht zu bekleiden.

Vieles in den genannten Zusammenhängen, ist auch eine Frage der Moral. Doch wie heißt es oft …. „Macht korrumpiert“. Manche eben in der Hinsicht, dass Doppelmoral zum Amt gehört.

Aber damit müssen wir in der Demokratie wohl leben, und darauf hoffen, dass z.B. die 4. Gewalt im Staat, also die Medien, derlei aufdecken, zumindest dann, wenn es gewichtig wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist auch groß. Denn anders, als Woodward und Bernstein damals, steht den heutigen investigativen Journalisten neben der Schreibmaschine, Telefonbüchern und Informanten auch das Netz zur Verfügung, mit seiner Möglichkeit der vielfältigen soforten Quellenforschung, und mit seinen Möglichkeiten in den sozialen Medien. Letztere können nicht nur Menschen in Ämter hieven, sondern sie auch von dort wieder entfernen.

Ein gestörtes Verhältnis zur Macht oder zum Amt ist deshalb heute, so meine ich, nicht mehr verheimlichbar.

Wenn jemand dies dennoch versucht (=Person über das Amt stellen), dann geht es meist damit los, dass Medien der „Lüge“ bezichtigt werden, man also versucht, sie moralisch zu diskreditieren, um still und heimlich seine eigenen Ziele weiterverfolgen zu können. Denn es war schon immer so, dass die beste Verfahrensweise, im Falle eigener Verfehlungen, diejenige ist, davon abzulenken, indem man andere an den Pranger stellt.

Und als kleine Nebenbemerkung zum Schluss: Es wär interessant, zu wissen, in welchen Datenbanken ich nun auftauche, nachdem in meinem Beitrag sehr viele von den Schlüsselwörtern auftauchen, die so gewisse Einrichtungen dazu veranlassen, sich den Beitrag genauer anzusehen (oder zumindest die dafür vorhandenen Datencrawler).

Es grüßt,
das Smamap

7 Gedanken zu „Gestörtes Verhältnis#8220;

  1. Danke, du sprichst mir aus dem Herzen. Zu oft spielen persönliche Befindlichkeiten und Bedürfnisse der Amtsinhaber eine viel zu große Rolle: Die eigentliche Aufgabe verlieren sie schnell aus dem Blick, das fängt schon in den untersten Ebenen bei den regionalen Lokalpolitikern an.
    Der Fluch dieses Amtes?
    Oder bedingt es sich gegenseitig?
    Oder wählen nur Menschen dieses Amt, die so gestrickt sind?
    Fragen über Fragen 😉

    • Ich würde es mal so sagen wollen: Es gibt bei jenen Menschen, die so ein Amt innehaben genauso „bedenkliche“ Charaktere, wo überall sonst. Und wenn man dann bedenkt, dass diese Menschen charakterlich einwandfrei sein sollen, und dann auch noch Persönliches in den Hintergrund schieben können sollten, dann bleiben nicht viele übrig, die geeignet wären. Wie ich schrieb: Es bräuchte einen Führerschein oder einen Eignungstest für solche Ämter. Ich bin nun nicht grade ein Fan von AM, aber es scheint mir, dass Frauen für hohe Ämter besser geeignet sind, als die Machos. Rein naturbedingt, weil sie auch diejenigen sind, die beim Kinderkrieben/-erziehen sich selbst in den Hintergrund bewegen.

  2. danke für das Kompliment an die Frauen. Doch ich befürchte, wir Frauen sind dagegen inzwischen auch nicht mehr gefeit: Narzissten und Narzisstinnen gibt es leider überall. Vielleicht ist die Idee mit der persönlichen Eignungsprüfung gar nicht schlecht, doch wer bleibt dann noch übrig bei der eh geringen Auswahl an brauchbarem und freiwilligem Nachwuchs!?

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