Hiroshima

Ich weiß, das ist ein sehr schwieriges Thema. Mit „Freude“ hat das schon gleich gar nichts zu tun. Und eben deswegen gehört es hierher, weil es das glatte Gegenteil ist. Sowas von Gegenteil, wie es nur Gegenteil sein kann.

Wie komme ich auf das Thema?
Wir haben einen Jahrestag. Wenn ich recht erinnere, jährt sich der Atombombenabwurf auf Hiroshima heute, also am 6.8., zum 70. Mal. Und dazu habe ich vorgestern eine Dokumentation auf Phoenix gesehen, die hat mich sehr betroffen hinterlassen, um nicht zu sagen, regelrecht schockiert.

In der Schule habe ich gelernt, dass die beiden Atom-Bomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki den Krieg zwischen Amerika und Japan beendet haben, und dass ohne diese beiden Ereignisse der Krieg mit sehr vielen Toten noch sehr lange weitergegangen wäre.

Mit dem heutigen Wissen, muss man sagen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Man weiß heute, dass die Japanische Militärführung diese beiden Katastrophen nahezu nicht zur Kenntnis genommen hat. Sie nur als weiteres großes Bombardement gesehen hat. Heute sind die Historiker der Ansicht, dass das Kriegsende sehr maßgeblich davon beeinflusst wurde, dass Russland Japan den Krieg erklärt hat.

Der erste Abwurf auf Hiroshima folgte einem Ultimatum, bei dem klar war, dass die Japaner es nicht annehmen konnten, weil es das Ende des Kaisers bedeutet hätte. Und für den Kaiser wären nahezu alle Japaner gestorben, so sehr war dieses „Wesen“ für sie Grundlage ihrer Existenz.

Es ist schockierend, zu hören, dass der Abwurf dieser Bombe nicht zwingend war, es vielmehr die Möglichkeit gab, die Japaner anders zur Aufgabe zu bewegen.

Es schockiert noch mehr, zu lesen, dass nicht Wenige in Amerika, die etwas zu sagen hatten, die Erfordernis sahen, die Bombe „auszuprobieren“. Zum einen, um zu sehen, was genau sie bewirkt, und zum anderen, um allen Mächten auf der Erde zu zeigen, wie stark Amerika war durch den Besitz dieser Bombe.

Es gibt nicht wenige Kenner der Materie, die heute sagen, dass Amerika eine Legitimation suchte, um diese Bombe in jedem Fall einzusetzen. Mich erinnert das an die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein.

Was mich aber noch mehr schockiert hat, das war die Leichtfertigkeit, mit der diese Bombe eingesetzt wurde. So Manche wussten zu sagen, welche Auswirkungen das haben würde. Doch die Entscheidungsträger, allen voran der amerikanische Präsident, wollten das nicht sehen oder hören. Die interessierte nur der Vorteil, den Amerika daraus ziehen konnte.

Um mich nicht miss zu verstehen: Ich bin ein Freund Amerikas. Aber ich bin kein Freund von Verfahrensweisen, unter denen viele Menschen zu leiden haben. Egal, wer dafür verantwortlich ist. Ginge es hier um die Toten im Nahen Osten oder die Toten in der Ukraine oder die Toten für die das 3. Reich verantwortlich war, ich würde genauso argumentieren. Aber das Thema hier soll sein „Hiroshima“.

Was mich allerdings am allermeisten schockiert hat, das ist das Schicksal der zehntausenden von Opfern und Toten.
Menschen gingen ihrem Leben nach, sprich Erwachsene in die Arbeit, manche Familien saßen grade beim Frühstück, Kinder gingen in den Kindergarten, ein Arzt versorgte zum selben Zeitpunkt einen Patienten, usw usf.

Und von einem Moment auf den anderen wurde das Leben von zig Zehntausenden von Menschen ausgelöscht, und wenn nicht das, dann in eine quälende Existenz überführt. Es gab eine sehr große Zahl von Menschen, die, weil sie sich sehr nahe an der Explosion befangen, einfach durch die Hitze und die Wucht,die von jetzt auf sofort sich in Nichts auflösten. Es blieb nur ein Rückstand in Form eines Restes, fast wie ein Schatten, dort wo der Mensch eben noch gesessen hatte. Tausende und Abertausende verbrannten. Die, die nicht dieses „Glück“ hatten, liefen umher, die Haut nicht mehr vorhanden, verkohlt, schwarz, und in quälendem Schmerz gefangen.

Wieder Abertausende suchten Hilfe im Krankenhaus, bzw. dem, was davon übrig war. Ärzte gab es nahezu nicht mehr. Und diejenigen Ärzte, die übriggeblieben waren, waren absolut hilflos, mangels Mittel zur Behandlung und weil sie die „Krankheiten“, die es da zu behandeln gab, nicht kannten. Letztlich starben sehr sehr viele an den Folgen der Strahlung. Und die Ärzte wussten nicht, mit welcher Art von Krankheit sie es da zu tun hatten.

Und das alles, weil der „Feind“ es sich in den Kopf gesetzt hatte, eine Bombe „auszuprobieren“, von der er nur wusste, dass sie verheerende Auswirkungen haben würde. Bisher nicht bekannte Auswirkungen. Und dass sie ein nie gekanntes Ausmaß an Toten und Verwüstungen hinterlassen würde. Und trotzdem wurde sie eingesetzt. Quasi zu Forschungszwecken.

Und der Höhepunkt des Zynismus in Hiroshima war, dass Wochen bzw. Monate später eine Art Krankenhaus eingerichtet wurde, von den Amerikanern. Dort wurden die Menschen untersucht. Aber nicht um ihnen zu helfen oder sie gar zu heilen, sondern einzig um zu untersuchen, welche genauen Auswirkungen die Bombe hätte.

Und noch zuvor verschafften sich die Amerikaner ein genaues Bild, wie es dort in Hiroshima aussah. Aufklärungsflüge setzten sie genau ins Bild.
Und nachdem das Bild klar genug war, und die Japaner zu dem Zeitpunkt immer noch nicht kapituliert hatten, da warfen sie die 2. Bombe auf Nagasaki ab.

Diese war noch effektiver, weil nicht „nur“ eine Uran-Bombe, sondern eine Plutonium-Bombe. Diese forderte „nur“ 50.000 Tote. Und das war nur dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass wegen vorhandener Wolken, die Bombe nicht ihr Ziel in mitten von Nagasaki erreichte.

Wer sich versucht, vorzustellen, welches unsagbare Leid all diese Menschen in Hiroshima und Nagasaki durchlebten, der kann vll ansatzweise nachvollziehen, wie sehr sich das Bewusstsein in den Japanern verankert hat, dass alles dafür getan werden muss, dass diese Bomben abgeschafft werden.

Und deshalb wird der japanische Regierungschef ein weiteres Mal bei der UNO den Antrag einreichen, alle Atombomben abzuschaffen.
Und vermutlich ein weiteres Mal vergeblich.

Es grüßt,
das Smamap

Freu mich echt über jede Nachricht !!!