…… immer ein Lächeln, und immer vergnügt …….

Manchmal betätige ich mich als Chauffeur.
Es hat nicht nur den Vorteil, dass ich gelegentlich doch mal wieder Auto fahren kann, sondern ich tue auch Gutes. Eine Freundin kann aus gesundheitlichen Gründen keine längeren Strecken mehr fahren. Also übernehme ich ab und an den Part des Chauffeurs und fahre sie mit ihrem Auto z.B. nach Hof oder Bayreuth.

Meine Kleidung ist dann natürlich jenseits aller Kleiderordnung eines Chauffeurs. Oder hat man Letzteren schon mal mit Sonnenbrille, kurzen Jeans und T-Shirt gesehen, so wie gestern.
Aber da wollt ich eig. gar nicht hin.

Jedenfalls hab ich sie gestern zum Doc gefahren, und während der Wartezeit ging ich dann vor´s Gebäude, setzte mich da auf eine Bank und erledigte ein paar Nachrichten auf dem Handy …. zumindest war das mein Vorhaben. Ich kam aber nicht weit ….. WEIL ich nicht umhin konnte, den an- und abfahrenden Autofahrern bei ihren Aktionen zuzusehen.
Man muss dazu wissen, dass dieses Ärztehaus einen Parkplatz mit ca. 20 Stellflächen vor dem Haus aufweist. Ich bin ja so 1-2 mal pro Monat dort, und kenn die Prozeduren, die da so ablaufen. Ich lasse „Madame“ immer vor dem Haus aussteigen und such dann irgendwo in der Umgebung einen Parkplatz am Straßenrand. Aus Kenntnis der Verhältnisse direkt vor dem Ärztehaus würde es mir nie im Leben einfallen, dort einen Parkplatz finden zu wollen.

Aber es gibt genügend Zeitgenossen, die mit ihrem Auto möglichst nahe am Eingang parken wollen, wenn es geht, ev. sogar direkt in der Praxis. Wohl getrieben durch die Angst, es könnte einem auf dem Weg von Parkplatz in der nächsten Seitenstraße bis zur Arztpraxis etwas ereilen, was jeden Arztbesuch obsolet erscheinen ließe.

Und so spielen sich jedes Mal wieder, wenn ich dort bin, Szenen auf dieser Parkplatzfläche ab, die einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern, ja mehr noch, einen schallend Lachen ließe, wenn man sich nicht der guten Kinderstube erinnern würde.

Und so fuhr gestern zunächst der etwas ältere Herr mit seinem riesigen Cermedes vor, sah dass es keinen Parkplatz zu ergattern gab, und dann nahm des Theaterstücks erster Akt seinen Lauf ……. Er rangierte hin und her, wohl in der Absicht, den beiden anderen Fahrern die Gelegenheit zu geben, die Parkplatzfläche verlassen zu können. Doch irgendwie wollte es ihm nicht so recht gelingen, genügend Platz zu schaffen, um den anderen eine Durchfahrt zu ermöglichen. Das Spiel dauerte wohl schon 5 Minuten, in denen er beharrlich vor und zurück rangierte, ohne den gewünschten Erfolg. Die Einsicht, dass es wohl an seinem eher großvolumigen Gefährt liegen könnte, und es die bessere Alternative wäre, den Parkplatz zu verlassen, die wollte sich nicht so recht einstellen. Letztlich stieg dann einer seiner Mitstreiter aus, und schlug ihm vor, doch noch etwas näher an die Hauswand heranzufahren. Das machte er dann auch. Mit dem Erfolg, dass er mit seiner Stoßstange die Wand touchierte
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Diese Gelegenheit nutzte sein Mitstreiter, um an ihm vorbei zu rangieren, und das Weite zu suchen.

Der Cermedes-Fahrer seinerseits nutzte anschließend die Gelegenheit und parkte sein Fahrzeug auf der somit freigewordenen Stellfläche.
Nachdem ich kurz einem dringenden Bedürfnis nachgeben musste, kann ich nicht berichten, was in diesem ersten Akt weiter geschah.

Kaum zurück, gab es des Theaterstücks zweiten Akt.

Ein SUV-Fahrer (was heißt das eig.?) kam auf den Parkplatz. Eine Abstellfläche war frei, aber zu klein für ihn. D.h. für sein Fahrzeug. So dachte ICH zumindest. Im Ansinnen, möglichst nahe an der Arztpraxis zu parken, sah Herr SUV-Fahrer dies offenbar anders. Er quetschte nicht nur sein Fahrzeug in den Spalt, sondern tat dies auch noch in einer solchen „Schräge“, dass der „Herr Nachbar“ wohl nur noch mit den Schuhlöffel würde einsteigen können:
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Er selbst konnte noch aussteigen (mehr schlecht wie recht). Was der Herr Nachbar machen würde, das war ihm offensichtlich vollkommen egal. Jedenfalls entfernte er sich eilenden Schrittes, und ich widmete mich dann doch endlich einmal meinem Handy.

Wie ich ein paar Minuten darauf wieder aufblickte, hatte sich an der Situation aus Akt 2 nichts geändert, aber Akt 3 schickte sich an aufgeführt zu werden.
Mir gegenüber waren (sehr außergewöhnlich) 2 Stellflächen nebeneinander frei. Und just in dem Moment kam eine Autofahrerin auf den Parkplatz, erspähte die Situation, und parkte.
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Ebenso eilig, wie sie dies vollzogen hatte, verließ die junge Dame ihr Fahrzeug und entschwand. Was sie NICHT bemerkt hatte (oder etwa doch?), war, dass sie in der Eile ZWEI Stellflächen als ihr Eigen auserkoren hatte. Links von ihrem Fahrzeug hätte noch locker ein Fahrrad reingepasst. Rechts davon zumindest ein Motorrad. Vll dachte sie ja, dass ihr Auto kurzfristig etwas wachsen würde, und deshalb mehr Platz benötigt. Ev. dachte sie ja auch, es würde regnen (was gestern gar nicht so unwahrscheinlich war), und der Parkplatz würde beim wieder abtrocknen schrumpfen. Nach einer halben Stunde kam sie wieder. In der Zwischenzeit waren etliche Autofahrer auf dem Parkplatz vorgefahren, in der offensichtlichen Absicht, den Platz neben besagtem Wagen zu beanspruchen, um allerdings kopfschüttelnd wieder abzufahren.

Ach ja, fast hätte ich den Pausenfüller des Theaterstücks vergessen: Nämlich den Autofahrer, der sein Fahrzeug mitten in die Zufahrt des Parkplatzes stellte, um dann in der Apotheke zu verschwinden, nur um offenbar „KURZ“ sein Medikament zu holen. Als er 10 Min. später wiederkam, hatte sich mittlerweile eine Schlange in jeglicher Richtung gebildet, und es war ein Hupen hier und ein Hupen da zu vernehmen. Vermutlich dachte besagter Autofahrer felsenfest, dass das bestimmt nicht ihm gelten würde. Jedenfalls ging er in aller Gemütsruhe zu seinem Auto, stieg ein, und entschwand.

Das Theaterstück hätte sicherlich noch so etliche Akte zu bieten gehabt, und ich freue mich auch schon auf das nächste Mal, um die Fortsetzung zu genießen. Aber ich konnte nicht länger bleiben, weil „Madame“ das Ende ihres Arztbesuches kundgetan hatte, und ich deshalb meine Rolle als der stille, lächelnde und vergnügte Beobachter aufgeben musste, um wieder in jene des Chauffeurs zu schlüpfen.

Ich muss sagen mein „Leben ohne Auto“ versetzt mich in die Lage, solche „Aufführungen“ gaaaaanz entspannt wahrzunehmen. Früher musste ich mich immer etwas „anschieben“, um im Straßenverkehr, und allem was dazugehört, die Gelassenheit aufzubringen, die jetzt ganz von selbst kommt, wenn ich meine autofahrenden Mitmenschen beobachte.

Es grüßt,
das Smamap

Freu mich echt über jede Nachricht !!!