Interessen

Es passiert so Furchtbares auf der Welt.

Und so Vieles davon mit Gewalt.

Ich weiß nicht, ob irgendetwas davon schlimmer ist als irgendwas anderes.

Da gibt es den Terroranschlag in einer russischen Schule.
Da gibt es den Terroranschlag auf einen Wolkenkratzer.
Da gibt es die fast völlige Auslöschung eines Stammes in Afrika.
Da gibt es die Terrorisierung ganzer Bevölkerungen in Afrika.
Da gibt es den Anschlag auf eine Zeitung.
Da gibt es Tote Tag für Tag im Nahen Osten.
Es gibt täglich die Toten von Bombardements.
Es gibt fast täglich die Enthauptungen derer, die nicht dem „wahren“ Glauben folgen.
…. und diese Liste ließe sich absolut endlos fortsetzen, AUCH in die Vergangenheit.

Rechtfertigt das eine, das andere?
Sind 15 Tote weniger schlimm, als 120?
Rechtfertigt der eine Mord den nächsten Mord?
Wo ist die Grenze zwischen Verteidigung und Mord? Ist es Interpretationssache? Ist es eine Frage des Standpunkts oder des Wohnorts?
Wie sieht ein Mann eine Racheaktion, die seine ganze Familie auslöscht? Vermag er es als gerechtfertigte Verteidigung zu sehen, der seine Familie zum Opfer gefallen ist?
Ist es ein Unterschied, ob dieser Mann in Paris wohnt oder in Damaskus?

Ist nicht die eine Gewalt der Nährboden für die nächste Gewalt?

Kann man nicht vermuten, dass das Entstehen eines IS, die Folge von etwas anderem ist; es also etwas gab, was seine Entstehung gefördert hat? Wäre dabei die Annahme gerechtfertigt, dass es so manche Mächtige oder Führer einer Bewegung gibt, die versuchen Kapital aus einer Situation zu schlagen?

Kann man aus dem allen den Schluss ziehen, dass Gewalt ständig nur Gegengewalt erzeugt, und am Ende keiner mehr weiß, wer überhaupt angefangen hat, und um was es eigentlich geht?

Sicherlich, wenn man die Ereignisse von Paris sich vor Augen führt, dann schreit unmittelbar nach den Anschlägen alles nach Rache. Und wenn ich betroffen wäre, dann würde ich ganz genauso empfinden.

Mit Abstand könnte das jedoch schon wieder etwas anders sich darstellen: Es erfolgen Gegenaktionen, deren Leidtragende den Nährboden darstellen für die nächsten Anschläge.

Ich vermag nicht zu sehen, wo uns diese Gewaltspirale hinbringen soll. Es wird zwangsläufig immer diejenigen geben, die Rache üben wollen.

Auf der Strecke bleibt dabei das Leben. Wer womit angefangen hat, ist dann völlig belanglos.

Und wo ist bei dem allen die Grenze?
Es wird immer jemanden geben, der eine Möglichkeit findet, noch radikaler zu antworten.
Und wenn wir Pech haben, dann wird eines Tages die Menschheit ausgelöscht, weil irgendjemand Mittel in die Finger bekommen hat, die dies ermöglichen.

Und das alles dann im Namen von Interessen, Freiheit, Rechtsstatt, Glauben, Rache und was auch immer.

Auf dem nicht vorhandenen Grabstein würde dann vermutlich stehen:

Sie konnten nicht in Frieden und gleichberechtigt leben