Was haben Parteien und Lemminge gemein?

Diese Frage, Lemminge betreffend, stellte sich mir gestern relativ unvermittelt.

So geschehen, als „Scobel“ auf 3sat lief, jene Sendung, die mitunter recht interessante Themen behandelt/diskutiert.

Gestern ging es um das Thema „framing“.

Wasndas? wird jetzt mancher sagen. Einfach gesagt, geht es um das durchaus menschliche Verhalten, jede Sache, mit der man sich beschäftigt, in einen Rahmen, einen Deutungsrahmen zu stellen. Dabei ist das Bild von einem Bilderrahmen gar nicht so verkehrt.

Jeder von uns betrachtet ein Thema nicht einfach total nüchtern und neutral, sondern rahmt es … umgibt es, interpretiert es mittels der Erfahrungen und Empfindungen, die für ihn damit verbunden sind.

So ist etwa das Wort „Steuern“ nicht einfach nur ein neutrales Wort, sondern für viele etwas Unangenehmes. Ev auch deswegen, weil sehr häufig als „SteuerLAST“ bezeichnet, wodurch framing auch eine sprachliche Dimension erhält (woran auch so manche Partei ihren Anteil hat). Denn wer wird eine Steuer nicht als etwas Negatives sehen, wenn von alters her als „Last“ bezeichnet. Ob es tatsächlich etwas Negatives ist, ist eine ganz andere Frage. Von Steuern werden ja zB auch Schulen gebaut.

Das Gleiche gilt für das Wort „Tempolimit“. Für so manche etwas Negatives, weil sie sich durch ein „Limit“ eingeengt fühlen. Jemand der einen nahen Angehörigen durch Verkehrstod auf der Autobahn verloren hat, wird dies sicher anders sehen.

Jedenfalls ging es bei Scobel dann gestern AUCH um die Parteien und ihren Wahlkampf. Auch da spielt framing eine große Rolle.

Und plötzlich stand der Satz im Raum, dass die Parteien, im Wahlkampf, gegenüber den Wählern nicht ihre unterschiedlichen Strategien, Vorhaben und Sichtweisen präsentieren, bewerben und zur Diskussion stellen, sondern DAS vortragen, auf Plakate schreiben und diskutieren, was die Menschen hören wollen.

Mit anderen Worten, so hieß es, würden die Menschen nicht mehr zu Lemmingen herangezogen, sondern die Parteien laufen den Lemmingen mittlerweile hinterher, versuchen sie einzuholen, und versuchen sich SO zu dem zu machen, was die Wähler wollen.

IST DAS SO?

Geht es nicht mehr um das Programm einer Partei, nicht mehr darum, welche Partei darin das Beste für eine Gesellschaft zu verwirklichen sucht?

Anders ausgedrückt: Die Parteien versuchen nur noch, möglichst Vielen nach dem Mund zu reden, um deren Stimmen einzukassieren?

Dies bedeutete letztlich dann AUCH, dass das alles so wird, wie WIR es wollen. WIR, die Wähler.

Denn die Parteien schauen darauf, was die Menschen so reden und wollen, und richten ihre Reden danach. Machen sich quasi lieb-kind.

Das führt, für mich, zu 2 Fragen ….

  1. Sind wir so dumm oder tun wir nur so? Anders gesagt: Merken wir nicht, dass wir verarscht werden bzw. lassen wir uns sogar bereitwilligst verarschen?
  2. Damit wäre umso mehr Fakt, dass alles das, was passiert auf unser aller Mist wächst. Jegliche Gesetze, jegliche Klimaveränderung, jegliche Handhabung von Problemen. Denn schließlich tun die Parteien genau DAS, was WIR wollen. Lügen wir uns also alle bereitwilligst in die Tasche, wenn wir behaupten, schuld wäre die Politik?

Das alles scheint so zu sein!
Denn wer würde widersprechen, wenn eine Partei das formuliert, was wir wollen, wenn es darum geht, mehr Geld in der Tasche zu haben? Was spielt es da schon für eine Rolle, wenn das Klima vor die Hunde geht, und woanders auf der Welt die Menschen sterben?
Und wenn ich mir die Wahlplakate so ansehe, dann geht es offenbar schon lange nicht mehr darum, irgendein eigenständiges Programm zu verkünden (sehr häufig jedenfalls). (Fast) überall steht nur noch das drauf, was die Menschen wollen.

Das etwas draufsteht, was notwendig ist, etwas wofür eine Partei mit Alleinstellungsmerkmal steht, und wofür sie ganz entschieden wirbt, das habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen.

Wäre das alles so, wogegen sich dann doch etwas in mir sträubt, dann könnte man nur sagen:
Armes Deutschland und arme Demokratie.

Ich hoffe inständig, dass eine Partei demnächst aufstehen wird, und versucht, den Menschen klar zu machen, wohin wir abdriften. Und es gäbe viele Bereiche, in denen wir driften. Und mit einer solchen Partei meine ich keine am äußeren Rand, die, radikaler, auch nur genau das macht, was ich oben beschrieb.

Denn es kommt in Bälde die Zeit, die keine Lemminge braucht, keine Parteien die diesen hinterherlaufen und auch keine Radikalitäten. Die dann kommende Zeit braucht einzig und allein Lösungen. Und diese Lösungen werden unangenehm sein, brauchen aber jemand, der dafür steht.

Bleibt nur zu hoffen, dass ein solcher „Jemand“ verantwortungsvoll mit dieser Aufgabe umgeht. Was ansonsten sein kann, hat uns die Geschichte gezeigt.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)

Freu mich echt über jede Nachricht !!!