Ohne Auto – mein Einjähriges

Vor etwa einem Jahre hatte ich den Entschluss gefasst, mein Auto abzuschaffen.

Das hatte diverse Gründe. In der Reihenfolge ihrer Wesentlichkeit: Gesundheit, Kosten, Umwelt.

Um es kurz anzureissen, schien es mir nicht mehr verantwortbar, mich im Straßenverkehr mit einem Auto zu bewegen, ich kann es mir zudem nicht mehr leisten, und auch der Umwelt gegenüber nicht mehr verantworten.

Warum auch immer, ich lebe also seit ca. einem Jahr ohne Auto.

Gut, ich gebe zu, manchmal bin ich Chauffeur, und fahre eine Bekannte mit ihrem Auto zu Terminen, und verbinde damit dann auch immer eigene Erledigungen (z.B. Wertstoffhof, „gewichtige“ Besorgungen).
Aber ansonsten, alles ohne Auto.

Und was soll ich sagen …… es funktioniert!

Es braucht natürlich ein paar Voraussetzungen, so dass es nicht für jedermann eine Lebensweise sein kann.
MEINE Voraussetzungen sind …… leben in einer Kleinstadt, Anbindung an den ÖPNV, Fahrrad, einigermaßen gut zu Fuß, als Single leben.

Und so habe ich Arzt, Supermarkt, Bäcker, Metzger, Apotheke, Physioterapeuth, Baumarkt usw usf alles fußläufig im Umkreis von 1 KM erreichbar.

Ich kann mir alle meine Notwendigkeiten so einrichten, dass ich nach und nach die Dinge erledigen kann, die anstehen. Nichts muss SOFORT sein.

Und so Manches lässt sich heute über das Internet erledigen, so dass ich z.B. die Beschaffung eines Kühlschranks vor ca. einem 3/4 Jahr komplett darüber abgewickelt habe.

Die Ausrede, dass ich für dieses und jenes ein Auto benötige, gibt es nicht mehr.

Die Effekte:
Ich spare pro Monat etwa 100 bis 150 € an Ausgaben (was auch beinhaltet, dass ich mich nicht mehr nötigen lassen muss, haufenweise Geld rauszuschmeissen für Sprit und Steuer etc etc, und dabei mit dickem hals zusehen muss, wie mir das Geld absolut unverschämt aus der Tasche gezogen wird).
Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich damit KEIN Gramm CO2 mehr aus dem Auspuff blase und auch sonst die Umwelt nicht mehr mit einem Auto belaste.
Und es ist auch ein gutes Gefühl, das Risiko auszuschalten, dass mir meine Gesundheit mal einen Streich spielt, und ich andere damit gefährden würde.

Und manchmal ist es sogar lustig, wenn ich Autofahrer beobachte:
Der eine regt sich fürchterlich auf hinter dem Steuer, wegen nichts und wieder nichts. Die Meisten fahren als Einzelfahrer durch die Gegend, mit einem riesen Auto, in dem eben nur ein einziger Mensch sitzt. Gleichzeitig fahren, mal abgesehen von den Schulzeiten, fast leere Buse durch die Gegend. Ein Verkehrskonzept sieht für mich anders aus.

Ich mache in Gesprächen die Erfahrung, dass sich die Ansichten langsam aber stetig ändern. Aber es braucht Zeit. Und solange Autofahren immer noch so billig ist, v.a. auch bei den massiv gesunkenen Spritpreisen, wird es noch sehr lange Zeit dauern, bis hier mal ein weitergehendes Umdenken statt findet.
Aber das Bewußtsein ändert sich. Es ändert sich langsam, denn Industrie und Staat haben natürlich ein Interesse daran, alles SO weiterlaufen zu lassen wie bisher. Aber es ändert sich.

Mal ein Gedankenexperiment:
Angenommen, nur mal angenommen, Autofahren wäre TOTAL kostenlos. Zunächst! Also man bekäme ein Auto hingestellt, müsste keinerlei Steuern, Sprit, Instandhaltung zahlen. Einmal im Jahr aber, wird die Fahrleistung abgerechnet, nämlich, so wie das jetzt sich auch rechnet, mit 30 Cent pro gefahrenen Kilometer. Der klassische Autofahrer, der im Monat 1000 KM fährt, müsste dann schlappe 3.600 € auf den Tisch legen. Jahr für Jahr.

Das komische daran ist, dass das jeder Autofahrer macht. Der eine mehr, der andere weniger. Eben nicht auf einen Schlag, sondern KM für KM für KM.

Es braucht ein Umdenken. Und es braucht Konzepte. V.a. im ÖPNV. Andere Länder machen es uns vor.

Und immer mehr Menschen, so zumindest meine Erfahrung, denken zumindest darüber nach, und lassen das Auto immer häufiger stehen.

Zumindest ein Anfang.

Es grüßt,
das Smamap

2 Gedanken zu „Ohne Auto – mein Einjähriges#8220;

  1. Eigentlich halte ich das für eine gute Idee und bin auch der Ansicht, dass defintiv zu viele Autos diese Welt bevölkern und verpesten. Ich habe bis vor ein paar Wochen in einer Stadt gelebt, in der man ohne Auto ganz gut zurechtkommt. Der ÖPNV ist dort sehr gut ausgebaut, auch nachts kommt man mit dem Bus noch sicher von A nach B und die Busse fahren so häufig, dass man alle Einkäufe recht problemlos mit dem Bus erledigen kann. Mein Auto stand manchmal 2 Monate am Stück einfach nur nutzlos rum, weil es mit dem Bus auch einfach oft schneller ging und ein Auto eher ein Hindernis war (Parkplatzsuche, endlose Staus…). Ich nutzte es nur für längere Autofahrten und überlegte, es abzuschaffen. Aber nun lebe ich wieder in einer Kleinstadt. Nach 20 Uhr habe ich nahezu keine Chance mehr nach Hause zu kommen, es sei denn ich laufe oder nehme ein Taxi (Ersteres kommt aus Sicherheitsgründen nicht in Frage, Letzteres aus Kostengründen). Der ÖPNV ist hier wirklich eine Katastrophe, sodass ich ganz froh bin, dass ich mein Auto behalten habe. Ich fahre zwar wirklich sehr wenig (auf 1000 km im Jahr komme ich niemals), aber vor allem abends und nachts fühle ich mich als Frau einfach sicherer, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.

    • Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Darum meinte ich ja auch, dass es nicht jeder machen kann. Ich hab hier vor Ort in meiner Kleinstadt eine Zuganbindung, und die funktioniert bis 22 Uhr. Der Bahnhof ist mitten im Ort und 3 Minuten von meiner Wohnung. Dass ich später unterwegs bin, kommt mir nicht vor. Und falls doch mal, dann geht das eben nicht. Für ein oder zwei Fälle im Jahr ein Auto vorzuhalten, das will ich keinesfalls.

Freu mich echt über jede Nachricht !!!