ALGII Amt und Recht – etwas, was nicht zusammenpasst

Wer, wie ich, ALGII bezieht (beziehen MUSS, weil keine andere Wahl), der ist nur allzuoft damit konfrontiert, dass mit 2-erlei Maß gemessen wird – soll heißen, ALGII und Recht ist etwas, was in der Realität nicht zusammengeht, weil das Amt per Definition immer recht hat.

Ein Paradebeispiel ist in DIESEM Artikel wieder einmal nachzulesen.

Ein Hilfebedürftiger kam seinen Verpflichtungen nach, und das „Amt“ eben nicht. Freilich musste der sog. „Kunde“ dies dann nachweisen, und nicht andersherum.

Und eben DIES ist etwas, was im „Amt“ Gang und Gäbe ist.

Das Amt tut etwas oder eben auch nicht, und die Behörde (nichts anderes ist es ja), geht ganz selbstverständlich davon aus, dass der Fehler beim Hilfebedürftigen liegt (in dem Fall ein Schwerbehinderter, der sich seine Situation sicherlich nicht ausgesucht hat).

Was passiert? Das Amt sitzt am längeren Hebel, gibt per Definition vor, dass es selbst alles richtig macht, und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird dem Leistungsbezieher das wenige Geld, das ständig nach allen Regeln der Kunst heruntergerechnet wird, nochmals per § gekürzt.

JA – auch ich bin „Leistungsbezieher“. Auch ich nicht, weil ich das so will, sondern weil ich keine andere Wahl habe. Wie gerne würde ich den „Makel“, angeblich auf Kosten anderer zu leben, tauschen gegen die Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Aber diese Möglichkeit habe ich aus gesundheitlichen, handfesten Gründen nicht.

Und wie oft ist es mir schon passiert, dass ich vom „Amt“ Bescheide erhielt, die zu meinem Nachteil ausfielen, insofern, als ich mir zustehende Gelder nicht erhielt, nur damit dann nach langem Kampf, mit Widerspruch und Sozialgericht, sich dann ergab, dass ich einen Bescheid erhielt, der genau das Gegenteil von dem beinhaltete, was da ursprünglich stand.

Schikane hoch 10. Nichts anderes ist das.

Und selbstverständlich ist es IMMER so, dass das Amt per Definition recht hat, dem Hilfebedürftigen Nachteile auferlegt, fast immer finanzieller Art, und der Leistungsbezieher, der ohnehin ein sehr schwieriges Leben zu führen hat, dann um sein Recht kämpfen muss.

Dass dies endlich einmal umgedreht wird, dass nämlich das „Amt“ im Widerspruchsfall belegen muss, dass rechtens gehandelt wurde, darauf warten die Betroffenen vermutlich bis zum St. Nimmerleinstag.

Bis dahin, nutzt das Amt den längeren Hebel, auf dem es sitzt, und geht davon aus, dass die überwiegende Zahl der Hilfebedürftigen, weder den Mut noch die Kraft hat, gegen obskure Bescheide anzukämpfen.

Wenn ich mir überlege, was alles das Amt, von rechts wegen, in meinem Fall, hätte tun müssen, und welche Nachteile ich über mich hätte ergeben lassen müssen, falls ich jeden Bescheid einfach hingenommen hätte.

So aber habe ich stets alles was von dort kam, hinterfragt, um feststellen zu müssen, dass über 50% der Bescheide falsch waren, und wider geltendem Recht ergangen waren. Und dabei ging es leider meist um Finanzielles. Es gibt Wichtigeres im Leben, ohne Frage. Aber wer pro Monat mit 100€ für Lebensmittel auskommen muss, für den zählt jeder einzelne Euro.

Das Amt muss für Fehler natürlich nicht gerade stehen; das wird schlicht abgehakt und abgelegt. Der Betroffene muss dies selbstverständlich jederzeit.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu)

Ein Rätsel

Ein Rätsel …. In einem gemeinsamen Brief, der in einer sehr namhaften Zeitung vor ca 4 Monaten erschien, geben 35 Psychiater und Psychologen wie folgt zu bedenken:

„Seine Reden und Handlungen zeigen seine Unfähigkeit, andere Ansichten als seine eigenen zu tolerieren, auf die er mit Wutausbrüchen reagiert. Seine Worte und sein Verhalten deuten auf eine tiefe Empathielosigkeit hin. Wir glauben, dass die ernste emotionale Instabilität, die durch sein Reden und Handeln deutlich wird, ihn unfähig macht, das Amt verantwortungsvoll auszuführen.“

WER DAMIT WOHL GEMEINT IST ??????

Gestörtes Verhältnis

Gestern abend …. ein höchst interessanter Beitrag auf phoenix über einen Mann, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm …. anders gesagt, der ein „gestörtes Verhältnis zur Wahrheit“ hatte.

Um wen ging es? Um einen Wirtschaftsboss, um einen Journalisten, um einen Aktienmanipulateur?

Nein, um nichts weniger als den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Also um George W. Bush, um Donald Trump?

Nein, um den Präsidenten, den man wohl am Ehesten damit in Verbindung bringt: Um Richard Nixon.

gestörtes Verhältnis

Berühmt und berüchtigt ist das Ganze unter der Bezeichnung Watergate.

Es fand statt ab 1972. Ich war damals wenig mehr als 10 Jahre alt, und bekam das zwar schon aktiv mit, ohne aber so recht zu wissen, um was es da grundsätzlich ging.

Nach der gestrigen Doku ging es offentsichtlich darum, dass in jener Zeit das Weiße Haus in Washingten vielfach die präsidiale Macht mißbrauchte. Zwar hauptsächlich um die Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Watergate-Einbruch zu behindern (man hatte versucht Wanzen im Hauptbüro der Demokraten anzubringen, das im Watergate-Komplex in Washington lag).

Jedoch spielten letztlich zahlreiche Verfehlungen eine Rolle, die unter dem Stichwort Watergate zusammengefasst wurden.

Eine gewichtige Rolle spielten dabei auch die beiden Reporter Woodward und Bernstein von der Washington Post, mit ihren Enthüllungen („investigativer Journalismus“), und die Details, die sie dabei von ihrem Informanten „Deep Throat“ erhielten. Die beiden verrieten nie, um wen es sich dabei handelte, bis jener selbst sich gegen Ende seines Lebens als Mark Felt zu erkennen gab, damals stellvertretender Direktor des FBI, und als solcher bestens informiert über die Vorgänge im Weißen Haus.

Alles das zusammen genommen, wurde der Druck auf Nixon letztlich so groß, dass er nicht anders konnte, als zurücktreten. Auch auf Druck des obersten Gerichts, deren Mitglieder er z.T. selbst ernannt hatte (sie stimmten 8:0 gegen ihn; es ging dabei darum, ob er Tonbänder herausgeben müsse, die heimlich im „Oval Office“ aufgenommen worden waren).

Die Doku zeigte sehr nachvollziehbar, wie die Gefahr auf Inhaber hoher politischer Ämter wirkt, so Einiges zu tun, um sicherzustellen, dass der Inhaber im Amt bleibt. Und es umso notwendiger ist, dass der Amtsinhaber eine sehr integere Person ist.

Sie zeigte auch, wie sehr die Person dieser Gefahr erliegt, wenn sie nicht die Fähigkeit besitzt, Amt und Person zu trennen.

Letztlich, das ist jetzt meine Folgerung aus der Doku, geben sich Völker, in freier Selbstbestimmung, Regeln des Zusammenlebens. Die Regeln nennt man dann „Gesetze“ und „Verfassung“, oder so ähnlich (zumindest in einer Demokratie). Und die Menschen vergeben dann auf Zeit ein Amt an Manche, um das Volk zu führen, und sicher zu stellen, dass dieses Zusammenleben, im Sinne der selbstgegebenen Regeln, verwirklicht und weiterentwickelt wird. Doch Manche der Amtsinhaber, in allen so beschriebenen Völkern, verkennen, dass es nicht um den Amtsinhaber geht, sondern einzig um das Amt und dessen Funktion.

Insofern finde ich die Handhabung und die Ausgestaltung des Amtes des Bundespräsidenten in unserer Demokratie/Grundgesetz ziemlich gut beschrieben.

Aber wie gesagt, manche verwechseln da was, und entwickeln, auch auf Grund ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur, ein gestörtes Verhältnis zu dem, um was es eigentlich geht, und dann eben auch zur Wahrheit.

Und das war und ist Nixons Problem gewesen, solange er lebte. Er vermochte es bis zum Schluss nicht so zu sehen, dass er als Chef des Weißen Hauses auch die Verantwortung dafür trug, was getan wurde. Es ist zwar heute unstrittig, dass er Vieles veranlasste, steuerte oder zumindest wissentlich absegnete, aber letztlich stritt er Verfehlungen stets ab.

Ich denke in dem Zusammenhang auch an Amtsinhaber wie George W. Bush oder, gerade jetzt, an Donald Trump. Beide hatten/haben, in meinen Augen, ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, und beide sahen/sehen mehr sich selbst, als das Amt.

Man mag von Barack Obama Unterschiedliches halten, jedoch meine ich bei ihm zumindest die Absicht festzustellen, dass er das Amt über die Person stellte.

Und so, den Bogen nach Deutschland spannend, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was so einzelne Politiker für ein Amtsverständnis haben. Alleine schon die Tendenz des Machterhalts, scheint mir sehr bedenklich. Da wird Vieles in den Dienst der Sache gestellt, die da heißt „Wiederwahl“.

Und in späteren Jahren stellt sich dann oft heraus, meist nach dem Tod der früheren Amtsinhaber, dass sie, wie der Volksmund sagt, doch „einigen Dreck am Stecken“ hatten. Mir fällt da, auch als Bayer, der frühere Ministerpräsident und Bundesminister Franz-Josef-Strauß ein, und solche „Affären“ wie die im Zusammenhang mit dem Spiegel oder dem Starfighter.

Leider gibt es keinen „Führerschein“ für Amtsinhaber, den diese zuerst ablegen müssen, um zu lernen, dass persönliche Interessen außen vor bleiben müssen, und es eine Verantwortlichkeit gibt, die man als Amtsinhaber, auch für seine Untergebenen, trägt, und der man gerecht werden muss, sobald dies erforderlich ist. Der Volksmund sagt dazu dann „den Hut nehmen„.

Allzuoft muss man miterleben, dass Amtsinhaber über Winkelzüge, Halbwahrheiten und Interpretationen, alles versuchen, um im Amt zu bleiben.

Eher indirekt fällt mir dazu auch immer der frühere bayrische Staatsminister Otto Wiesheu ein, der trotz rechtskräftiger Verurteilung infolge einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge, dieses Amt ausübte, und nicht Manns genug war, ein solches Amt, ob seiner Verfehlungen, nicht zu bekleiden.

Vieles in den genannten Zusammenhängen, ist auch eine Frage der Moral. Doch wie heißt es oft …. „Macht korrumpiert“. Manche eben in der Hinsicht, dass Doppelmoral zum Amt gehört.

Aber damit müssen wir in der Demokratie wohl leben, und darauf hoffen, dass z.B. die 4. Gewalt im Staat, also die Medien, derlei aufdecken, zumindest dann, wenn es gewichtig wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist auch groß. Denn anders, als Woodward und Bernstein damals, steht den heutigen investigativen Journalisten neben der Schreibmaschine, Telefonbüchern und Informanten auch das Netz zur Verfügung, mit seiner Möglichkeit der vielfältigen soforten Quellenforschung, und mit seinen Möglichkeiten in den sozialen Medien. Letztere können nicht nur Menschen in Ämter hieven, sondern sie auch von dort wieder entfernen.

Ein gestörtes Verhältnis zur Macht oder zum Amt ist deshalb heute, so meine ich, nicht mehr verheimlichbar.

Wenn jemand dies dennoch versucht (=Person über das Amt stellen), dann geht es meist damit los, dass Medien der „Lüge“ bezichtigt werden, man also versucht, sie moralisch zu diskreditieren, um still und heimlich seine eigenen Ziele weiterverfolgen zu können. Denn es war schon immer so, dass die beste Verfahrensweise, im Falle eigener Verfehlungen, diejenige ist, davon abzulenken, indem man andere an den Pranger stellt.

Und als kleine Nebenbemerkung zum Schluss: Es wär interessant, zu wissen, in welchen Datenbanken ich nun auftauche, nachdem in meinem Beitrag sehr viele von den Schlüsselwörtern auftauchen, die so gewisse Einrichtungen dazu veranlassen, sich den Beitrag genauer anzusehen (oder zumindest die dafür vorhandenen Datencrawler).

Es grüßt,
das Smamap

Willkür allenthalben?

Ich erzähle eine Geschichte. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, wären natürlich rein zufällig.

Stellen wir uns einen Menschen vor, nennen wir ihn Felix, der in einer Stadt in unserem Land lebt.

Felix hat in den letzten Monaten bis Jahren so einige Dinge erlebt, die ihm zu denken geben.

Er gehört sicherlich nicht zu den Menschen, die grundsätzlich gegen Alles sind, und von Berufs wegen notorisch nur das Schlimmste sehen bzw. wegen allem und jedem einen Streit vom Zaun brechen. Eigentlich führt er ein relativ ruhiges Leben, darauf bedacht, sich in die Gemeinschaft einzufügen, und es weitgehend jedem recht zu machen.

Allerdings stößt er immer wieder auf Dinge, geben die er nichts ausrichten kann, ihnen quasi machtlos gegenüber steht, diese häufig als völlig unsinnig empfindet, sich aber dennoch danach richtet.
Meist deswegen, weil diese Dinge „von oben“ kommen, und er nichts daran ändern kann, so sehr ihn Manches davon oftmals ärgert.

Erst kürzlich hatte er sich einen neuen Personalausweise beantragt, weil nach seinem letzten Umzug, sich die Meldebehörde geweigert hatte, die geänderte Adresse auf seinem alten Ausweis einzutragen. Der Ausweis wäre ungültig, so sagte man ihm, weil er rundherum den Rand abgeschnitten hatte.
Nun, das hatte er schon vor Jahren gemacht, damit er den Ausweis in seiner Geldbörse unterbringen konnte. Seltsamerweise hatte sich nie jemand daran gestört. Er war schon mehrmals umgezogen, und keine Meldebehörde hatte das bisher beanstandet. Er hatte damals ja auch sehr darauf geachtet, dass er bei seiner Schneideaktion keine Daten verletzte oder gar entfernte.
Jetzt plötzlich erklärte man seinen Ausweis für ungültig. Den dies sei im Gesetz festgelegt. Also musste er einen Neuen beantragen. Trotz aller Steuern, die er täglich zahlte, ob jetzt über die MWST. oder irgendwelche sonstigen Abgaben, über Lohnsteuer oder was auch immer, musste er den neuen Ausweis selbst bezahlen. Also legte er dafür 30 € auf den Tisch. Selbstverständlich musste er den Betrag im Voraus zahlen, ohne jegliche „Ware“ dafür zu bekommen.

Seit er Unterstützung vom Staat bezog, einen Zustand, den er sich niemals in seinem Leben hatte vorstellen können, musste er jeden € 3x umdrehen, bevor er ihn ausgab. Man hatte die staatliche Unterstützung, die man erhalten konnte, auf das kleinstmögliche vorstellbare Maß heruntergerechnet, so dass es eig gar nicht möglich war, mal eben 30 € für einen Ausweis auszugeben. Aber das interessierte natürlich niemanden.

Also ging er zur Bank, hob 30 € von dem Geld ab, von dem er eig Lebensmittel kaufen müsste, um damit seinen Ausweis zu bezahlen.

Das würde beim Amt, von dem er monatliche Unterstützung erhielt, natürlich niemanden interessieren. Was dort interessierte, waren allein die Paragraphen. Und diese wurden sehr willkürlich ausgelegt, und immer in die Richtung, dass möglichst nichts bezahlt werden müsste. Schließlich war das ja alles das Geld des jeweiligen Sachbearbeiters.

Bisher war es in nahezu allen Fällen so gewesen, dass wenn er etwas beantragte, dieser Antrag zunächst einmal abgelehnt wurde. Felix hatte es sich angewohnt, nachdem er so Einiges dazu gelesen hatte, wie Behörden so verfahren, alles in Frage zu stellen, was von Behörden kam, und mit Geld zu tun hatte, das er zu bekommen hätte.
Seltsamerweise stellte sich heraus, dass immer dann, wenn „das Amt“, wie er es nannte, einen Antrag abgelehnt hatte, und er dann Widerspruch einlegte, diesem dann in aller Regel stattgegeben wurde. Und im Lauf der Zeit erkannte er dahinter ein System.
Viele würden den Widerspruch auf sich beruhen lassen, und das Amt somit Geld sparen. Felix aber hatte herausgefunden, dass er auf ein paar Sachen Anspruch hatte, und diesen wollte er durchsetzen. Zumal er im Netz erlesen hatte, dass es wohl häufig so sei, dass das Amt erstmal versuche, etwas abzulehnen, und sich so 50% aller Dinge von selbst erledigen würden.

Viel wollte er ja nicht. Und nach Möglichkeit versuchte er immer, die Dinge, die er brauchte, sich selbst anzuschaffen. Aber Manches überstieg einfach seine Möglichkeiten.
Er war ja völlig unverschuldet und ohne Absicht in diese Situation geraten. Er wollte niemals Unterstützung vom Staat haben. Aber jetzt nach 25 Jahren Berufstätigkeit war dies nicht zu vermeiden gewesen, und, so sah es zumindest aus, würde sich wohl auch nicht mehr ändern lassen.

Und so hatte er also dann beim Amt einen gebrauchten Kühlschrank beantragt. Abgelehnt.
Und eine gebrauchte Waschmaschine. Abgelehnt.
Kurz danach hatte er einen Kleiderschrank und einen eHerd beantragt. Auch gebraucht. Abgelehnt.

All diese Sachen, hatte er selbst nie gehabt, weil es stets in den Wohnungen drin war, in denen er gewohnt hatte.

Auf all die Dinge, die er da beantragt hatte, hatte er einen Anspruch lt. Gesetz. Das interessierte aber dort niemanden. Man führte einen Paragraphen an, wonach das abzulehnen sei.
In allen Fällen hatte er mit seinem Widerspruch Erfolg. Er musste sich dazu ausgiebig mit dem Thema auseinandersetzen, und seinerseits Paragraphen wälzen. Und selbstverständlich ließ sich das Amt mit der Bearbeitung seiner Angelegenheiten regelmäßig sehr viel Zeit. Wehe sie forderten irgendwas von ihm. Sofort war von Mitwirkungspflicht die Rede, und wenn man dieser nicht nachkomme, würden Sanktionen ausgesprochen (was immer hieß, es würde Geld gestrichen). Aber wenn Felix etwas vom Amt zu bekommen hatte, dann ließen sich die Herrschaften dort immer massenweise Zeit. Einmal ging es sogar soweit, dass er Untätigkeitsklage erheben musste …. und plötzlich ging’s und er bekam sein Geld.
Dass er das Geld z.B. für den Kleiderschrank schon 1/2 Jahr zuvor verauslagt hatte, und wieder einmal ein paar Monate lang das Geld für’s Essen nicht reichte, das interessierte dort natürlich niemanden.
Und regelmäßig wurde letztlich dann Geld zugesprochen, von dem z.B. die Waschmaschine nicht zu erhalten war. Er musste dann jeweils 30 € selber drauflegen, um ein einigermaßen sinnvolles gebrauchtes Gerät zu bekommen. Wovon er das Geld nehme würde, interessierte wiederum niemanden.
Hinter all dem schien Kalkül zu stehen. In irgendeiner Verordnung stand, für wieviel man z.B. eine Waschmaschine bekäme. Das stand eben dort. Dass das mit der Realität nichts zu tun hatte, das – man wird es sich denken – interessierte niemanden.

Wie so manche Sachen, die dort niemanden interessierten. Hauptsache man konnte mit Paragraphen um sich werfen.

Stets war er Bittsteller, der dann noch dankbar dafür sein musste, dass er etwas erhielt.
Selbstverständlich war dann allenthalben zu lesen, dass so manche Mitmenschen solche Leute, die Geld vom Staat bekommen, als „Schmarotzer“ und sonstnochwas bezeichneten.

Dabei ging es ihm nur darum, irgendwie über die Runden zu kommen. Dass er anfänglich alles das, was er sein Leben lang mit seiner Hände Arbeit aufgebaut hatte, und wofür er schon mehrfach seine Abgaben entrichtet hatte (AUCH die Sozialabgaben), dass er all das erstmal vernichten durfte, bevor er auch nur einen Cent vom Sozialstaat erhielt, das interessierte natürlich auch keinen.

Die Geschichte ist jetzt etwas abgeglitten …… ah ja …… wie schon gesagt, holte sich also Felix die 30 € vom Bankautomaten, um seinen Ausweis im Voraus zu bezahlen.

Dabei las er, dass in Kürze nur noch die IBAN-Nummern für Überweisungen gelten würden, man also BLZ und Kt.Nr. nicht mehr verwenden könne. Am Bankschalter sagte man ihm dann, dass es dann auch nicht mehr möglich sei, BLZ und Kt.Nr. am Automaten einzugeben, damit dieser das dann, so wie bisher auch, in eine IBAN einfüge.
Er verlieh seiner Meinung Ausdruck, dass das doch doof sei, weil das ja nur ein paar Programmzeilen seien, die man unverändert lassen könne, um dem Kunden den Service zu bieten, dass er die Daten, die er im Kopf habe, weiterhin benutzen könne.
Er wusste da schon, was kommen würde … und das kam auch: Lt. Paragraph soundso von der EU sei das nicht mehr zulässig. Punkt.

Mit einem etwas dickeren Hals, als er bei Betreten der Bank noch gehabt hatte, verließ er die Bank wieder.

Sein Weg führte ihn anschließend noch zum Arzt, um dort das Rezept für den Physiotherapeuten abzuholen. Das erinnerte ihn an die Sache mit der Krankenkasse dazu. Er hatte nämlich seinerzeit ein Problem mit diesen Rezepten gehabt, und war zur Krankenkasse gegangen. Dort erhielt er eine Auskunft, die er – Erfahrung macht klug – im Netz gegenprüfte, wo sie sich prompt als möglicherweise falsch erwies. Nachfrage bei der Krankenkasse bestätigte dies. Er erhielt also dann die „richtige“ Auskunft. Ein zufälliges Gespräch mit dem Arzt, ein paar Tage später, ergab dann wiederum, dass auch diese Auskunft nicht ganz stimmig sein konnte. Jetzt machte Felix Nägel mit Köpfen und wandte sich schriftlich an die Krankenkasse, da er jetzt praktisch 3 verschiedene Auskünfte vorliegen hatte. Die Krankenkasse schrieb ihm dann doch tatsächlich, dass er die gewünschte Auskunft nicht schriftlich erhalten könne. Felix schrieb zurück, dass er darauf bestehe, und schickte das Schreiben zu Händen der Geschäftsleitung. Und plötzlich ging alles sehr schnell: Man entschuldigte sich eingehend bei ihm, stellte eine Antwort der Zentrale in Aussicht, und von dort erhielt Felix dann schriftlich einen Bescheid, mit dem er endlich definitiv etwas anfangen konnte. Hätte er sich auf die erste Auskunft verlassen, hätte er nur einen Teil der Behandlungsmaßnahmen erhalten, die ihm tatsächlich zustanden.

Er nahm sich von da an vor, mit „Behörden“ künftig alles nur noch schriftlich abzuhandeln, und niemals eine Auskunft von vorne herein als faktisch korrekt anzusehen . Es schien ihm nämlich zunehmend so, dass sich zum einen niemand mehr so wirklich auskannte, zum anderen so manche Ämter ihre Existenz als Selbstzweck verstanden, und in vielen Amtsstuben es scheinbar immer noch die Ansicht gäbe, als wäre man kein Dienstleister, der für den Bürger da ist, sondern dieser müsse vielmehr dankbar dafür sein, dass man sich mit ihm abgebe.
Felix hatte zwischenzeitlich manchmal Punkte erreicht, wo er für Diejenigen Verständnis aufbrachte, die es auch ihrerseits mit ihren Verhaltensweisen nicht mehr so genau nahmen.

Felix sieht sich aber auch als jemand, der fair ist. Und so weiß er: Es gibt immer wieder Menschen, AUCH in Ämtern, die sich wirklich für einen einsetzen bzw. für einen da sind. Und je kleiner so eine Einheit ist, umso eher ist das der Fall.
Wenn man also in einer kleinen Gemeinde, in der noch fast jeder jeden kennt, in’s örtliche Rathaus geht, kann man fast immer damit rechnen, als das gesehen zu werden, was man ist: Mensch, Nachbar, jemand dem man helfen will.
Wenn er allerdings mit Wasserköpfen zu tun hat, dann ist das oftmals so gut wie nicht vorhanden.
Und Felix wüsste auch von Begebenheiten zu erzählen, in denen es um Mitmenschen geht, die es den Ämtern gleich zu tun versuchen, und einen über den Tisch ziehen wollen. Aber das wäre eine andere Geschichte.

 

Auf dem Passamt

Guten morgen, ich hatte gestern angerufen, wegen einem neuen Personalausweis. Bin also jetzt da, und hab auch das Bild dabei

Na dann lassen Sie mal sehen ….. ja, das passt. Dann bräuchte ich noch die Geburtsurkunde

??? Warum denn das. Hat am Telefon auch keiner was gesagt

Na, als Nachweis zu Ihrer Person.

Ich hab doch meinen alten Personalausweis dabei. Der ist doch noch gültig, und bestätigt doch meine Person?

Nein, das reicht nicht. Es muss, lt. Vorschrift, eine Geburtsurkunde sein.

Das hätte man mir am Telefon aber schon sagen können. Da muss ich jetzt erstmal sehen, ob ich sowas habe.

Schauen Sie mal im Stammbuch ……. und dann die knapp 30€ nicht vergessen, wenn Sie wiederkommen.

??? Wie jetzt …. muss ich die im Voraus bezahlen, bevor ich überhaupt was bekomme?

Ja, genau.

Also ohne Geburtsurkunde und ohne Bezahlung im Voraus, bekomme ich keinen Personalausweis.

Genau. Dauert dann 2-3 Wochen, bis der Ausweis da ist

Dann muss das warten bis nächsten Monat, denn ein ALGII-Empfänger hat nicht mal eben so 30€ übrig. Herzlichen Dank und Aufwiedersehen.