Das europäische Amerika

Vorhin beim Kochen/Essen einen sehr interessanten Beitrag über Amerika gesehen. Auf 3sat …. wo auch sonst.

Vieles von dem, was wir heute an Amerika als typisch, ja als klassisch empfinden, kam aus Europa.

Wer hat nicht das Bild vor Augen, von jenem Amerika, der weiten Ebenen, auf denen die Pferdeherden rasen. Und von Indianern, die auf dem Rücken der Pferde in den Prärien lebten.
Die Pferde aber, kamen im Gefolge von Columbus aus Europa. Es gab sie auf dem neuen Kontinent gar nicht.

Oder wer hat nicht das Bild von riesigen Flächen vor Augen, auf denen Getreide wächst, und die dann mit zahllosen Mähdreschern abgeerntet werden.
Das Saatgut, aus dem all dies entstanden ist, kam ursprünglich aus Europa.

Auch viele der Obstsorten, die heute in den USA selbstverständlich sind, und nicht unerheblich zum Export dort beitragen, kamen ursprünglich als einige wenige Setzlinge aus Europa.

Auch das Bestäubungsinstrument, um die vielen Blüten, die im Lauf der vielen Jahre entstehen sollten, zu befruchten, kam aus Europa in Form der europäischen Biene (die amerikanische Biene bestäubte nur einige spezielle Pflanzen).

Und damals, nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien (wie Columbus glaubte), brachten die Europäer noch etwas in die neue Welt: Einen Virus, genannt Pocken. Die Bewohner des Kontinents hat keine Immun-Abwehr dagegen, waren ihm schutzlos ausgeliefert, und die Forscher meinen, dass 90% der Ureinwohner daran starben. Das Ergebnis war, dass sich die Spanier, die als Erstes das Land erforschten (genauer gesagt … eroberten), sich darüber wunderten, warum sie nur auf so wenige Bewohner trafen …. das Virus war schneller gewesen, in der Verbreitung.

Alles in allem kann man sagen, dass jenes Amerika, das Columbus vorfand, und das er für Indien hielt (weshalb er die Bewohner auch Indianer nannte), sich völlig anders darstellte, als jenes Land, das wir heute kennen. Nicht nur der immensen Wälder wegen, die es heute nicht mehr gibt, oder deswegen, weil viele der Pflanzen und Tiere, die es damals gab, es heute nicht mehr gibt, weil von den eingeführten Arten verdrängt. Auch nicht deswegen, weil heute sehr viele dunkelhäutige Menschen dort leben, die die Europäer als Sklaven dorthin verschleppt hatten.

Nein, v.a. deswegen, weil die Europäer das gemacht haben, was sie von „zuhause“ schon kannten: Sich die Erde untertan machen …. ohne Rücksicht auf Verluste.

Man muss es nicht so sehen, aber man kann es so sehen, ohne es bewerten zu wollen.

Ob man es ihnen vorwerfen kann, ist eine andere Frage. Denn schließlich mussten sie überleben, in der neuen Welt.

Und so wurde daraus das Land der Unbegrenzten Möglichkeiten.

Ich befürchte, dass die Möglichkeiten dort sich langsam erschöpfen, weil der Mensch alles dorthin bringt, wo er es immer schon hingebracht hat.

Der einzige Unterschied zu Europa besteht darin, dass dieser Prozess in Europa schon weiter fortgeschritten ist; schlicht deswegen, weil der Mensch dort schon früher damit angefangen hatte, und letztlich es auch eine Frage der Fläche ist.

Der einzige Vorteil, den die Europäer haben, scheint mir, dass sie wegen des früheren Beginns der gemeinten Prozesse, auch eher an den Punkt gekommen sind, wo sie versuchen, sich selbst Einhalt zu gebieten, um eine Art „point of know return“ zu schaffen.

Ob das gelingen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Es grüßt,
das Smamap