Manchmal schreibt die Geschichte Geschichten – Über das Ende der DDR

So vor 1-2 Wochen sah ich eine Reportage auf phoenix, dem Spartensender der ARD; es ging darin um das Ende der DDR – speziell um die Ereignisse an jenem 9. November des Jahres 1989, die zur Grenzöffnung führten.

Was ich da vernahm, war spannender als so mancher Krimi.

Man hatte ja gelegentlich schon davon gehört, dass Günter Schabowski an jenem Abend, am Ende einer langatmigen Pressekonferenz, noch kurz über das „neue Reisegesetz“ referierte, und dabei von sich gab, dass dieses „ab sofort“ gelte. Zu dem Zeitpunkt hatte noch niemand begriffen, was dies auslösen würde.

Letztlich führte eine Kombination, aus verschiedenen Abläufen, zu dem, was dann zur totalen Grenzöffnung führte, und sich im Nachhinein als Versehen entpuppte.

Was war geschehen?

Ein Beamter des DDR-Innenministeriums hatte an jenem Tag zusammen mit Offizieren der Staatssicherheit jenes Reisegesetz formuliert. Es sollte damit (allgemeine Ausreisemöglichkeit) wohl versucht werden, die Menschen zu beruhigen, und die damals stattfindenen Auswander-Bewegungen über das benachbarte Ausland in den Griff zu bekommen. Nachdem dieses Reisegesetz vom Politbüro durchgewunken wurde, gab man das Papier an Günter Schabowski weiter, und dieser machte es zum Teil seiner Pressekonferenz an jenem Abend.
Was jedoch übersehen wurde, war, dass es eine „Sperrfrist“ gab. Die Meldung sollte erst früh am nächsten morgen um 4 Uhr bekanntgegeben werden.

Zu dem Zeitpunkt hätten wohl nur Wenige davon Kenntnis genommen. Und jene Wenigen hätte man dann schon an der Grenze entsprechend abgehandelt.
Schabowski aber verkündete das schon am Abend.
Wesentlich war dann allerdings auch, dass so einige Pressedienste das übernahmen, und es als „Grenzöffnung“ bezeichneten. Und schließlich war das dann auch Bestandteil der „Tagesthemen“ in der ARD, die von vielen DDR-Bürgern gesehen wurden.

Dies alles hatte seine Wirkung. Abertausende kamen in der DDR zu den Grenzübergängen. Die dortigen Grenzorgane waren nicht informiert, erreichten zu dieser Zeit auch niemanden mit Kompetenz (jener Beamte im Innenministerium weilte zu der Zeit im Theater), und hatten letztlich keine andere Möglichkeit, als die Grenze zu öffnen.

Das Ende der DDR

Dabei muss man EINEN Mann besonders erwähnen: Harald Jäger, ein Oberstleutnant, der, an jenem Abend, Dienst an der Bornholmer Brücke hatte. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen, eine definitive Anweisung zu erhalten, wie er sich gegenüber den tausenden Menschen verhalten sollte, öffnete er eigenmächtig die dortige Sperre, um Schlimmeres zu verhüten. Schließlich hatte ja auch Schabowski verkündet, dass jederman ausreisen könne.
Und so nahm von dort alles seinen Ausgang.

Als jener Beamte des Innenministeriums vom Theater nachhause kam, und erfuhr, was aus seinem Entwurf des Reisegesetzes geworden war, war alles schon gelaufen.

Das Ende der DDR war quasi über Nacht Geschichte.

Eigentlich war das Alles ein Versehen. Zustande gekommen aus den Abläufen eines politischen Apparates, gewürzt mit Irrtum und zeitlichen Begünstigungen.
Wäre das Alles den Weg gegangen, der eigentlich vorgesehen war, hätte also Günter Schabowski das an jenem Abend nicht bekannt gegeben, dann wäre das Ende der DDR wohl nicht aufzuhalten gewesen, und jenes „Reisegesetz“ erst recht nicht. Jedoch wer weiß, mit welchen Unwägbarkeiten, Problemen und vll auch Opfern das Ganze einhergegangen wäre.
An jenem Abend jedenfalls bekamen die entscheidenden Organe der DDR davon zunächst einmal nichts mit, und als sie es dann mitbekamen, war es zu spät.

Man würde sich wünschen, so manche Dinge auf der Welt würden sich in derartiges Wohlgefallen auflösen. Das Ende der DDR war quasi ein Versehen. Vielen Menschen, die in den fast 45 Jahren zuvor zu leiden hatten oder gar den Tod fanden, hilft dies wenig.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)

Der Störenfried – weil wir ihn brauchen

Heute einen interessanten Beitrag gelesen, in dem sich der Philosoph Dieter Thomä über die Demokratie und den Störenfried auslässt, wie wir ihn in Person von Trump und Petry erleben.

Ich finde den Beitrag jetzt leider nicht mehr, sonst hätte ich ihn hier verlinkt.

Thomä interpretiert die Demokratie als etwas (wenn ich ihn richtig verstanden habe), was ständig in Unruhe ist. Es liegt im Wesen der Demokratie, dass Veränderung ein Teil von ihr ist.

In ihr gibt es Außenseiter, jeder ein Störenfried. Eine völlig normale Sache. In gewisser Weise braucht die Demokratie solche Außenseiter. Thomä nennt sie positive Außenseiter, die Veränderungsansätze bringen. Aber es gibt auch die negativen Außenseiter, die sich die Ruhe wünschen, die ihnen die Demokratie nicht bringen kann, weil sie keinen Stillstand kennt.

Und solche negativen Außenseiter wollen sich diese Ruhe dann quasi herbeibomben. Wobei ich den Herrn Philosophen so verstanden habe, dass „herbeibomben“ ein Ersatzwort ist, für jegliches Zerstörerische.

Störenfried

Sie nutzen dann die sozialen Medien, um sich eine Blase der Selbstbezogenheit zu schaffen, und andere zu finden, durch die sie sich selbst bestätigen. Denn wenn andere auch so denken, dann hat man ja recht.

Ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Störenfried versus Demokratie

Trump und die AfD als negative Störenfriede zu sehen, die, so sehe ich das, am Liebsten wieder einen Status quo hätten, der Stillstand bedeutet. Einen Status quo, der nichts verändert, und ihnen somit auch nichts nehmen kann. Weder Materielles noch Immaterielles.
Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, so könnte man denken, dass für diese Menschen die DDR in gewisser Weise ein Paradies war: Nichts veränderte sich; es gab auch keine Meinungsvielfalt, keine Entwicklung. Vll ist das der Grund, warum der Zulauf im Osten so stark ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nur dort Anhänger gibt. Es liegt im Wesen der Demokratie, dass es für Meinungen überall Anhänger gibt. Aber am meisten natürlich dort, wo von vorneherein eine Basis dafür vorhanden ist.

Und so scheint die Demokartie die falsche Heimat für jene Menschen. Die Trumps und Petrys unserer Zeit benötigen Stillstand.

Bleibt nur die Frage, was jene Störenfriede tun, wenn sie merken, dass sie die Gegebenheiten nicht so verändern können, wie sie sie gerne hätten. Ja, die Demokratie braucht Köpfe auf Abwegen, aber wohl nicht Köpfe, die eine Demokratie nicht akzeptieren können. Eine Demokratie könnte solche Köpfe aushalten …. muss sie wohl auch.

Aber nicht um jeden Preis.

Es grüßt,
das Smamap