Zu einfach gemacht

Ich muss zugestehen, dass ich es mir kürzlich zu einfach gemacht habe.

Ich bin auf einen Zeitgenossen getroffen, der die aktuellen Infektionszahlen in Abrede stellte, die ganzen Coronamaßnahmen als übertrieben und alle die, die darauf etwas geben, als „Systemhörige“ darstellte.

Mir platzte der Kragen.

Statt ihm kund zu tun, dass ich seine Meinung als Meinung zwar akzeptiere, aber sie keinesfalls zu meiner mache, weil sie bzgl. der Tatsachen total daneben liegt, und mich nicht mit ihm darüber zu unterhalten wünsche, hieß ich ihn einen Menschenverachter, der in Kauf nimmt, dass Menschen sterben, nur um sich als jemand darzustellen, der zu den „Wissenden“ gehört. Forderte ihn dazu auf seine Pseudofakten für sich zu behalten, und fuhr ihm ein paar Mal über den Mund, mit den Worten „das interssiert mich nicht“.

Mir war es endgültig zu viel geworden.
Immer wieder erfährt man von Menschen, die alles, was das Leben kompliziert macht, ignorieren. Einfachen Philosophien fröhnen, um sich das Leben einfach zu machen, sich nicht mit den Komplexitäten des tatsächlichen Lebens auseinander setzen zu müssen. Und sich als jemand von Denjenigen darzustellen, die zum erlauchten Kreis derjenigen gehören, die „Bescheid wissen“ und damit endlich einmal eine Rolle im Leben spielen.
Und das Ganze bar jeglicher Faktenlage, nur gefüllt mit einer Kiste von Behauptungen.

Im vorliegenden Fall bzgl. Infektionszahlen und Coronavirus gehen diese Menschen über Leichen. Ich habe noch von Niemandem aus diesen Kreisen gehört, der sich einmal die Mühe gemacht hatte, sich im Krankenhaus zu informieren, über die Situation Schwerstbetroffener, und was mit den Menschen geschieht, die daran sterben.

Stattdessen wird darüber „gefachsimpelt“, ob jemand AN Corona oder MIT Corona gestorben sei. Als ob das eine Rolle spielte.

Fakt ist, dass diese Menschen alle noch leben würden, wenn sie nicht von jemand anders infiziert worden wären. Ob jemand völlig gesund weitergelebt hätte oder weiterhin mit seinen Vorerkrankungen (Zucker, Immunschwäche, Atemwegserkrankung etc), das wäre völlig einerlei gewesen. AN oder MIT, das wäre sowas von unerheblich gewesen.

ER HÄTTE AUF JEDEN FALL WEITERHIN NOCH GELEBT.
Wenn ihn nicht irgendein Vollpfosten angesteckt hätte.

Sich mit solchen Menschen zu unterhalten oder gar zu diskutieren, hat absolut keinen Sinn. Selbst dann nicht, wenn man sämtliche Behauptungen nach Strich und Faden widerlegen könnte.
Es hätte keinen Sinn, es würde nicht gelten gelassen.

Ja, ich hatte es mir zu einfach gemacht.

So bleibt nur, das Seine dazu zu tun, sich selbst und andere zu schützen.
Und immer schön höflich zu bleiben. Auch denjenigen gegenüber, die auf Kosten anderer leben; und sei es auf Kosten derer Leben.

Die Sache mit der Echokammer

Was eine Echokammer ist, das kann man AN DIESER STELLE nachlesen.

In meinen einfachen Worten mal versucht:
Jeder, der in sozialen Netzwerken sein Unwesen treibt, umgibt sich dort zunächst einmal mit „Freunden“, die seiner Meinung sind. Das soziale Netzwerk selbst, also z.B. Facebook, tut ein Übriges dazu, indem es Meinungen/Beiträge teilweise filtert, also einem vermehrt solche Beiträge zur Verfügung stellt, die der eigenen Meinung eher entsprechen (man hat ja diese zuvor zu erkennen gegeben durch „teilen“ entsprechender anderer Beiträge). Und SO befindet man sich, eh man es sich versieht, ein Stück weit in einer Blase, in der es nur noch die eigene Meinung gibt, die aus allen Richtungen auf einen einschallt.

Also in einer Echokammer.

Obiger Artikel erläutert auch, warum das nicht für sehr lange funktioniert, und was man selber tun kann, um diese Kammer zum Einsturz zu bringen.

Das Problematische an Echokammern ist, dass man sich den Zugang zu anderen Meinungen verbaut. In der Zeit, in der ich aufwuchs, war es gut geübtes Verhalten, zu diskutieren, kontroverse Meinungen auszutauschen, und sich so auch für anderes Gedankengut zu öffnen, und seine eigenen Meinungen zu hinterfragen.

Das Problematische an Echokammern scheint zu sein (jetzt mal von diesen aus betrachtet), dass sie nur begrenzte Lebensdauer haben, weil es immer schwieriger wird, die eigene so zementierte Meinung, mit anderem in Einklang zu bringen, und solche Meinungsblasen irgendwann nicht mehr aufrecht zu erhalten sind.
ALLERDINGS …. das dauert seine Zeit. Denn die Freunde und Blasen in den sozialen Netzwerken setzen dem schon Widerstand entgegen.

Und SO kann es kommen, dass eine Wahl plötzlich ganz anders ausgeht, als man dachte. Es hatte sich nämlich irgendwo eine große bzw. viele Meinungsblasen/Echokammern gebildet, die man gar nicht so mitbekam, weil dieser natürlich nur jene angehörten, die der Meinung waren, die in jenen Blase vorherrschte.
Würde man besagte Wahl einige Monate später wiederholen, würde sie vermutlich ein anderes Ergebnis haben, eben weil so etliche Meinungsblasen mittlerweile dann doch zusammengefallen wären.

Bestes Bsp. ist die Brexit-Abstimmung. Schon kurze Zeit nach ihr, war das Meinungsbild plötzlich etwas anders. Viele ließen es auf einmal zu (wegen des Ergebnisses und dessen Auswirkungen), dass auch andere und gegensetzliche Ansichten zur Geltung kamen.
Und wer weiß, wie die Wahl in den Staaten ausgehen würde, würde sie in 1/2 Jahr wiederholt.

Es grüßt,
das Smamap