Die Perspektive

Heute mal wieder beim Friseur gewesen.

Nun ja, meine Friseuerbesuche sind meist sehr kurz, denn wo nur noch wenig ist, da gibt es auch nicht viel zu tun. Paar Minuten maschinell auf 2 mm gekürzt, und gut is.

Warum ich das erzähle ….. ich hatte einige Minuten zu warten. Mein türkischer Mitbürger, welcher für meine Haarpracht von Zeit zu Zeit zuständig ist, hat in seinem Friseur-Geschäft einen Flachbild-Fernseher im Eck hängen.

Da lief heute eine Reportage über Mali. Es ging dort u.a. auch um die Bundeswehr, die dort im Norden stationiert ist.

Und zugleich wurden einzelne Schicksale, menschlicher Art, berichtet.

Da wurde z.B. erzählt von dem Einheimischen, dessen ganze Familie zusammengelegt, und bei allen Verwandten gesammelt hatte, damit er sich auf den Weg durch die Wüste nach Lybien machen konnte, und über das Meer Europa erreichen würde. Es war für ihn die einzige Möglichkeit, noch irgendeine Perspektive im Leben zu finden, ganz im Gegensatz zu dem, was er in seiner Heimat vorfand, an Lebensbedingungen, Arbeitssituation, und Bedrohungen. Bevor er jedoch die Wüste erreichte, wurde ihm all sein Geld gestohlen. Und so saß er nun da, und wußte nicht mehr, was tun.

Zurück konnte er nicht mehr, denn er hätte seiner Familie die Schande eingestehen müssen, alles verloren zu haben. Eine Perspektive hatte er dort ohnehin nicht.
Und weiter konnte er auch nicht.
Seine Situation war hoffnungslos. Die Verzweiflung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Ein anderer, der in der Gruppe einen Film sah, über die Todesgefahren der Wanderung durch die Wüste, und des Übersetzens über das Meer, beschied dem Reporter, dass es Schlimmeres gäbe, als den Tod. Vor einer völlig hoffnungslosen Lebenssituation zu stehen, trotz Ausbildung keinerlei Einkommen zu finden, ständig von den Terror-Kommandes der islamistischen Rebellen bedroht zu sein, das sei alles wesentlich schlimmer, als der mögliche Tod, der ja vll doch nicht eintreten würde.

Alles eine Frage der Perspektive.

Und was machen wir hier, in den zivilisierten Ländern?

Wir reden uns die Köpfe heiß, über Einwanderung, über den Islam, über Parteiprogramme, darüber, von Flüchtlingen überrannt zu werden, über Grenzkontrollen, die Schließung von Routen, und dergleichen mehr.

Gleichzeitig ist nachvollziehbar zu erlesen, dass niemand, so wie die AfD diese gerne behauptet, die Scharia hier bei uns einführen will, um Frauen zu steinigen, die sich nicht verhüllt zeigen. Am allerwenigsten wollen dies die Muslime, die bei uns leben. Oder Flüchtlingszahlen, die in keinster Weise einen Besorgnisgrund liefern (dort beim Friseur lag auch die örtliche Tageszeitung, die sinnigerweise meldete, dass sich in unserem Landkreis ca. 950 Flüchtlinge befinden; jetzt weiß ich endlich, warum ich mich nicht „überrandt“ fühle).
Zudem kam heute die offizielle Verbrechensstatistik heraus. Die von „interessierten Kreisen“ gerne ins Feld geführte enorme Zunahme der Verbrechen, findet schlicht und ergreifend nicht statt. In meiner Umgebung sind die Verbrechen im letzten Jahr um einige Prozentpunkte zurückgegangen.

Irgendwie wollen sich die Feindbilder, die andere uns ständig einzureden versuchen, nicht so richtig einstellen. Schon seltsam.
Da helfen nicht einmal die groß in den Vordergrund gestellten Geschehnisse, die man gerne ins Feld führt.

Auch alles eine Frage der Perspektive.

Und so sterben auf der einen Seite der Welt die Menschen (wofür WIR natürlich nichts können, weder waffentechnisch gesehen, noch wirtschaftlich), und auf der anderen Seite der Welt, da setzen wir uns mit enormen wesentlichen Inhalten auseinander, also etwa dem enormen Anstieg an Straftaten, v.a. durch die Flüchtlinge ausgelöst.
Oder etwa, dass die Zinsen schon wieder gesunken sind, während woanders Hunger und Tod an erster Stelle der Agenda stehen.

Manchmal bzw. immer öfter, verstehe ich die Welt nicht mehr.

Es grüßt,
das Smamap

verarschen – aber bitte gründlich

Heute las ich, was die AfD so als Parteiprogramm vorsieht …. und ich war mir nicht so sicher, welches Menschenbild die Herrschaften sich da so zurechtgelegt haben.

2 Hauptthesen scheinen da zu tragen:

  • Wir sind nicht Teil des Systems
  • Die Menschen müssen befreit werden von der Politikerkaste, den Medien, und v.a. auch vom Islam und den Arbeitsscheuen.

Schon allein als ich DAS gelesen habe, musste ich mir verwundert die Augen reiben:

Da wird eine Partei gegründet, so mit allem was so dazugehört, also Parteimitglieder, Parteiobere, Parteiprogramm, Wahlkampf, Parteichefs, die sich die Köpfe einschlagen, Werbe-Kampagnen, Parteispenden, Medien, usw usw ….. Also allem, was so dazu gehört, und so wie das alle anderen auch machen ……. Aber selbstverständlich gehört man nicht zum System. Man zieht in Parlamente ein, hat Abgeordnete, kassiert Gelder; aber selbstverständlich gehört man nicht zum System.

Und die fertigen Feindbilder stehen auch schon parat: An vorderster Stelle all jene Politiker, die gegen einen sind. Und damit verschworen natürlich die Medien. Schließlich sind die auch gegen einen.

Natürlich ist Manches, was da heute so läuft nicht das Gelbe vom Ei. Aber wo ist es das schon? Da macht man eben aus der Not eine Tugend, und versucht sich all jene an Board zu holen, für die die Dinge des Lebens nicht so sind, wie sie sich das vorstellen. Am Einfachsten geht das über Feindbilder. Das war schon in der Urzeit so: Gemeinsame Feinde fügen zusammen.

Irgendwie erinnert mich das an Zeiten, die liegen jetzt wohl so ca. 90 Jahre zurück. Da gab es auch solche Feindbilder. Waren eine schöne und einfache Sache. Einfach blieb es nicht. Und schön schon gleich gar nicht.

Der Unterschied zu damals ist, dass es heute nicht mehr so einfach ist, die Leute für dumm zu verkaufen. Für dumm verkaufen kann man sie schon noch, aber die Menschen haben heute viel mehr Möglichkeiten, sich Informationen zu besorgen.
Schon damals gelang es den Braunen nur mit Mühe und Not, eine Mehrheit zu erreichen. Heute wäre das nicht mehr möglich.

Wohl möglich ist es aber, so EINIGE einzusammeln !!!

Die Methoden sind dieselben (wohl weil den Rattenfängern nix anderes einfällt): Vereinfachungen, (meist unbewiesene) Behauptungen, Feindbilder.

Und so wird eine solche Partei IMMER Zulauf haben. Zum einen durch solche Menschen, die mit den Methoden zu ködern sind, zum anderen durch solche Menschen, die sich persönlich etwas davon versprechen.

Und so müsste man eben das Vorhandensein einer solchen Partei und den Einzug in Parlamente, damit erkaufen, dass es einen Vorteil gibt: DIE Menschen, die (vorsichtig gesagt) der Gemeinschaft nicht viel zu geben haben, sind dann wenigstens gut aufgehoben !!!

Und so geht es eigentlich darum, möglichst vielen Menschen die Augen zu öffnen, was die Methoden einer solchen Partei angeht:
Vereinfachungen, Behauptungen, Feindbilder; und sich selber das Beste vom Kuchen abschneiden, bzw. sich in gemachte Nester setzen und zum Teil vom System werden, das man vorgeblich bekämpfen will.

Meine  Meinung

Es grüßt, das Smamap