Gesichtswahrung – ein Zeichen der Politik

Eine ganze Weile habe ich jetzt nichts geschrieben.

Sei es, weil ich keine Lust hatte, sei es, weil ich keine Zeit hatte, sei es, weil ich nicht online sein wollte, sei es, warum auch immer ….

DAS Thema, das mich in dieser Zeit am Meisten aufregte, war dieses unsägliche Gezerre in den sog. „Jamaika-Verhandlungen“.

Da versuchen Parteien eine Koalition zustande zu bringen. Naturgemäß geht das nur per Übereinstimmung, sprich darüber, dass man gemeinsame Ziele auslobt.

Eigentlich wäre das eine der leichtesten Übungen, denn es gibt EIN Ziel, das ist vorgegeben. Und es sollte eigentlich selbstredend SO sein, dass es keinerlei Diskussion bedarf, dieses Ziel als maßgebend zu erkennen.

Dieses Ziel heißt: Erhalt der Umwelt.

Gemeint ist damit nicht, was sich früher v.a. die Grünen schon auf die Fahnen geschrieben und damit völlig recht gehabt hatten. Gemeint ist vielmehr: Wenn wir nicht ganz entschieden etwas tun, dann ist „Land unter“. Aber absolut.

Und was passiert? Es wird gestritten, kompromisselt, Gesichtswahrung betrieben, auf die nächsten Wahlen geschaut, kein Stück weit Boden hergegeben und und und …. so wie halt eh und je.

Diese ganzen „Probleme“, die als solche da auf Biegen und Brechen zerstückelt, wieder zusammengesetzt werden, um etwas daraus zu machen, was die Ursprünglichkeit des Problems gar nicht mehr erkennen lässt …. ganz zu Schweigen, von dem, womit die einzelnen Parteien einst angetreten sind, wofür sie stehen ….

Diese ganzen „Probleme“ werden verblassen, hinter dem, was uns einholen wird, und wovon die Generationen nach uns sagen werden: WARUM HABT IHR NICHTS GETAN !!!!!!!!!

Es wird eine Koalition herauskommen, aus diesem ganzen Gewürge, in der unser aller Hauptproblem der Zukunft, nur marginal erscheint.
Wichtiger wird einmal mehr sein: Wieviel haben die Einzelnen im Geldbeutel; wie hoch wird das Wirtschaftswachstum sein; wird die Rente steigen; was kann getan werden, um die Konzerne zufriedenzustellen; wie sind die Diäten etc etc etc etc

Ja ja, die CO2-Emissionen werden schon auch vorkommen. Und auch das Elektroauto. Letzteres aber bitte nur soviel, dass die Autoindustrie keine Gewinnschmälerungen hinnehmen muss.

Mir fällt da immer wieder Winston Churchill ein, mit seinem sinngemäßen Satz:
Wir brauchen keine Politiker, die an die nächsten Wahlen denken; wir brauchen Staatsmänner, die an die nächsten Generationen denken.

Und was tun unsere Politiker? Sie betreiben Gesichtswahrung. Denken nur an sich und die Parteien.

DAS, wofür sie da sind, kommt nicht vor: Die Bewahrung der Lebensgrundlagen!

Letztens stand in der ZEIT ein sehr guter Artikel unter der Überschrift „Das Schweigen der Politik“ (das große Insektensterben, und warum die Politik nichts tut).

Die Damokles-Schwerter liegen alle vor uns bzw. hängen sichtbar über uns.
Und diejenigen, die dafür da sind, etwas zu tun, also uns zu retten, die TUN NICHTS.

Ja klar, man kann an uns Bürger appellieren. Darauf hoffen, dass die es schon richten werden. Aber der Bürger ist ein Egoist. Da schließe ich alles Leser hier, und auch mich, mit ein. Das Verhalten, primär an sich zu denken, ist angeboren. Die Entwicklungsgeschichte des Menschen machte dies zwangsläufig.
Genau DAS ist der Grund, warum wir Regierungen haben. Regierungen, die dafür da sind, den Überblick zu haben, die Vorausschau, um für die Gemeinschaft das Beste zu erreichen.
NUR – „das Beste“ ist heute nicht mehr der Inhalt des Geldbeutels, sondern unsere Umwelt, sprich, die Erde, auf der wir leben.

Die Demokratie ist, in meinen Augen, DAS System überhaupt. Jedoch wenn es sich in dieser Frage nicht schnellstens den echten Themen annimmt, und zwar kompromisslos, dann wird es grandios scheitern.

Und sich damit in NICHTS von all den anderen Systemen unterscheiden. An DEM Punkt ist es völlig unerheblich, wie das System heißt, das in den Abgrund führt.

Das beste Beispiel könnte sein, das, was die Politik unternimmt, um die Millionen-Flut an Coffee-to-go-Bechern auszuschließen. Da wird appeliert an den Bürger, da wird diskutiert, da wird kompromisselt, da wird Gesichtswahrung betrieben, da wird gemauschelt mit den Konzernen und den Lobbyisten.
Aber wirklich getan wird NICHTS.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)

Nach der Wahl ist vor der Wahl?

Das Wahlergebnis war zu erwarten; von daher könnte man erwarten ….. nach der Wahl ist vor der Wahl. Jedoch – ich bin überzeugt, dass das DIESMAL nicht so ist.

Ich hatte mich am Samstag ans Tablet gesetzt und in einer kurzen Tabelle niedergeschrieben, welche Prozentzahlen ich für die größeren Parteien erwarte.

Bis auf 2% hin oder her kam es dann für alle diese Parteien auch so, wie ich das vermutet hatte.

Mein Satz zu Wahlen in einer Demokratie ist immer:

Ein Land bekommt immer das Wahlergebnis, das es verdient.

So auch bei der jetzigen Wahl.

Zum einen ist das Ergebnis ein demokratisch zustande gekommenes, und deshalb zu akzeptieren – wie immer man es ganz persönlich auch bewerten mag.

Zum anderen, so sehr ich die AfD inhaltlich auch ablehne:
Das Wahlergebnis dieser Partei führt dazu, dass es ein WEITER SO nicht geben wird.

Und deshalb gilt eben nicht „nach der Wahl ist vor der Wahl“.

Der Politikbetrieb in Berlin wurde zwar fast schon zum Selbstzweck. Und wie hieß es gestern sinngemäß … die großen Volksparteien haben den Kontakt zu einem Teil ihrer Wähler verloren.

JETZT muß Frau Merkel künftig endlich klar Farbe bekennen und nicht nur moderieren. Die Menschen wollen endlich wissen woran sie sind, und nicht dieses ständige Herum-geeiere. Und die Parteien, die als Koalitionäre zur Verfügung stehen, lassen sich sicherlich auch sehr schlecht moderieren.

Vieles von dem, was in den letzten Jahren gemacht wurde, war gut, aber vieles andere ging an den Menschen auch vorbei.

Und deshalb, finde ich, haben die Deutschen gut gewählt … nicht gleich einen Trump oder ähnlichen Idioten, aber doch einen Schuss vor den Bug.

Und wie ich heute schon mal sagte: Die nächste Zeit wird interessant.
Insofern, was an Regierungs-Koalition kommt, und insofern, wie die Debatten im Bundestag ablaufen werden. Denn die Abgeordneten der AfD müssen dort vor allen Farbe bekennen. Benennen wofür sie stehen. Und sich mit dem auseinandersetzen, was ihnen entgegengehalten wird. Und v.a. auch: Sich benehmen (oder eben auch nicht).

Viele Menschen haben Protest gewählt. Was ich durchaus verstehe, wenn ich mir das so ansehe, was in Berlin ablief, und wenn ich mir ansehe, wie das an den Menschen teilweise vorbeilief.
Dieses Wahlergebnis wird uns die Alternative betrachten lassen, denn es ist einfach, aus dem Dunkel zu feuern, aber sehr viel schwerer und auch kennzeichnender, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Zwar ist das in der Oposition immer noch leichter, als in der Regierungsverantwortung, jedoch können sich die Menschen das schon einmal ansehen, was da als Alternative angeboten wird.

Und insofern finde ich den Einzug der Rechten ins Parlament eine gute Sache. Zum einen (ich sagte es schon), weil demokratisch gewählt (und Demokratie hat naturgemäß auch damit zu tun, was einem NICHT gefällt). Aber auch der Inhalte wegen; deswegen, weil sie dort sagen müssen, was für sie Sache ist. Und auch deswegen, weil die etablierten Parteien sich damit beschäftigen müssen, was für die Menschen wichtig ist.
Allerdings haben die Rechten dann heute schon mal mit der Selbstdemontage begonnen. So wie damals die NPD.

Ich finde es (demokratisch gesehen) auch gut, dass die SPD in die Oposition geht (was auch immer man von der SPD halten mag). Denn die stärkste Opositionspartei kann nicht die AfD sein. Zudem tut es einer Volkspartei mit Sicherheit gut, einmal länger nachzudenken.

Bei all der Schwarzmalerei, die heute zu lesen ist, sollte man EINES nicht vergessen:
7/8, sprich über 85% der Stimmen, sind auf andere Parteien entfallen.

Und ich hoffe, dass auch insofern nicht gilt …. „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ …. als nicht noch jemandem einfällt, dass es Neuwahlen geben soll. Denn die Wähler haben entschieden, dass sich etwas ändern muss. Dann sollen auch diejenigen, denen das möglich ist, gefälligst diesen Auftrag annehmen. Die Parteien haben diese Verantwortung auszufüllen. Im Sinne der Menschen. Und nicht darauf bedacht, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Diese könnten nämlich dann ein Ergebnis liefern, das jenseits der Vorstellung ist, und jenseits dessen, was für dieses Land gut wäre.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)