hashtag – die neue Wirklichkeit

Einen Artikel gelesen, der die Sache mit dem hashtag sehr gut beschreibt, wie ich finde …

hashtag

Letztlich geht es darum, so habe ich es verstanden, dass heute oft nicht mehr die Argumentation/Diskussion stattfindet, um, ausgehend vom eigenen Wertesystem, Begriffe und Standpunkte zu hinterfragen, zu definieren und zu überprüfen, um Gemeinsamkeiten zu ergründen, sondern darum, sich in eine Gemeinschaft zu begeben, die der eigenen Meinung ist, um das, was man gerne hätte, zu verwirklichen.

Ob diese eigene Meinung Substanz hat, ist nicht mehr wichtig. Auch nicht mehr, ob sie mit anderen Meinung übereingeht oder gemeinsame Schnittstellen hat. Andere Meinungen zählen nicht mehr, nur noch die eigene.

Nun könnte man meinen, das sei ja nicht weiter dramatisch. Jedoch, wenn eine Gesellschaft nur noch aus unzähligen einzelnen hashtag s besteht,

die gegeneinander konkurrieren, jeweils Absolutheitsanspruch behaupten, und im Einzelfall dann Menschen hervorbringen, die es bis in höchste Ämter schaffen, um dort dann, ohne Rücksicht auf Verluste, IHREN hashtag zu verwirklichen, dann, so finde ich, wird es sehr bedenklich.

Denn DANN geht es nicht mehr um Konsens, eine der Hauptsäulen der Demokratie, sondern nur noch um Durchsetzung der eigenen Meinung; jenseits von Mehrheiten.

Dies könnte dann die Aufspaltung von Gesellschaften nach sich ziehen? Und womöglich auch Gewalt?

Zudem wird irgendwann auch dem eingefleischtesten hashtager ein Licht aufgehen, das ihm zeigt, dass die eigene Weltsicht sich nicht umsetzen lässt. Sei es, dass jene Weltsicht gravierende Denkfehler enthält, sei es, dass zuwenige Menschen mitmachen, sei es, dass Nachteile offensichtlich werden (z.B. dahingehend, dass die Leute weniger Geld im Geldbeutel haben).

Aber dann wäre das Kind schon in den Brunnen gefallen, und die Gräben in den Gesellschaften tiefer denn je.

Einen ersten Praxistest können wir aktuell in den USA live miterleben.

Die Frage ist, ob eine Demokratie das aushält, und wenn nicht, was dann? Ich für meinen Teil könnte mich darauf zurückziehen, dass die echten, harten Konsequenzen nicht mehr zu meinen Lebzeiten Realität werden.

Wirklich beruhigend ist das aber nicht, denn schließlich wollte ich meinen Kindern eine möglichst heile Welt hinterlassen. So aber könnte es dann kommen, dass Klima kaputt, Gesellschaft kaputt, Wirtschaft kaputt, Sozialsystem kaputt etc etc

Es lebe der hashtag, das unbekannte Wesen.

#newlife

Es grüßt,
das Smamap

Die Sache mit der Echokammer

Was eine Echokammer ist, das kann man AN DIESER STELLE nachlesen.

In meinen einfachen Worten mal versucht:
Jeder, der in sozialen Netzwerken sein Unwesen treibt, umgibt sich dort zunächst einmal mit „Freunden“, die seiner Meinung sind. Das soziale Netzwerk selbst, also z.B. Facebook, tut ein Übriges dazu, indem es Meinungen/Beiträge teilweise filtert, also einem vermehrt solche Beiträge zur Verfügung stellt, die der eigenen Meinung eher entsprechen (man hat ja diese zuvor zu erkennen gegeben durch „teilen“ entsprechender anderer Beiträge). Und SO befindet man sich, eh man es sich versieht, ein Stück weit in einer Blase, in der es nur noch die eigene Meinung gibt, die aus allen Richtungen auf einen einschallt.

Also in einer Echokammer.

Obiger Artikel erläutert auch, warum das nicht für sehr lange funktioniert, und was man selber tun kann, um diese Kammer zum Einsturz zu bringen.

Das Problematische an Echokammern ist, dass man sich den Zugang zu anderen Meinungen verbaut. In der Zeit, in der ich aufwuchs, war es gut geübtes Verhalten, zu diskutieren, kontroverse Meinungen auszutauschen, und sich so auch für anderes Gedankengut zu öffnen, und seine eigenen Meinungen zu hinterfragen.

Das Problematische an Echokammern scheint zu sein (jetzt mal von diesen aus betrachtet), dass sie nur begrenzte Lebensdauer haben, weil es immer schwieriger wird, die eigene so zementierte Meinung, mit anderem in Einklang zu bringen, und solche Meinungsblasen irgendwann nicht mehr aufrecht zu erhalten sind.
ALLERDINGS …. das dauert seine Zeit. Denn die Freunde und Blasen in den sozialen Netzwerken setzen dem schon Widerstand entgegen.

Und SO kann es kommen, dass eine Wahl plötzlich ganz anders ausgeht, als man dachte. Es hatte sich nämlich irgendwo eine große bzw. viele Meinungsblasen/Echokammern gebildet, die man gar nicht so mitbekam, weil dieser natürlich nur jene angehörten, die der Meinung waren, die in jenen Blase vorherrschte.
Würde man besagte Wahl einige Monate später wiederholen, würde sie vermutlich ein anderes Ergebnis haben, eben weil so etliche Meinungsblasen mittlerweile dann doch zusammengefallen wären.

Bestes Bsp. ist die Brexit-Abstimmung. Schon kurze Zeit nach ihr, war das Meinungsbild plötzlich etwas anders. Viele ließen es auf einmal zu (wegen des Ergebnisses und dessen Auswirkungen), dass auch andere und gegensetzliche Ansichten zur Geltung kamen.
Und wer weiß, wie die Wahl in den Staaten ausgehen würde, würde sie in 1/2 Jahr wiederholt.

Es grüßt,
das Smamap

Das gestoert(e) Land ?

Kürzlich traf ich auf einen Mitbürger, der von Deutschland als dem Land sprach, das gestoert ist.

Er erzählte, er käme grade aus Dresden, und dort würden starke Polizeikräfte zusammengezogen wegen der Demonstrationen und Menschenmassen anläßlich des Tages der deutschen Einheit.

Ja, und auf der Autobahn, so meinte er, da wären auch so etliche Gestörte unterwegs, wenn man sich ansieht, wie die sich da verhalten.

Nun, so dachte ich, ob sich daraus wohl schließen ließe, dass jener Mitbürger jemand sei, der nicht zum Kreis der „Gestörten“ zu zählen sei.

Hinterher, als ich mir beim Bäcker eine Tasse Tee und ein Gebäck gönnte, da dachte ich mir so, dass es sicher notwendig sei, dass so manche, die sich über andere aufregen, auch ihre eigenen Verhaltensweisen einmal hinterfragen.

Das freie Land, und eher nicht gestört?

Auch, so dachte ich, wäre es doch als positiv zu sehen, dass wir in einem Land leben, in dem die Menschen die Freiheit haben, ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, auch wenn diese Meinung von anderen nur schwerlich akzeptiert würde oder es gar vorbeugende Maßnahmen der Sicherheitskräfte bedürfe.
Jedenfalls ziehe ich dies jener Situation vor, in der eine allgegenwärtige Staatsmacht jede freie Meinungsäußerung kritisch betrachtet oder gar unterdrückt. Selbstverständlich wäre dann Ruhe, und es gäbe keine „Gestörten“.
Ob jener Mitbürger dies vorzöge, kann ich allerdings nicht sagen.

Jedenfalls meine ich auch, dass das angebliche Übel von Leuten, die sich so verhalten, wie andere das nicht als ok empfinden, bei weitem dem vorzuziehen ist, dass Freiheiten, wie sie für uns selbstverständlich sind, nicht gegeben wären.

Gleichwohl kann und soll man über vermeintliche Mißstände diskutieren. Auch z.B. indem man bespricht, ob es notwendig ist, dass sich die Politoberen an kritischen Orten versammeln und Reaktionen derer, die grundsätzlich „dafür sind, dass wir dagegen sind“, geradezu provozieren.

An manchen Orten, egal ob in der Politik oder bei manchen Mitbürgern, würde man sich so Manches mal etwas mehr gesunden Menschenverstand wünschen.

Es grüßt,
das Smamap