Reifen flicken – Rad demontieren

Nachdem ich mich in letzter Zeit mehrmals darüber ausgelassen hatte, mit welchen Problemen ich konfrontiert war, bei dem Versuch einen Reifen flicken zu wollen ….

Ich flicke den Reifen – erster Versuch

Ich flicke den Reifen – Die Lösung

….. habe ich mir überlegt, dass es nicht schaden kann, zu beschreiben, wie ich vorging. Ev. kann ja jemand für sich was draus entnehmen (oder auch nicht).

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich darauf verzichtet, das Ganze nochmals zu demontieren, um per Einzelbilder die Arbeitsschritte zu veranschaulichen. Dies sollte auch durch einige wenige Bilder mit entsprechender Beschreibung zu verdeutlichen sein.

Demontage (Reifen flicken)

Zunächst geht es ja mal darum, das Rad zu demontieren (bei mir war das natürlich das Hinterrad; vorne wäre ja auch zu einfach gewesen).

Reifen flicken - Der Schnellverschluss

Fahrräder heutiger Machart haben einen Schnellverschluss, so dass man sich nicht mehr damit herumärgern muss, passende Schraubenschlüssel für die Radmutter zu finden. Also das Fahrrad flugs auf Lenker und Sattel gedreht, und den Schnellverschluss geöffnet. Je nachdem, wer den zuletzt verriegelt hat (vorzugsweise man selbst), ist dazu ev. etwas Kraftaufwand nötig.
Damit kann man dann auf beiden Seiten des Rades den Verschluss bzw. das Gegenstück ev. noch um eine halbe Umdrehung lockern, um das Rad leichter entnehmen zu können.

Reifen flicken - Die Kettenschaltung

Als Nächstes nun die Luft aus dem Reifen lassen. Dazu den Stößel im Reifenventil solange mit dem Fingernagel gedrückt halten, bis keine Luft mehr entweicht. Hat den Hintergrund, dass die Bremse, die von beiden Seiten an der Felge anliegt, die Herausnahme des Rades ansonsten blockieren würde, weil ja ein aufgepumpter Reifen „dicker“ ist, als die Felge alleine.
Nun das Rad zunächst ein kleines Stück aus dem Rahmen ziehen (so 1-2 cm, soweit es eben geht), und dabei gleichzeitig versuchen den Rad-Mantel auf Höhe der Bremsbacken etwas zusammenzudrücken, damit dieser dort (bei den Bremsen) hindurchgeht. Denn sonst kann man ziehen wie ein Ochse, ohne das Rad wirklich herauszubekommen, weil der Mantel eben an den Bremsbacken festhängt. Für diese Aktion könnte man auch gut und gerne 3 Hände benötigen, aber mit etwas hin und her geht es auch mit zweien.
Handelt es sich um das Vorderrad, ist der Fall damit dann erledigt, was die Demontage angeht.

Das Problem ist beim Hinterreifen natürlich noch die Kette. Hat man das Rad halbwegs, also so einige cm, aus dem Fahrrad-Rahmen gezogen, muss man jetzt die Kette von den Zahnrädern abnehmen. Dazu (das Rad steht ja auf dem Kopf), den Kettenspanner (ich nenn das so, ohne zu wissen, ob das die exakte Bezeichnung ist; das ist im Bild das silberne Teil, das dort Richtung Erdbogen ragt) Richtung Lenker drücken, wodurch die Kette dann durchhängt.

Man muss sich halt jetzt überwinden, diese schmierige Kette anzufassen, und vom Zahnrad zu ziehen, auf dem sie grade liegt. Einmal in der Hand, die Kette komplett von den Zahnrädern entfernen. Also nicht einfach nur auf das nächstkleinere Zahnrad legen.
Man muss das Rad dann gleichzeitig etwas schräg nach oben herausziehen, und mit etwas hin- und herzerren hat man es dann schließlich in der Hand.

Nachdem ich diese Prozedur einige Male durchführen musste (s.o.), gelang es mir letztlich auch einmal, die Kette mit einem Stück Zeitungspapier zu umfassen, und das Rad zu demontieren, ganz ohne mich dabei schwarz und schmierig zu hinterlassen.

Mantel/Schlauch entfernen (Reifen flicken)

Nächster Schritt ist jetzt, den Mantel zu lösen, um diesen und den Schlauch von der Felge zu bekommen.
Ich hatte das von früher her so in Erinnerung, dass es unendlich schwierig ist, den Mantel an einer Stelle von der Felge zu bekommen, was Voraussetzung dafür ist, ihn rundherum zu lösen.
Das ging, überraschenderweise, sowohl mit dem alten Mantel, als auch mit dem neuen, sehr einfach und handsam. Nachdem die Luft ja schon abgelassen ist, den Mantel also auf eine Felgenseite drücken, und versuchen, den Wulst des Mantels mit den Fingern zu fassen. Das ist nicht wirklich einfach, aber doch gut machbar. Holde Weiblichkeiten sollten dabei natürlich auf ihre Fingernägel achten. Man kann dazu natürlich auch einen Löffelstil oder Ähnliches nutzen, um unter den Wulst zu gelangen. Dabei natürlich vorsichtig zu Werke gehen, damit man mit jeglichem Werkzeug den Schlauch nicht beschädigt. Hat man den Wulst an einer Stelle einmal nach außen gezogen, kann man auf dieser Seite der Felge den Wulst dann ringsherum über die Felge hiefen.

Somit ist also dann einer der beiden Wülste nicht mehr auf der Felge.
Damit hat man dann Zugang zum Schlauch. Um diesen zu entfernen, als Erstes die oft vorhandene Kontermutter vom Ventil herunterschrauben (man kann sie auf meinem zweiten Foto noch andeutungsweise sehen). Ich bevorzuge Schläuche mit Kontermutter, was das Aufpumpen hinterher leichter macht, wenn keine Luft im Schlauch ist.

Ohne die Kontermutter kann man nun den Schlauch entfernen, beginnend mit dem Stück, an dem das Ventil angebracht ist. Ist der Schlauch entfernt, dann kann man auch ganz easy den Mantel endgültig von der Felge ziehen, also auch den Wulst der anderen Mantelseite.

Bevor ich darauf eingehe, wie man (meiner Meinung nach) am Besten einen Schlauch flickt, erstmal die kurze Beschreibung, wie ich alles wieder zusammensetze.

Montage (Reifen flicken)

Einfach gesagt …. alles in umgekehrter Reihenfolge, also in Kürze:

Einen Reifenwulst auf die Felge aufbringen, den Schlauch einführen (der andere Wulst ist ja noch „lose“ und somit die Felge noch zugänglich) und dabei als Erstes das Ventil einsetzen und mit der Kontermutter halbwegs/locker befestigen (nur damit der Schlauch nicht wieder entfleucht 😉 )
Den zweiten Wulst runherum auf die Felge drücken, fertig.

Na ja, GAAANZ SOOO einfach ist es dann doch nicht ……
Also ACHTUNG: Zum einen empfand ich es als ratsam, den Schlauch, sobald das Ventil locker befestigt ist, ein klein wenig aufzupumpen. Das hat zum einen den Vorteil, dass kein Knick im Schlauch ist, und sich der Schlauch auch einfacher in den Mantel bzw auf die Felge schieben lässt. Man muss dabei das richtige Maß finden, wieviel Luft man da reinpumpt. Es darf nicht zuviel sein, damit das ganze System aus Felge/Schlauch/Mantel noch flexibel genug bleibt, und es darf auch nicht zuwenig Luft sein, damit der Schlauch nicht doch irgendwo eine Falte legt.
Wenn das Alles halbwegs passt, dann vorsichtig !!!!! den zweiten Wulst des Mantels auf die Felge schieben. Dabei immer sehr genau den Spalt zwischen dem Wulst und der Felgenkante im Auge behalten, um sicher zu stellen, dass der Schlauch nicht eingezwickt wird. Auch hier erkennt man wieder, dass das richtige Maß des oben beschriebenen Aufpumpens, sehr wichtig ist. Zuviel macht das Schließen des Reifens sehr schwierig, zuwenig lässt die Gefahr steigen, den Schlauch einzuzwicken.
Wenn man zu der Stelle kommt, wo sich das Ventil befindet, dann die Kontermutter wieder großzügig lösen und den Schlauch mittels des Ventils nach innen schieben, also in den Mantel. Das hat den Vorteil, dass der Mantel problemlos zwischen Schlauch und Felge schlüpfen kann, wann man das Ganze schließt. Wäre der Schlauch an der Ventilstelle mittels der Mutter fest an die Felge gezogen, könnte der Mantel dort nur schwer dazwischen kommen.

Wenn das Alles soweit gemacht ist, den Mantel am Felgenrand nochmals von beiden Seiten, rundherum begutachten, um nochmals sicher zu stellen, dass er überall auf die Felge gerutscht ist, und sich das Ganze überall gleichmäßig darstellt.

Wenn ok, dann jetzt den Schlauch ein Stück weiter aufpumpen. Dabei schiebt sich das Ventil allmählich heraus, weil sich der Schlauch von Innen, durch das Aufpumpen gegen Mantel und Felge presst und das ganz System fixiert.
Wer möchte, kann nach abermaliger Sichtkontrolle, schon mal ganz aufpumpen, quasi als Endtest.

Anschließend muss aber die Luft großteils wieder abgelassen werden, weil bei der Entmontage des Rades, dasselbe ja wieder durch die Bremsbacken hindurch muss.

Auch hier dann alles in umgekehrter Reihenfolge wie bei der Demontage.
Also das Rad wieder auf den Rahmen stecken, gleichzeitig durch die Bremsbacken hindurchpfriemeln, und dabei nicht vergessen die Kette auch noch mit aufzulegen (zumindest beim Hinterrad; wobei natürlich dann wieder der Kettenspanner bewegt werden muss, um der Kette genügend Spiel zu geben).

Das Alles ist nicht so ganz einfach, weil man ja mehrere Dinge gleichzeitig machen muss. Angeblich tun sich die Damen dabei leichter, weil sie multitasking-fähig sein sollen (was ich nicht wirklich beurteilen kann 😉 😉 😉 ).

Aus eigener Erfahrung muss ich dazu raten, darauf Acht zu geben, dass das Rad so aufgesteckt wird, dass die Kette auch wirklich um die Radnabe herumläuft. Es gibt nämlich nichts Ärgerlicheres, als das Rad dort zu haben, wo es sein soll, nur um dann festzustellen, dass die Kette nicht richtig aufliegt, man das Ganze also nochmal entfernen muss, was dann in aller Regel sehr schwierig ist, weil die Kette irgendwo klemmt.

Hat man das Alles soweit erledigt, und die Kette liegt richtig auf, und die Hände sind auch schön schwarz ( 😉 ) dann das Rad mal von Hand drehen, um zu prüfen, ob es rund läuft, also nirgends schleift, somit also der Abstand vom Rahmen überall gleich ist.

Abschluss

Abschließend jetzt noch den Schnellverschluss wieder schließen. Geht das zu einfach, dann nochmal öffnen, und auf beiden Seiten der Radnabe die Verschlüsse um eine halbe Umdrehung im Uhrzeigrsinn zudrehen. Damit sollte der Schnellverschluss dann schon schwerer zu schließen sein. Das mit der halben Umdrehung dann sooft wiederholen, bis der Schnellverschluss nur noch mit großem Kraftaufwand vollständig zu schließen ist. Das Rad soll ja fest auf dem Rahmen sitzen, ohne einen während des Fahrens mal zu überholen.

Ich prüfe dann immer gerne noch, ob das Rad beidseits gleich weit auf dem Rahmen steckt. Das ist zwar eigentlich überflüssig, aber ich schau immer lieber einmal mehr hin.

Jetzt abschließend den Reifen wieder aufpumpen, die Kontermutter am Ventil nochmal anziehen, die Schutzkappe auf´s Ventil drehen.

FERTIG !!!!!  Ufffffffffff ……..

Eigentlich käme jetzt noch eine Beschreibung darüber, wie ich meinen Schlauch immer flicke, aber das wird ein eigener Beitrag, denn hier bin ich doch schon ziemlich lang geworden …..

Ich hoffe, ich habe alles SO beschrieben, dass man daraus schlau werden kann. Und ich hoffe, ich habe nichts vergessen.
Falls doch, bitte dezenter Hinweis. Danke.

Es grüßt,
das Smamap