…. und plötzlich ist Wahl

Heute wurde mir urplötzlich bewusst, dass am Sonntag schon Wahltag ist; frei nach dem Motto „plötzlich ist Wahl“.

Nicht dass das jetzt großartige Bedeutung für mich hätte, denn meine Briefwahlunterlagen sind schon wieder beim Wahlamt.

Aber irgendwie fehlt mir das endspurtartige des Wahlkampfes.

Also noch 4 Tage bis dahin, und plötzlich ist Wahl.

Andererseits bin ich aber dann auch froh, wenn diese ganzen Wahlplakate wieder verschwinden. „Plötzlich ist Wahl“ hat, an DIESER Stelle zumindet, einen Vorteil.

Wobei mir vorhin so durch den Kopf ging, wie denn der Wahlkampf oder ev. sogar die Politik der einzelnen Parteien/Kandidaten zu beurteilen ist, wenn man nach den Wahlplaketen geht.

Ich versuche das mal, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Passgenauigkeit:

FDP – Wahlkampf mit EINEM Gesicht und Slogans, die versuchen, besonders geistreich zu sein bzw. nach dem Mund zu reden (zB „Wirtschaftspolitik wieder verfügbar“ oder „Digital first, Bedenken second“). Slogans, die teilweise echt bedenklich sind.

Union (= CSU, hier in Bayern) – die bekannten Gesichter, also Seehofer und Konsorten. Spruchstrategie a la „Klar für Bayern“, „Klar für Stabilität“ etc etc. Ich fragte mich, wenn ich das las, fortwährend „was wollen mir diese Sprüche sagen“.
Und da waren da noch die Plakate mit „Soli abschaffen“ und „Kindergeld rauf“. Da fragte ich mich immer …. „Jungs und Mädels, WAS bitteschön habt ihr die letzten 15 Jahre gemacht – Däumchen gedreht und dumm geschaut?“

SPD – so recht ist denen nix eingefallen. Alles wie gehabt. Nix Neues. Man las von „Gerechtigkeit, Rente, Fördern“ etc etc. Irgendwie alles altbacken (sicherlich wichtig, aber eben altbacken). Frischer Wind is was anderes!

Grüne – die hab ich erst die letzten 2 Wochen wahrgenommen. Vorher irgendwie NULL. Ev ja Absicht. Aber die Sätze auf den Plakaten die stimmten zumindest. „Gesundes Essen kommt nicht aus einer kranken Natur“ oder „Von weniger Europa hat keiner mehr“. Ich hoffe, dass die Grünen genügend stimmen bekommen, damit diese Themen genügend Rückhalt erlangen.

Freie Wähler – die laufen irgendwie unter dem Radar. Sie sind zwar nahe am Bürger, und schreiben auch (hier bei mir) „Mehr Hof und Wunsiedel in Berlin“, und Vieles von dem, was die freien Wähler vertreten, bräuchten wir künftig, aber irgendwie schaffen die nicht den Sprung über die kommunale Ebene hinaus. Was viele nicht wissen: Auf kommunaler Ebene sind die die Nr. 3 in D.

AfD – Wahlsprüche, die die niederen Instinkte ansprechen. Gleichzeitig von der Logik verlassen. Wessen Politik sich auf Flüchtlinge und Vorurteile beschränkt und darauf, was die mit uns machen, und dass sie uns überrennen, der ist weit weit von der Realität entfernt. Wobei man froh sein muss, dass wir aktuell nicht jene „Hochzeit“ der Flüchtlingskrise haben, wie noch vor 2 Jahren. Denn dann würden die sicherlich noch ein ganz anderes Ergebnis einfahren, als die 10%, die jetzt angekündigt sind. Vll dann eher das Doppelte.
Aber DAS läge dann ausschließlich an den dummen Wählern.

Alle anderen Parteien – hier und da habe ich auch mal ein Plakat von den Kleinstparteien gesehen, die AUCH antreten. Aber was DA draufstand, das war meist derart nichtssagend und daneben, dass ich oft nie wußte, wofür die überhaupt stehen. Heute zB da sah ich ein Plakat, da hat einer (man hatte den Eindruck, mangels Bärtchens) eine Grimasse geschnitten. Ich bin zwar der Meinung, wer nicht zur Wahl geht, hat keinerlei Recht, sich auch nur über IRENDWAS zu beschweren, aber wer eine SOLCHE Partei wählt, der könnte auch gleich zuhause bleiben. Oder er ist Spaßwähler, und hat nicht begriffen, worum es geht, wenn der Souverän bestimmt, wer künftig die Politik bestimmt. Denn eines ist klar – welche Politik gemacht wird, das bestimmt der Wähler, UND NIEMAND SONST.

Alles meine ganz persönliche Meinung, mit der niemand übereinstimmen muss. Aber wie ich heute schon mal hier schrieb: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.

„Plötzlich ist Wahl“ hat dann sicherlich auch insoweit etwas Positives, weil die Parteien tendenziell das Ergebnis Ihrer Politik serviert bekommen. Denn wenn eine Partei plötzlich nur noch halb so viele Stimmen hat, oder jedenfalls wesentlich weniger, und andere dafür wesentlich mehr, DANN hat das der Wähler SO entschieden.
Und Demokratie ist eben, das Ergebnis der Mehrheit zu akzeptieren, so wenig einem das auch immer gefallen mag.

Und beim nächsten Mal, hat dann die Partei, die dann nicht mehr dabei oder dran ist, die Möglichkeit, mit einer anderen Politik Wähler anzusprechen. Man mag davon halten, was man will, aber dass dies möglich ist, zeigt die FDP. Erst komplett weg, und dann mit erheblichen Gewinnen, wieder drin (man liest von 10%); auch wenn man mit ihren Inhalten nicht übereinstimmen mag.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)

Die Qual der Wahl beim Wählen

Heute früh/vormittag war ich in meiner Kleinstadt zu Fuß unterwegs und beobachtete die „Qual der Wahl“.

Eigentlich hatte ich mich entschlossen beim Bäcker um’s Eck ein kleines Frühstück zu mir zu nehmen, denn ich hatte heute keine Lust, mir selber eins zu machen.

Und nachdem es nach den Gewittern, heute nacht, sehr angenehm draußen war, lief ich danach los. Na ja – bei mir ist das immer etwas langsamer.

Unterwegs sah ich Vieles.

Unter anderem auch die Mengen an Wahlplakaten, die jetzt, einen Monat vor der Wahl, wie Unkraut „aus dem Boden schießen“.

…. BRÜLL – jetzt hatte ich aus Versehen, statt „schießen“ tatsächlich „scheißen“ geschrieben.

Jedenfalls, wenn ich mir das so ansehe, was da auf den Plaketen an Sprüchen steht, dann muss ich häufigst den Kopf darüber schütteln, wie die Menschen verarscht werden.

Die Qual der Wahl eben.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin Wähler, und ich gehe IMMER zur Wahl (auch wenn es meist die Briefwahl ist). Bürgerpflicht nenne ich das, in tiefstem demokratischen Sinne. Aber ich hinterfrage die Dinge auch kritisch.

Ich wollte fast schon ein paar Fotos machen, und sie hier einfügen. Doch es sträubte sich in mir, mit dem Unsinn, der da teilweise steht, auch noch Werbung zu machen.

Der eine verspricht die Abschaffung des Soli, der andere eine neue Wirtschaftpolitik. Wieder einer eine sichere Zukunft. Der nächste, dass der Wahlkreis künftig viel mehr in Berlin zur Geltung komme. Und dann auch eine ganze Menge von Sprüchen, bei denen man erstmal überlegen muss, was damit überhaupt gesagt werden soll. Wenn da also steht „klar für Sicherheit“, was will mir dieser Mensch damit sagen?

Sorry, aber ich habe bei all diesen Wahlplakaten immer den Eindruck, um nicht zu sagen, das sichere Wissen, dass das alles, was da steht, nur Schall und Rauch ist, und spätestens nach dem Wahltag keine Rolle mehr spielt.

Ich habe mir vorgenommen, wenn hier bei mir im Ort mal eine Wahlveranstaltung ist, mit einem Wahlkreis-Kandidaten, dort vorbeizuschauen. Denn ich möchte wissen, ob es einen Unterschied gibt, zwischen dem, was auf den Plakaten steht, und dem, was gesprochen wird. Ich befürchte, der Unterschied ist eher gering.

Was mich dort hin treibt, ist nicht nur dieses Thema, sondern auch das Thema, ob die wirklich wichtigen Themen unserer Zeit, zumindest dort eine Rolle spielen. Für mich sind das die Themen Klimawandel, Flüchtlingspolitik, Waffenexporte und Sozialstaat.

Denn diese Themen werden die Themen sein, die unsere Zukunft sehr wesentlich bestimmen werden, und die, eher früher als später, bei uns aufschlagen, um nicht zu sagen, über uns zusammen schlagen (wobei ich bei Flüchtlingspolitik das Gebiet meine, was gemacht wird, um die Ursachen der Flüchtlingsströme zu beseitigen, und die gravierenden Mißstände in der Politik der Vergangenheit).

Aber jetzt bin ich vom Beitragsthema abgewichen.
Es sind jetzt noch 4 Wochen bis zur Wahl. In dieser Zeit werde ich noch viele Wahlplakate sehen. Zwar immer wieder dieselben, aber jedes Mal auf’s Neue werden sie mir ein Lächeln entlocken, ob der offensichtlichen Versprechen und Slogans, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen.

Nichtsdestotrotz bin ich leidenschaftlicher Wähler. Seitdem ich volljährig wurde. Und nur weil das System Auswüchse hat, über die man nur den Kopf schütteln kann, werde ich nicht das ganze System in frage stellen. Die Alternativen, die man weltweit beobachten kann, sind gar zu abschreckend. Die Freiheiten, die mir unser Land in ihren manigfaltigen Ausprägungen gewährt, sind mir absolut zu wertvoll. Und deshalb wird eine bestimmte Partei meine Stimme mit Sicherheit auch niemals erhalten. Gleichzeitig muss eine Demokratie das aushalten können, wenn die Partei, die ich meine, bei dieser Wahl nicht unerheblich Stimmen bekommen wird.

Vll bringt das so Einige zum Nachdenken, und lässt uns künftig dann auch etwas andere Wahlplakate sehen, die sich endlich damit beschäftigen, was wesentlich ist, und nicht mit Slogans und leeren Versprechungen. Ev ist dann einmal die Qual der Wahl keine Qual mehr.

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)