Hauptstädte und deren Anziehung

Heute hatte ich ein interessantes Gespräch.
War in Hof und dort vor einem Cafe und kurzes Frühstück eingenommen.

HOF

Kam ins Gespräch mit dem Mann am Nebentisch.

Stellte sich heraus, er lebte lange Zeit in Bamberg. Eine für mich wunderschöne Stadt.

BAMBERG

Doch er bestätigte einen Eindruck, denn ich immer auch gehabt hatte, wenn ich diese Stadt besuchte:
So manche Einheimische haben ein Problem mit dieser Faszination, die die Stadt ausübt. Viele Menschen dort fühlen sich überfordert. Von der Menge an Touristen, von der dadurch bewirkten Enge der Stadt, dem Ansteigen der Preise für Wohnungen und Lebenshaltung.

Er beschrieb, dass er die Erfahrung gemacht hatte, dass es fast unmöglich sei, so wie er und ich heute morgen, dort einfach ins Gespräch zu kommen. Zum einen findet man keinen Platz, z.B. im Cafe, zum anderen sind häufigst Menschengruppen anzutreffen, die an so etwas gar kein Interesse hätten.

Die Hektik, die so eine Stadt ausstrahlt, sei ihm eines Tages zu viel geworden, und er habe sie verlassen und sei nach Hof gezogen.

Er stimmte zu, dass das natürlich auch eine Frage dessen sei, dass Bamberg eine relativ kompakte Stadt ist, so dass sich alles auf eher engem Raum abspiele.

Ich konnte als geb. Münchner, und als einer, der lange Zeit in Großstädten gelebt hatte, bevor er das ruhigere Leben für sich entdeckte, das durchaus nachvollziehen, auch wenn ich in Städten wie München, Ingolstadt, Straubing und Regensburg immer auch die Erfahrungen machen konnte, dass sich die Städte und Menschen immer mehr in der Fläche ausbreiten. Offenbar haben eher historische und enge Städte da ein ziemliches Problem.

INGOLSTADT

REGENSBURG

STRAUBING

MÜNCHEN

Und so waren wir uns einig, dass es einfach schön ist, in der Sonne eine Tasse Kaffee zu genießen, Platz zu finden, zwanglos ins Gespräch kommen zu können, und dann für den Kaffee 1,90 € zu bezahlen, und noch auf viele Menschen zu treffen, die dort geboren oder aufgewachsen sind, und nicht aus den Städten gedrängt zu werden, weil man sich die Hektik oder die Mieten nicht mehr leisten kann.

In jungen Jahren, mag man sich so Manches davon noch vorstellen können, aber wenn man mal die 5 vorne dran hat, dann sieht das schon etwas anders aus.

Jedenfalls war es ein sehr angenehmes Gespräch heute morgen. Und für mich war es nicht nur eine Tasse Kaffee, sondern dazu noch ein gutes Frühstück in der Sonne, die Menschen betrachtend, die vorbei kamen.

Es grüßt,
das Smamap

Stadt oder Land

Nachdem ich jetzt AUCH SCHON den Blog von Ilona gelesen habe, der HIER aufzurufen ist, möchte auch ich dazu was zum Besten geben:

Ich bin einer, der hat in dieser Hinsicht schon so einige Lebenssituationen erfahren.

Von Geburt an, war ich ein Stadtmensch, was man von einem geborenen Münchner mit Fug und Recht behaupten kann. Meine Jugend verbrachte ich in Ingolstadt, also auch eine Großstadt (mittlerweile zumindest).

Die nächsten 20 Jahre verbrachte ich in Niederbayern relativ auf dem Land, aber doch in einer Gemeinde (in der Nähe von Straubing), die nicht weit von größeren Städten entfernt war (eben Straubing, und dann auch Regensburg, was ja schon Oberpfalz ist).

Und dann verbrachte ich einige Jahre auf dem blanken Land. Blanker ging’s gar nicht. Das war in der Nähe von Hof in Oberfranken, in einem Dorf mit vll 300 Einwohnern (nun gut, es geht schon noch blanker, nämlich auf einem Einsiedlerhof, aber das wär nicht mein Ding gewesen).

Und jetzt wohne ich immer noch in Oberfranken, in einer Kleinstadt, die es so an sich hat, dass man Vieles in unmittelbarer Umgebung hat, sozusagen ein Mittelding zwischen Stadt und Land.

Um es kurz (???) zu machen: Ich bin in meiner ersten Lebensphase erstmal vom Stadt- zum Landmenschen mutiert. Ich erfuhr es als das, was ich wollte, in unmittelbarer Nähe der Natur zu leben, ohne Großstadthektik. Es war für mich Alltag, aus der Haustüre zu treten und auf dem Land zu sein. Ich entwickelte in dieser Zeit auch eine immer größere Abneigung gegen das Menschen-„Gewusel“, wie es in einer City halt nun mal ist.Trotzdem brauchte ich das mit der Stadt ab und an für einige Tage, und es war z.B. schön, wieder mal in München zu sein, die Biergärten zu genießen, mit den „Öffentlichen“ überall hin zu kommen, alles um’s Eck herum zu finden usw usf

Aber wie froh war ich dann doch jedes Mal wieder, wenn ich zurück war in meiner Land-Idylle. Es gibt nichts Schöneres, als die Laute oder die Stille der Natur zu hören, nicht immer mit diesem immensen Verkehr konfrontiert zu sein, mit Asphalt und Beton um einen herum.

Heute habe ich einen Kompromis: Ich lebe, wie schon gesagt, in einer Kleinstadt, habe hier alles, was ich benötige (fast), und wenn ich 2-3 Mal um’s Eck gehe, bin ich in der Natur.

Dennoch habe ich einen Traum: Dieser Traum heißt „Regensburg“.
Das ist eine Stadt, die mich von ihrer Art her, von ihrem Flair und von ihrer Größe her immer schon fasziniert hat, und „irgendwie“ zu mir passt. So ähnlich ist auch Bamberg, wenngleich Bamberg dann doch schon zu sehr Richtung Touristen-Hochburg mutiert.
Mein Traum wäre, in Regensburg zu leben, ein klein wenig außerhalb der City, aber doch noch so, dass ich sehr Vieles mit Bus oder Rad erreichen kann. Regensburg ist eine Stadt, die sich, zumindest für mich, ihren kleinen Charakter erhalten hat. Zugleich ist sie Uni-Stadt, und aus naheliegenden Gründen deshalb quicklebendig und jugendlich. Und zugleich eingebettet in die Natur ringsherum.
Aber dieser Traum wird wohl ein Traum bleiben. Denn allein schon meine Finanzen werden es mir niemals erlauben, Dergleichen zu verwirklichen. Und ob meine gesundheitlichen Voraussetzungen da mitmachen würden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber was wäre unser Leben ohne unsere Träume?

Es grüßt,
das Smamap