Der Marsianer – Der Film

Letzte Woche lief der Film in den Kinos an.

Marsianer

Nachdem ich mit Begeisterung das Buch schon gelesen hatte, musste ich den Film sehen. Allein schon deswegen, weil ich beides vergleichen wollte. Wohl wissend, wer gewinnen würde. Und so war es heute soweit.

Nun ….. der Film, fand ich, war gut gemacht. Sicherlich fehlen einem Film die Mittel, um all das zu vermitteln, was ein Buch vermag.

Und die Filmemacher haben in der Regel auch ihre Vorstellungen, wie die Dramaturgie eines solchen Filmes sein soll.

Zunächst einmal war es ein Film in 3D. Faszinierend, wenn der Sturm auf dem Mars auf dich zukommt, wenn du da im Kino sitzt. Der Film war für 3D natürlich prädestiniert. Allein von daher hat er mich fasziniert.

Er gab sich auch alle Mühe, die Psychologie hinter den Akteueren rüberzubringen. Wie gesagt, ein Buch hat da noch andere Mittel. Oder besser gesagt, der eigene Kopf, der in diesem Buch mit agiert.

Allerdings wird es, für meine Begriffe, schwierig, wenn einer das Buch gelesen hat, und im Film dann feststellt, dass da 2 ganz wesentliche Kapitel im Film fehlen.
Ich kann mir nur vorstellen, dass der Regisseur meinte, dass das Befinden des Helden in diesen Kapiteln eher schwer dem Zuschauer klar zu machen sei.

Dem Buch hatte ich eine 1 gegeben. Dem Film wollte ich zunächst eine 2 geben, aber nachdem besagte 2 Kapitel unter den Tisch fielen, wurde es vorübergehend eine 4. Nachdem Filme primär von der Optik leben, im vorliegenden Fall also auch vom 3D Effekt, wurde es, im weiteren Verlauf, eine 3.

Tja, und dann wartete ich auf das für mich Wesentliche des Films, nämlich die Formulierungen des Helden, zum Schluss hin.

Dies lauteten (und passen extrem in die aktuellen Ereignisse):
Warum haben sie sich die Mühe gemacht (mich zu retten)?
Na ja, die Antwort darauf kenne ich. Teilweise ist es das, was ich auch selbst verkörpere: Fortschritt, Wissenschaft und die Zukunft draußen zwischen den Planeten, von der wir seit Jahrhunderten träumen. Aber vor allem haben sie es getan, weil jeder Mensch den Urinstinkt hat, einem anderen zu helfen. Manchmal mag es nicht so scheinen, aber es ist wahr. Wenn sich ein Wanderer im Gebirge verirrt, organisieren die Leute die Suche. Bei einem Zugunglück stehen die Leute Schlange, um Blut zu spenden. Wenn ein Erdbeben eine Stadt ausradiert, schicken die Menschen von der ganze Welt Notproviant. Das ist eine grundlegend menschliche Qualität, die man überall und ohne Ausnahme in allen Kulturen findet. Natürlich gibt es Arschlöcher, denen alles egal ist, aber die Menschen, die sich kümmern, sind bei Weitem in der Überzahl.

Ich habe auf diese Passage gewartet. Im Trailer kam sie noch. Allerdings auch da schon ohne den Satz mit den Arschlöchern. Dass das Ganze jetzt wegfiel, hat mich dann doch sehr gestört, denn es ist für mich eine der zentralen Aussagen des Buches. Nun, ein Regisseur hat auch die künstlerische Freiheit der Gestaltung. Aber wenn etwas sich an einer Vorlage orientiert, dann sollte es entweder den Kern unangetastet lassen oder explizit darauf hinweisen, dass dies nicht geschah. BEIDES erfolgte nicht.

Und so erhielt der Film von mir letztlich doch nur eine 4.

Das Buch kann ich jedem, der sich für die Materie etwas interessiert, nur empfehlen. Es behandelt nicht nur das Spannende, sondern auch die psychologischen Aspekte der Ereignisse.
Im Film kommt mir dann doch so Einiges zu kurz. Ich kann ihn durchaus empfehlen, nicht nur wegen des 3D. Allerdings wird demjenigen, der das Buch kennt, eine gewisse Enttäuschung nicht erspart bleiben.

Die schauspielerische Leistung von Matt Damon muss man loben, auch wenn man sicherlich noch mehr aus der Rolle hätte machen können. Ev. ging der Film dazu aber zu schnell vor.
Er dauerte 2 Stunden. Eine Stunde mehr, und ein etwas anderer Schwerpunkt (mehr in Richtung des Buches) hätte ihm sicherlich gut getan.

Es grüßt,
das Smamap