Im Wandel der Zeit

Schon früher hatte ich mal darüber philosophiert, was sich im Lauf der Jahrzehnte so geändert hat; anders gesagt, den Wandel der Zeit darzustellen.

In den 60-er Jahren, und später, waren so manche Dinge noch anders, als sie es heute sind.
Nicht notwendigerweise besser, aber eben anders.

Woran will man den Wandel der Zeit festmachen? Einfach an den Dingen, so wie sie einmal waren?

In meiner Kindheit ging ich noch mit der Kanne zum Tante-Emma-Laden und holte dort Milch. „Tante Emma“ pumpte dann mit der Handpumpe die Kanne voll.

Das Postamt war um etliche Ecken weiter weg. Es war noch ein Postamt. Der Beamte dort ließ einen das auch deutlich merken.

Die Schule war zu Fuß 10 Minuten weg. Na ja, sagen wir 20. Denn die Schritte als Kind waren noch kürzer als Heutzutage. Ein Kind in der Klasse, geboren in einem anderen Land oder zwar hier geboren, aber mit ausländischen Wurzeln, war eine große Ausnahme.

Das Wählscheibentelefon war Standard. Etwas anderes gab es nicht. Sinnigerweise verwählte man sich immer zum Ende der Nummer, und musste die ganze lange Nummer nochmal wählen.

1969 konnte man die Mondlandung im TV sehen. Das war damals eine Revolution. Wenn man die Bilder heute betrachtet, kann man nichts Besonderes mehr daran sehen. Man hat es ja auch schon hunderte Male betrachtet.

Im TV gab es ARD, ZDF, BR und wenn man Glück hatte, noch ORFI. Wenn die Wetterlage es hergab, konnte man, mehr schlecht, wie recht, noch ORFII empfangen.

Selbstverständlich, musste man zum Umschalten noch aufstehen, und am schwarz-weiß-Fernsehgerät denn Knopf drücken.

Im Haushalt hatte es, wenn überhaupt, EIN Auto.

Jede Woche tönte durch das Mietshaus (12 Parteien) der Bauer, der Kartoffeln feil bot.

An jedem Eck stand eine Telefonzelle. Für 20 Pfennige konnte man kurz mal 2 Sätze loswerden. Das reichte ja auch.

Ach ja …. die Preise ….
Die Halbe Bier kostete 1 Mark 20, ein Liter Sprit 25 Pfennige. Der Brief 20 Pfennige, und die Breze 10 Pfennige. So in etwa zumindest.

Die Menschen hatten noch Zeit. Hatte jemand kein Telefon, dann schrieb man einen Brief. Es dauerte 3-4 Tage, bis der ankam. Alles kein Problem.

Wenn man per Katalog etwas bestellte (zB Neckermann), dann schrieb man da hin, und erhielt das Bestellte ca. 2 Wochen später. Wenn man Glück hatte, kam auch das, was man bestellt hatte.

Der Sommer dauerte durchgehend meist 8 Wochen. Gemeint sind 8 Wochen Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Unwetter waren die Ausnahme. Standard war eher, jeden Tag von früh bis abends am Badesee zu verbringen.

Die Weihnachtsferien dauerten 1 Woche. Im Winter hatte es IMMER Schnee.

Die Kinder gingen Samstags zur Schule.

In der Schule konnte es sein, dass man noch Bekanntschaft mit der Rute machte.

Nachmittags traf man sich immer draußen mit Freunden, spielte Ball, Verstecken oder saß einfach zusammen.

Den Luxus einer Toilette, die IN der Wohnung lag, hatten bei Weitem nicht alle. Manchmal lag die Toilette im Hausflur. Jede Etage hatte eine. Das war allerdings damals schon nur noch in den alten Häusern so,

Meine Großeltern hatten schon eine in der Wohnung. Allerdings auch nur deswegen, weil mein Opa als gelernter Maurer, eine angebaut hatte.
Baden wir einmal in der Woche in der „Waschküche“. Die befand sich im Nebengebäude. Dort wo auch Wäsche gewaschen wurde.

Ich war wohl die erste Generation, für die es normal war, dass die Eltern in einer Mietwohnung wohnten, wo es all das innerhalb der Wohnung gab.

Fotographiert wurde mit einer 0815-Camera, in der sich ein Film befand, der, sobald er aufgebraucht war, zum Entwickeln gebracht werden musste. Bis man die Bilder dann in der Hand hielt, vergingen etwa 2 Wochen.

„Der Größte“ hieß Cassius Clay.

Armstrong war entweder der auf dem Mond oder der mit Trompete.

Mein Vater fuhr zuerst einen Opel Kadett und dann einen Audi 60.

……

Und SO könnte die Liste wohl noch endlos fortgesetzt werden.
Es ist höchst interessant, sich mal so in Erinnerung zu rufen, wie es damals war, was es damals alles noch nicht gab, und man nie für möglich erachtet hätte.

Hätte mir damals jemand von Smartphone, PC, riesigen flachen Fernsehbildschirmen und Dergleichen erzählt, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt.

Allerdings kann man sicherlich nicht sagen, dass damals alles besser gewesen sein.
Ich finde es schön, die damalige Zeit erlebt zu haben – sagen zu können, wie es einmal war – den heutigen Jungen etwas darüber erzählen zu können.

Warum ich das schön finde? Nun – ich denke, damals war alles etwas ruhiger. Und heute, wo ich in die Jahre gekommen bin, versuche ich ein Stück dieser Ruhe im Alltag zu finden (auf die Art, wie es heute ist, denn jede Zeit hat wohl ihre eigene Ruhe), ohne dabei aber auf gewisse Annehmlichkeiten, die die heutige Zeit bietet, verzichten zu wollen.

Wandel der Zeit

Es grüßt,
das Smamap (www.wkfm.eu – WasKeineFreudeMacht)

Der Störenfried – weil wir ihn brauchen

Heute einen interessanten Beitrag gelesen, in dem sich der Philosoph Dieter Thomä über die Demokratie und den Störenfried auslässt, wie wir ihn in Person von Trump und Petry erleben.

Ich finde den Beitrag jetzt leider nicht mehr, sonst hätte ich ihn hier verlinkt.

Thomä interpretiert die Demokratie als etwas (wenn ich ihn richtig verstanden habe), was ständig in Unruhe ist. Es liegt im Wesen der Demokratie, dass Veränderung ein Teil von ihr ist.

In ihr gibt es Außenseiter, jeder ein Störenfried. Eine völlig normale Sache. In gewisser Weise braucht die Demokratie solche Außenseiter. Thomä nennt sie positive Außenseiter, die Veränderungsansätze bringen. Aber es gibt auch die negativen Außenseiter, die sich die Ruhe wünschen, die ihnen die Demokratie nicht bringen kann, weil sie keinen Stillstand kennt.

Und solche negativen Außenseiter wollen sich diese Ruhe dann quasi herbeibomben. Wobei ich den Herrn Philosophen so verstanden habe, dass „herbeibomben“ ein Ersatzwort ist, für jegliches Zerstörerische.

Störenfried

Sie nutzen dann die sozialen Medien, um sich eine Blase der Selbstbezogenheit zu schaffen, und andere zu finden, durch die sie sich selbst bestätigen. Denn wenn andere auch so denken, dann hat man ja recht.

Ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Störenfried versus Demokratie

Trump und die AfD als negative Störenfriede zu sehen, die, so sehe ich das, am Liebsten wieder einen Status quo hätten, der Stillstand bedeutet. Einen Status quo, der nichts verändert, und ihnen somit auch nichts nehmen kann. Weder Materielles noch Immaterielles.
Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, so könnte man denken, dass für diese Menschen die DDR in gewisser Weise ein Paradies war: Nichts veränderte sich; es gab auch keine Meinungsvielfalt, keine Entwicklung. Vll ist das der Grund, warum der Zulauf im Osten so stark ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nur dort Anhänger gibt. Es liegt im Wesen der Demokratie, dass es für Meinungen überall Anhänger gibt. Aber am meisten natürlich dort, wo von vorneherein eine Basis dafür vorhanden ist.

Und so scheint die Demokartie die falsche Heimat für jene Menschen. Die Trumps und Petrys unserer Zeit benötigen Stillstand.

Bleibt nur die Frage, was jene Störenfriede tun, wenn sie merken, dass sie die Gegebenheiten nicht so verändern können, wie sie sie gerne hätten. Ja, die Demokratie braucht Köpfe auf Abwegen, aber wohl nicht Köpfe, die eine Demokratie nicht akzeptieren können. Eine Demokratie könnte solche Köpfe aushalten …. muss sie wohl auch.

Aber nicht um jeden Preis.

Es grüßt,
das Smamap

Stadt oder Land

Nachdem ich jetzt AUCH SCHON den Blog von Ilona gelesen habe, der HIER aufzurufen ist, möchte auch ich dazu was zum Besten geben:

Ich bin einer, der hat in dieser Hinsicht schon so einige Lebenssituationen erfahren.

Von Geburt an, war ich ein Stadtmensch, was man von einem geborenen Münchner mit Fug und Recht behaupten kann. Meine Jugend verbrachte ich in Ingolstadt, also auch eine Großstadt (mittlerweile zumindest).

Die nächsten 20 Jahre verbrachte ich in Niederbayern relativ auf dem Land, aber doch in einer Gemeinde (in der Nähe von Straubing), die nicht weit von größeren Städten entfernt war (eben Straubing, und dann auch Regensburg, was ja schon Oberpfalz ist).

Und dann verbrachte ich einige Jahre auf dem blanken Land. Blanker ging’s gar nicht. Das war in der Nähe von Hof in Oberfranken, in einem Dorf mit vll 300 Einwohnern (nun gut, es geht schon noch blanker, nämlich auf einem Einsiedlerhof, aber das wär nicht mein Ding gewesen).

Und jetzt wohne ich immer noch in Oberfranken, in einer Kleinstadt, die es so an sich hat, dass man Vieles in unmittelbarer Umgebung hat, sozusagen ein Mittelding zwischen Stadt und Land.

Um es kurz (???) zu machen: Ich bin in meiner ersten Lebensphase erstmal vom Stadt- zum Landmenschen mutiert. Ich erfuhr es als das, was ich wollte, in unmittelbarer Nähe der Natur zu leben, ohne Großstadthektik. Es war für mich Alltag, aus der Haustüre zu treten und auf dem Land zu sein. Ich entwickelte in dieser Zeit auch eine immer größere Abneigung gegen das Menschen-„Gewusel“, wie es in einer City halt nun mal ist.Trotzdem brauchte ich das mit der Stadt ab und an für einige Tage, und es war z.B. schön, wieder mal in München zu sein, die Biergärten zu genießen, mit den „Öffentlichen“ überall hin zu kommen, alles um’s Eck herum zu finden usw usf

Aber wie froh war ich dann doch jedes Mal wieder, wenn ich zurück war in meiner Land-Idylle. Es gibt nichts Schöneres, als die Laute oder die Stille der Natur zu hören, nicht immer mit diesem immensen Verkehr konfrontiert zu sein, mit Asphalt und Beton um einen herum.

Heute habe ich einen Kompromis: Ich lebe, wie schon gesagt, in einer Kleinstadt, habe hier alles, was ich benötige (fast), und wenn ich 2-3 Mal um’s Eck gehe, bin ich in der Natur.

Dennoch habe ich einen Traum: Dieser Traum heißt „Regensburg“.
Das ist eine Stadt, die mich von ihrer Art her, von ihrem Flair und von ihrer Größe her immer schon fasziniert hat, und „irgendwie“ zu mir passt. So ähnlich ist auch Bamberg, wenngleich Bamberg dann doch schon zu sehr Richtung Touristen-Hochburg mutiert.
Mein Traum wäre, in Regensburg zu leben, ein klein wenig außerhalb der City, aber doch noch so, dass ich sehr Vieles mit Bus oder Rad erreichen kann. Regensburg ist eine Stadt, die sich, zumindest für mich, ihren kleinen Charakter erhalten hat. Zugleich ist sie Uni-Stadt, und aus naheliegenden Gründen deshalb quicklebendig und jugendlich. Und zugleich eingebettet in die Natur ringsherum.
Aber dieser Traum wird wohl ein Traum bleiben. Denn allein schon meine Finanzen werden es mir niemals erlauben, Dergleichen zu verwirklichen. Und ob meine gesundheitlichen Voraussetzungen da mitmachen würden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber was wäre unser Leben ohne unsere Träume?

Es grüßt,
das Smamap