Ein Spiel dauert 90 Minuten

Es gibt so geflügelte Worte, die (fast) jeder kennt.

Dazu gehört auch der Ausspruch von Sepp Herberger „der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“.

V.a. Letzteres war gestern wieder einmal zu erfahren.

Da spielten bei der EM die Nationalmannschaften Englands und Russlands gegeneinander, und nach der Vorberichterstattung und dem Spielgeschehen der ersten Halbzeit, schien es so, als würden die Engländer die Russen in Grund und Boden spielen.
Allein, ein Tor fehlte. Ich dachte mir zur Halbzeit noch, dass sich das für die Engländer noch rächen könnte.

Irgendwann schossen sie dann doch ein Tor, und so lief das Spiel dahin, und kurz vor Ende ging ich dann doch dorthin, wo ich die ganze Zeit schon hin musste.

Und just dann schlug Sepp Herberger zu.

Gut, er hatte jetzt insofern nicht so ganz recht, als ein Spiel heutzutage meist länger dauert als 90 Minuten. In der 92. Minute erzielten die Russen nämlich noch den Ausgleich.

Auch wenn ich das Tor im Original nicht mitbekam, so war das Spiel doch höchst interessant.
Die Mittel der russischen Mannschaft waren beschränkt. Und dennoch taten sie alles, um sich der spielerischen Überlegenheit der Engländer zu erwehren; der Trainer hatte sie sehr gut eingestellt, und speziell in der Halbzeitpause offenbar nochmals entsprechend Einfluss genommen.

Und so muss ich sagen, dass allein mit Jugend und Schnelligkeit ein Spiel nicht zu gewinnen ist. Es gehört noch mehr dazu. Vielleicht stehen die Engländer ja auch erst am Anfang einer Entwicklung. Mal sehen.

Gestern jedenfalls habe ich als neutraler Zuschauer den Hut vor den Russen gezogen: Sie gaben nie auf, glaubten immer an ihre Chance, und haben durch Kampf und indem sie alles in die Waagschale warfen, was sie hatten, ein Unentschieden erreicht, mit dem fast niemand gerechnet hätte.

Ein Spiel dauert 90 Minuten.

Es grüßt,
das Smamap.

Der Ball ist rund!

Man möge mir verzeihen, dass ich den Spruch (ich glaube, er stammt von Sepp Herberger) hier mißbrauche.

Aber wenn’s halt doch stimmt! Und zwar deswegen weil die Rundheit der Bälle fasziniert.

Und wie bekomme ich jetzt den Bogen zu Snooker?
Ach ja, ich weiß …. die Bälle beim Snooker sind auch rund, und das macht wahrscheinlich einen Teil der Faszination aus.

Während ich das schreibe, beginnt in London, im „Alexander Palace“, besser bekannt als „Ally Pally“, die Abend-Session des Finals der Snooker-Masters 2016.

Es handelt sich dabei um ein Einladungsturnier für die weltbesten Snookerspieler. Snooker, ist, um es nochmal zu sagen, eine Billiard-Spielart.

Es gibt mit Sicherheit genügend Menschen, die etwas Derartigem nichts abgewinnen können. Genausowenig, wie ich dem Turnier-Tanz etwas abgewinnen kann. Aber jeder braucht so sein Steckenpferd.

Und wenn man einem Ronnie O’Sullivan zusieht, wie der die Bälle beherrschen kann, und andere mit einer Selbstverständlichkeit an die Wand spielt (zumindest, wenn er einen seiner besseren Tage hat), dann ist das, für mich zumindest, Faszination pur.

Für mich ist das reiner, purer Sport. Da gelten nicht nur für die Regeln. Einerseits die von Menschen aufgestellten, andererseits die physikalischen. Und das Ganze ist gewürzt mit einem Maß an Fairness, Hochachtung für den Gegner, und Zuschauern, die die Leistung der beiden Akteure respektieren. Das alles ist woanders fast nicht zu finden ist.

Und normalerweise hört man während des Spiels eine Stecknadel fallen, weil es gute Sitte ist, dass versucht wird, die Spieler in keinster Weise zu stören.

Wer mit Sport im Allgemeinen, und Billiard im Besonderen, und Snooker im ganz Speziellen etwas anfangen kann, und dann noch mal die Atmosphäre eines solchen Spiels live miterlebt hat, der weiß, was ich meine.

Und doch ist Snooker, in gewisser Weise, wie unser sonstiges Leben: Für einzelne Snooker-Spieler gilt, dass da Künstler am Werk sind, die, wie das für so manche herausragenden Künstler gilt, eine Gratwanderung vollführen. Einerseits ganz normale Menschen, andererseits mit genie-artigem Können. Und wie das Genies immer so an sich haben, sind sie auch ein Stück weit Exzentriker. Und um ihre Kunst, dem Publikum gegenüber ausführen zu können, müssen sie ihre Exzentrik im Zaum halten, was mitunter gar nicht so einfach ist.

Und so ist es einem Ronnie O’Sullivan nicht immer leichte gefallen, seine Anwandlungen und Emotionen unter Kontrolle zu halten. Nach der heutigen Nachmittags-Session, in der er seinen Gegner dominiert hat, bleibt zu hoffen, dass ihm das auch weiterhin gelingt, und nach einem 7:1 er auch noch weitere 3 Frames gewinnt, um die Gewinnmarke von 10 zu erreichen.

Und somit beende ich meine Zeilen, die über die Faszination „Snooker“ berichten sollten, veröffentliche den Beitrag und wende mich dann dem Spiel zu.

Es grüßt,
das Smamap