Weiter so?

In diesen Zeiten wird allerorten die Frage gestellt, ob ein „Weiter so“ Sinn macht.

Wie kommt man auf die Frage?

Es gibt Vieles, was derzeit, aus gutem Grund, nicht möglich ist:

  • Shopping Tour
  • Autokauf
  • Urlaub
  • Möbelkauf
  • Essen gehen
  • Theater
  • Kino
  • Baumarkt
  • und diverses mehr

Diese Liste ließe sich beliebig verlängern.

Offenbar gibt es auf dieser Liste so Einiges, das nicht lebensnotwendig ist. Jedenfalls leben alle noch, die sich kein neues Auto gekauft haben.

Auf der anderen Seite bringt uns diese Zeit des Verzichts einige gute Dinge:

  • Weniger Umweltbeeinträchtigungen
  • Klarere Luft
  • Konzentration auf das Wesentliche
  • Bewußtsein was wichtig ist
  • Geldersparnis
  • etc

Ganz grundsätzlich stellt man fest, was eigentlich gar nicht wichtig ist bzw. worauf man auch so manches Mal getrost verzichten kann.

Bleibt zu hoffen, dass dann, wenn die „Zeit nach Corona“ anbricht, die Sicht nicht verloren geht, was lebenswichtig ist, und was nicht.

Denn ein „weiter so“, also zurück zu all dem, was wir in unserem früheren Leben bedenkenlos zelebrierten, sollte es nicht geben.

Vielmehr sollte der Menschen auch aus der Pandemie lernen. Lernen, was Sinn macht. Sehen, was wir speziell uns selbst, der Natur und der Umwelt antun, mit dem, was wir früher so taten.

Insofern könnte man die Pandemie als etwas sehen, das wir nicht wirklich ändern konnten, jedoch indem wir sie als vorhanden akzeptieren, das Positive, das dieses Unabänderliche hervorbrachte, mitzunehmen.

Und sei es nur das, sich öfter mal in der Natur zu bewegen, und das Auto stehen zu lassen. Oder etwa sich zu fragen, welchen Sinn es macht, sich die Wohnung mit noch ein paar Möbelstücken vollzustellen. Oder das Auto noch ein paar Jahre zu nutzen, denn wenn man weniger damit fährt, hält es auch entsprechend lange.

Zusammenfassend:
Es wäre doch eine gute Sache, wenn Menschen, die während der Pandemie auf einmal wieder die Berge „ganz da hinten“ sehen konnten, dies auch weiter tun könnten.
Jedoch mit „weiter so“ wäre diese Zeit dann schnell wieder vorbei, wenn die Schornsteine der Fabriken wieder Volllast laufen.

Solange bis die Natur erneut zurückschlägt.

Oder glaubt jemand allen Ernstes, dass das Corona Virus deswegen entstand, weil wir uns alle naturgemäß verhalten haben?

Das Leben nach dem Tod

Roger Willemsen sagt in seinem letzten Interview ….

Er sei kein gläubiger Mensch, sei zwar protestantisch erzogen worden, dann aber so weit Rationalist geworden, dass er den Glauben mit seiner Vernunft nicht mehr in Einklang bringen konnte. „Ich würde gerne glauben, aber ich kann nicht. Aber ich respektiere jeden Gläubigen. Und vor allem die christliche Ethik, der so viel Humanität innewohnt.“

und zudem …..

„Ich glaube, jedes Leben wird dadurch besser, dass man es auch für andere lebt. Und wenn man so privilegiert lebt wie ich und eine Öffentlichkeit finden kann und dazu noch im Bereich der Kommunikation arbeitet, also schreibt, dann sollte man um Himmels Willen irgendwas tun, das anderen hilft. Das ist eine Pflicht.“

und außerdem

„Darüber (das Leben nach dem Tod) kann ich nichts wissen, und das betrübt mich nicht.“ …… „Da für mich zu den größten Glückszuständen der Zustand der Produktivität gehört, also etwas hervorzubringen, richtet sich meine Glücksvorstellung in erster Linie auf das, was ich noch werde hervorbringen können. Das heißt, Bücher, die ich im Kopf habe, Dinge, die ich sinnvoll oder notwendig finde.“

Er sprach mir damit „aus der Seele“.
V.a. auch damit, dass er den Glauben mit der Vernunft nicht mehr in Einklang bringen konnte. Und auch damit, dass man sein Leben auch für andere leben sollte.

Nun ist er tot. Und mir drängt sich, auch wegen der obigen Zitate, wieder einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Frage nach einem Leben nach dem Tod auf.

Mal angenommen ….. nur mal angenommen …… es gäbe kein Leben nach dem Tod. Dann würde man also nach dem Leben dahin faulen (man möge mir den Ausdruck nachsehen), und das war’s.
Und das Leben wär irgendwie völlig sinnlos gewesen. Es sei denn … ja, es sei denn, man hätte sich bemüht, seinem Leben einen Sinn zu geben.
Der Sinn könnte sein, dass man anderen fehlt, wegen dem, was man zeit seines Lebens getan hat.

Nun ist das bei RW sehr offensichtlich, was er alles getan hat. Weil er in der Öffentlichkeit stand. Aber muss das so sein, um Sinn in seinem Leben zu haben oder reicht nicht einfach das Bewusstsein, etwas für andere vollbracht zu haben.

Wenn jeder das so praktizieren würde, wäre es völlig egal, was danach kommt, und ob überhaupt etwas danach kommt.

Ich bin ja der Meinung, dass uns hierbei seit Jahrhunderten ein X für ein U vorgemacht wird, und es derart viele rationale Einwände gibt, für all die Dinge, die wir mit „Glauben“ umschreiben, dass es nahezu keinen Grund dafür gibt, annehmen zu sollen, dass über allem ein Schöpfer steht, und wir uns nach dem Tod alle wieder sehen.

Das muss natürlich jeder so sehen, wie er das sehen kann und möchte. Ich fände es, im Sinne von RW nur schade, wenn wir unser Leben verplempern, um dann hinterher absolut NICHTS festzustellen, weil da eben NICHTS ist.

Das alles sollte uns aber nicht davon abhalten, ein sinnvolles Leben zu leben. Eines AUCH für andere, und nicht primär für uns selbst, frei nach dem Motto „je mehr ich habe, umso sinnvoller“. Denn wenn wir am Ende feststellen, dass wir etwas grundlegend anders hätten machen sollen mit unserem Leben, so wie wir es gelebt haben, dann ist es ein klein wenig zu spät.

Und damit jetzt erst mal Schluss mit tiefschürfenden Fragen des Lebens 😉 😉

Es grüßt,
das Smamap