Das Selbstverständnis der politischen Klasse

Es mag naiv klingen, aber ich war immer schon der Auffassung, dass das Selbstverständnis der politischen Klasse, jenes sein müsste, Schäden von der Gemeinschaft der Menschen abzuhalten. Und zwar völlig unabhängig von den Interessen Einzelner oder gar dem eigenen Interesse.

Wenn also ein Politiker meinte, es ginge darum, eine möglichst glänzende Karriere hinzulegen, und seinen Werdegang als zentrales Thema zu sehen, so hätte er, so sah ich das immer schon, etwas grundlegend mißverstanden.

Und so wäre es auch Zielsetzung der politischen Klasse in Zeiten des Corona, alles zu unternehmen, um Schäden von den Menschen fernzuhalten. Völlig unabhängig davon, ob die Beschließung der notwendigen Maßnahmen dem eigenen Fortkommen diente. Sei es als Landrat, der wiedergewählt werden wollte, sei es als künftiger Kandidat für ein hohes Amt oder was auch immer.

Und so habe ich leider derzeit nur allzuoft den Eindruck, als ginge es bei den Diskussionen darüber, was gegen das Virus zu machen sei, auch um ein gerüttelt Maß darum, ob die Maßnahmen dem eigenen Standing dienten, um Parteipolitik, um das Bild, das von einer Partei in der Öffentlichkeit entstehen würde.

Allzuoft erscheint es, als würden Politiker ihren eigentlichen Auftrag darüber vergessen. Dabei sollte es doch darum gehen, dereinst sagen zu können, man habe das Bestmögliche dahingehend getan, den Menschen Gutes zu tun. Oft aber scheint das Wort „Gutes“ verwechselt zu werden, damit, was „Gutes“ für einen selbst dabei herausspringt.

Ich denke da manchmal an Winston Churchill, den Englischen Primier in Zeiten des 2. Weltkrieges. Er musste Vieles durch- und umsetzen, was nichts Schönes war, aber doch auf Lange Sicht den Menschen das Bestmögliche brachte. Und nach dem Krieg wurde er abgewählt. Er war für die zurückliegende Zeit das Beste, was dem Land passieren konnte, und danach sollten andere die Dinge in die Hand nehmen. ER würde aber viel Gutes für das Land getan haben.

Wir haben heute manche Politiker dieses Schlages. Zweifelsohne. Aber bei Manchen Zeitgenossen, habe ich da so meine Zweifel.

Aber das ist wohl eine der „Nebenwirkungen“ der Demokratie. So wie eben bei Arzneien auch. Entscheidend sind die eigentlichen Wirkungen.