Wehret den Anfängen

Die Logik dahinter hat mir noch nie jemand erklären können. Ich bin jetzt 54 Jahre alt, aber verstanden habe ich es nie.

Im Geschichtsunterricht habe ich gelernt, wie die Kolonialmächte, allen voran England, Frankreich, Deutschland Italien und die USA, sich Kolonien untertan gemacht, die Menschen dort ausgebeutet, und die Schätze der Länder sich angeeignet haben.

Der Wohlstand der westlichen Länder ist auch auf die Arbeitsleistung der Menschen dort gegründet. V.a. aber auf die Möglichkeit billig an Rohstoffe und Naturprodukte zu kommen.

Das hat dazu geführt, dass heute einige wenige Länder und Konzerne die Hand auf diesen Vorkommen haben.

Als Beispiele mögen nur dienen, die Kupfervorkommen, die Bauxit-Mienen, die Öllager und alle jene Rohstoffe, die wir sonst noch in Autos, Fabriken und Industrieanlagen verbauen. Der Großteil unserer Wirtschaftsmacht und unseres Bruttoinlandsproduktes kommt aus der Möglichkeit, billig an Rohstoffe und Naturprodukte zu kommen.

Und wenn man sich ansieht, wer davon etwas hat, dann sind das nicht die Menschen, die in den Ursprungsländern leben. Die Menschen dort sind in der Regel arm und ohne jede Chance.

Das alles kann man im Geschichtsunterricht lernen. Wenn man will.

Und in der Realität, die ich (er)lebe, habe ich noch etwas gelernt:
Wir haben den Menschen dort schon etwas gegeben.
Manchmal einen Diktator, den die westlichen Länder unterstützen. Der dafür sorgt, dass die Verhältnisse so bleiben wie sie sind; der die Menschen dort unterdrückt, die sich gegen die Verhältnisse wehren.
Wir geben ihnen ein paar Cent für die T-Shirts, die sie produzieren. Einen Bruchteil für die Bananen, die sie anbauen, und einen Spotpreis für die Rohstoffe, die sich dort im Boden befinden.
Ach ja, und etwas ganz Wichtiges habe ich vergessen ….. massenweise Waffen haben wir ihnen gegeben. Am liebsten noch allen Beteiligten.

Bei den Hauptwaffenexporteuren liegt Deutschland mit an vorderster Stelle. Dabei stellt sich mir die unweigerliche Frage nach der Verantwortung für die Millionen von Menschen, die weltweit umgebracht werden. Für mich ist das nichts anderes wie Mord, denn wer ist mehr verantwortlich? Derjenige der abdrückt oder derjenige, der den anderen dazu zwingt abzudrücken.

Manche mögen diese Einstellung als sehr radikal empfinden. Den schließlich will doch jeder nur sein Auto haben, seinen Kühlschrank, seinen Fernseher, seinen Computer, und seine Nahrungsmittel. Doch wer aufmerksam mitgelesen hat, der merkt ev., dass all die Menschen, von denen ich schreibe, nichts von alldem haben. Ev. grade mal genügend zu essen. Ja, ein gewisser Prozentsatz von Menschen dort, haben auch so einiges von dem, was wir hier als Wohlstand bezeichnen. Sehr sehr viele aber leben unter dem Existenzminimum. Und dabei spreche ich nicht von DEM Existenzminimum, wie es bei uns hier definiert ist.

Wer das möchte, kann sich mal informieren. Das Internet macht´s möglich. Jeder der das tut, wird schnell darauf stoßen, wie die Mehrzahl der Menschen in diesen Ländern wirklich lebt.
Und er wird auch darauf stoßen, wieviele Menschen in diesen Ländern Tag für Tag sterben. Manche wegen der Lebensumstände dort, manche wegen der medizinischen Lage, manche aus gesundheitlichen Gründen, und sehr sehr viele wegen der Waffen, die WIR dorthin lieferten, und immer noch liefern.

Wer sich dann noch die Mühe macht, herauszufinden, wie es zu solchen Gruppierungen, wie Taliban, IS, Hamas und wie sie alle heißen, kommen konnte, und woher die ihre Waffen haben, der wird baff erstaunt sein. Oder vielleicht auch nicht, weil er es ja eigentlich immer schon wusste.

Unter all diesen Voraussetzungen wundern wir uns, wenn viele Menschen von dort, versuchen, zu uns zu gelangen. An einen Ort, wo es ihnen nur besser gehen KANN. Denn schlechter als dort, geht kaum mehr.

Und was machen wir? Wir haben nichts anderes zu tun, als zu sagen: Wir wollen euch hier nicht; bleibt dort, wo ihr seid. Die Verantwortung für die Verhältnisse in jenen Ländern, die weisen wir natürlich weit von uns.
Wer sich auch nur einigermaßen ernsthaft und v.a. ehrlich mit der Geschichte, mit den aktuellen Situationen und mit Verantwortlichkeiten beschäftigt, der wird sehr schnell auf eine andere Antwort stoßen.

Wird darauf stoßen, wer verantwortlich ist, für den Hunger in der Welt, für die Kriege in der Welt, für die Armut in der Welt und v.a. für den Tod in der Welt.

Und alles, was UNS darauf einfällt, ist, die Verantwortung zu leugnen, Zäune zu bauen, die Menschen auszusperren, und einmal mehr es zuzulassen, dass viele sterben, aus Gründen, die WIR ALLE zu verantworten haben.

Da fällt es natürlich sehr viel leichter, zu sagen: Das sind ja alles nur Schmarotzer; diejenigen, die uns die Arbeit wegnehmen wollen, und all das, was wir uns geschaffen haben. Sicher, auf einen gewissen Prozentsatz trifft das ganz gewiss zu. Wie überall, und auch bei uns, gibt es auch unter diesen Menschen eine Gruppe, die sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen wollen. Nur … auch wir würden dem widersprechen, wenn wir alle über einen Kamm geschert werden, weil manche das in unserer Bevölkerung so machen.

Es ist unsere Aufgabe, so vielen Menschen wie möglich zu helfen, denen woanders nur der Tod droht. Der Tod, den v.a. wir veranlasst haben. Und deshalb ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass genau DAS nicht eintritt.

Und noch etwas ist unsere Aufgabe: ENDLICH DAFÜR ZU SORGEN, DASS SICH DIE VERHÄLTNISSE AUF DIESER WELT ÄNDERN.
Denn eines muss uns klar sein: Im Vergleich zu dem, was noch auf uns zukommt, ist das, was wir jetzt erleben, ein müder Abklatsch.
Nämlich dann, wenn die Klimaveränderung zu dem wird, was unweigerlich kommt, wenn wir so weitermachen wie bisher. Denn der allergrößte Teil der Menschen, die am meisten davon betroffen sein werden, lebt NICHT bei uns.
Und 3x darf der geneigte Leser raten, WER für die Klimaveränderung verantwortlich zeichnet.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns die Menschen, die von all den Verhältnissen, die ich hier geschildert habe, existentiell betroffen sind, zu irgendeinem Zeitpunkt, der nicht mehr allzufern liegt, überrennen werden. Einfach wegen ihrer schieren Masse.

Die Einzigen, die etwas daran ändern können, das sind unser führenden Politiker. Doch alles, was die im Kopf haben, ist, wiedergewählt zu werden. Allenfalls noch ihr Ansehen, ihre Diäten und die Fraktionsdisziplin. Ich bin SEHR für diese Demokratie, in der wir leben. Nur … DAFÜR haben wir unser Politiker nicht gewählt.

Und deshalb wäre es an der Zeit, dass unsere Politiker dafür sorgen, dass wir von dem hohen Ross runterkommen, was wir angeblich alles zum Leben brauchen. Damit müssten sie natürlich als Erstes bei sich selbst anfangen.
Wenn wir ein vernünftiges Leben auf diesem Planeten erhalten wollen, dann muss sich VIELES ändern. Es wird auf jeden Fall nicht dadurch zu gewährleisten sein, dass jeder von uns 2 Autos, 2 Kühlschränke, 3 Fernseher, ein Haus und weiß Gott was sonst noch hat, während die Menschen anderswo verrecken. Sei es durch unseren Wohlstand, durch unsere Waffen, durch unser Politik oder durch die von uns produzierte Erderwärmung. Es wäre dringend an der Zeit, den Menschen in all den Ländern, die ich meine, für das, was wir von ihnen bekommen, auch ein anständiges Entgelt zu gewähren, unsere Umweltverschmutzung und damit die Klimaveränderung entscheidend zu reduzieren, und endlich unsere Waffenexporte einzustellen. Und das alles wäre nur zu erreichen, indem wir ganz entschieden damit beginnen, auf so Einiges zu verzichten, was wir meinen haben zu müssen. Es zwingt uns niemand, mehrere Auto, Kühlschränke und Fernseher zu haben. Und es zwingt uns auch niemand, Waffen zu produzieren.

Wenn trotz aller Notwendigkeiten nichts passiert, dann werden uns die Notleidenden dieser Welt überrennen, weil sie keine andere Wahl haben, als den Tod. WENN das so kommt (und damit meine ich nicht das OB, sondern das WANN), dann sind die verantwortlichen Politiker längst nicht mehr unter uns. Sie hatten dann ein schönes Leben. Diejenigen, die schon vor vielen Jahren das Ruder (zumindest) hätten bewegen müssen, sind ohnehin schon nicht mehr unter uns.

Es wäre an uns, AN JEDEM EINZELNEN VON UNS, alles das zurückzufahren, wovon ich gesprochen habe, und nicht auf die Politiker zu warten, frei nach dem Motto „wenn DIE nichts machen….ich kann eh nichts ändern“. Wir können sehr Vieles tun. Und der Hauptpunkt nennt sich „VERZICHT“. Und der nächstwichtige Punkt wäre „Engagement“.

Ich hoffe, ich liege falsch, wenn ich behaupte, dass sich nichts ändern wird. Wenn ich richtig liege, dann wird es zumindest so sein, dass ich nicht mehr hier sein werde, wenn es ernst wird. Aber meine Kinder schon noch. Deren Anklagen werde ich allerdings nicht mehr hören.

Meine Meinung!

Es grüßt,
das Smamap

Dieser Beitrag wurde unter Freude veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permanentlink.

Freu mich echt über jede Nachricht !!!